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Post aus Belgien hing im Wald


Autor: Redaktion

Burkardroth, Sonntag, 11. Dezember 2016

Die Förster finden immer wieder Überbleibsel in den Bäumen. Jetzt flog ein Luftballon aber sogar von der belgischen Nordseeküste bis in die Rhön.
Förster Joachim Dahmer hat die von Forstwirt Andreas Bauer (im Bild) gefundene Postkarte an die angegebene Adresse zurückgesandt und wartet nun auf Antwort.  Foto: Joachim Dahmer


Das man Luftballons oder daran hängende Postkarten im Wald findet, ist für Waldarbeiter und Förster nicht ungewöhnlich. Immer wieder mal hängt so ein Exemplar im Geäst herum. Förster Joachim Dahmer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt hat in den Wäldern rings um Burkardroth in den letzten Jahren bestimmt an die 20 solcher Karten gefunden.
"Oft werden solche Luftballons bei Hochzeiten, bei Familienfeiern, bei Firmenjubiläen und so weiter gestartet. Wenn die Karte noch nicht zu sehr aufgeweicht und noch einigermaßen lesbar ist, sende ich die in der Regel auch zurück". Eigentlich schade, findet Förster Dahmer, dass man nie Antwort vom Absender erhält.
"Das ist so ähnlich wie bei einer Flaschenpost. Irgendwann findet man die Hinterlassenschaft, oft aber Wochen, Monate oder Jahre nach dem eigentlichen Event. Dann ist das Ereignis für die Absender abgehakt und keiner interessiert sich mehr für die einstige Botschaft."


Wegwerfgesellschaft

Irgendwie ist das auch bezeichnend für unseren momentanen Zeitgeist, meint Dahmer. Schnell weg mit dem Ballon, entweder meldet sich jemand in den Tagen nach dem großen Ballonstart-Event oder auch nicht - ein paar Tage später interessiert das keinen mehr. Auch nicht den Müll in Form von Ballons, Schnüren und Postkarten, die dann irgendwo in den Bäumen hängen, manchmal auch als Nistmaterial im Nest eines Vogels landen. "Das ist typisch für unsere schnelllebige Wegwerfgesellschaft", meint Dahmer.
Nicht schlecht staunte der Forstmann aber, als ihm die Waldarbeiter des Marktes Burkardroth eine Postkarte aus Belgien präsentierten: Diese hatten sie während der Durchforstungsarbeiten in der Abteilung Rainschlag nahe des Burkardrother Ortsteils Stralsbach gefunden.
Losgeschickt wurde der Ballon am 5. Oktober 2016 in Blankenberge, einer 20 000 Einwohnerstadt in Westflandern an der belgischen Nordseeküste. Offenbar im Rahmen eines jährlichen "internationale Ballonwedstrijd" im fernen Belgien. Förster Joachim Dahmer hat die von Forstwirt Andreas Bauer gefundene Postkarte an die angegebene Adresse zurückgesandt und wartet nun auf Antwort.
Auf der Postkarte ist die Werbung eines Strandcafés in Blankenberge zu sehen. "Vielleicht werdet ihr ja auf eine Tasse Kaffee nach Belgien eingeladen", meinte Dahmer scherzhaft zu den beiden Forstwirten Andreas Bauer und Stefan Epp. Die Forstleute haben nachgerechnet: Würde man mit dem Auto von Stralsbach nach Blankenberge fahren, wären das rund 600 Kilometer. Luftlinie - wenn der Ballon direkt geflogen wäre, etwas weniger, so runde 500 km. "Das ist schon eine ungewöhnlich weite Strecke", sagt auch Forstwirt Bauer.
Immer wieder mal landen im Burkardrother Gemeindewald verschiedene Flugobjekte. Spektakulär war die ungewollte Landung der niederländischen Spezialkräfte in der Waldabteilung Männerhölzlein nahe dem Ortsteil Wollbach 2012. Eine schwierige Rettung der Fallschirmspringer durch Bergwacht und Feuerwehr und ebenfalls eine schwierige Bergung der verbliebenen Fallschirme schloss sich damals an.
Förster Dahmer hat auch schon mehrmals Radiosonden im Wald gefunden. Solche Sonden werden mit Hilfe von Wetterballons mehrmals täglich von verschiedenen Standorten (z.B. dem Hohenpeißenberg) in Deutschland gestartet. "Wenn man eine solche Sonde im Wald findet, muss man die nicht zurücksenden, sondern besser im Müll entsorgen", so Dahmer.


Für Sondenjäger

"Kleiner Tipp: Stellen Sie die gefundene Sonde in den einschlägigen Internet-Verkaufsportalen unter Angabe des genauen Fundortes ein, dann erhalten Sie ein paar Euro dafür!" Es gibt nämlich sogenannte "Sondenjäger", die ganz "wild" auf solche Radiosonden sind. Manche Menschen machen sich den Spaß und die Mühe, den Flug der Sonden zu beobachten bzw. den Datenfunk mit einem Funkempfänger abzuhören, um die Positionsdaten der Sonde zu verfolgen und nach dem Herunterfallen möglichst aufzusammeln. Jede gefundene Radiosonde ist für diese Sondenjäger daher wie eine Trophäe.
"Es wäre auf jeden Fall schön, wenn Waldspaziergänger diese Flugobjekte einsammeln und entsorgen würden", sagt Dahmer.
Eine ganz besondere Sorte von Flugobjekten sind allen Forstleuten jedoch ein Graus: Das sind die sogenannten Himmelslaternen, hier handelt es sich um Papierlampions, die durch einen brennenden Docht erwärmt werden. Sie wurden vor über 2000 Jahren in China aus militärischen Gründen entwickelt (Signale).


Potentielle Brand-Verursacher

Leider finden diese Flugobjekte - obwohl verboten - auch in Deutschland zunehmend Verbreitung. "Das sind potentielle Waldbrand-Verursacher!", sagt Förster Dahmer. Vor einigen Jahren fand er die Überreste einer solchen Himmelslaterne in einem Waldgebiet nahe dem Burkardrother Ortsteil Lauter. "Man konnte sehen, wie von dem Absturzort der Laterne ein halber Quadratmeter Waldboden verkohlt war, glücklicherweise war das Feuer offenbar dann erloschen", erinnert er sich. Wenn so ein brennender Lampion nach wochenlanger Trockenheit im Sommer irgendwo runter geht, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Waldbrandes schon sehr hoch, erläutert der Förster. Daher sollte man auf Familienfeiern, Hochzeiten etc. lieber verzichten.