Wer Autobahnbrücken baut, muss mit großen Zahlen umgehen können: Die 2013 fertiggestellte neue Sinntal-Brücke kostete rund 69 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr abgeschlossene neue Klöffelsberg-Brücke 28 Millionen Euro. Nun geht die Autobahn-Direktion Nordbayern die Brücke übers Thulbatal an. Kostenschätzung: 102 Millionen Euro. Laut Abteilungsleiter Hartmut Metz liegt das zum einen an der allgemeinen Kostensteigerung im Baugewerbe, zum anderen aber auch an mehreren Besonderheiten, vor allem müssen Lage und Pfeiler-Abstände bestehen bleiben. "Das macht die Sache aufwendiger", sagt Metz.

460 Meter lang ist die Autobahnbrücke übers Thulbatal zwischen Reith und Oberthulba. Weil die Brücke auf lediglich sechs Pfeiler-Paaren steht, betragen die Spannweiten bis zu 70 Meter. "Bei normalen Stahl-Konstruktionen ist bei 50 Metern Schluss", erläutert Metz. Bei Ersatz-Neubauten werde aber darauf geachtet, dass das Gesamtbild der Brücke erhalten wird. Also müssen technische Lösungen her: Im Fall der Thulba-Brücke bedeutet das nicht zwei Stahl-Unterkonstruktionen wie bei der Sinntal-Brücke, sondern ein großer Stahl-Kasten, der dann die Fahrbahn aus Stahl-Beton trägt.

Erste Brücke auf Behelfspfeilern

Anders als bei der Sinntal- oder der Klöffelsberg-Brücke muss die neue Thulbatal-Brücke auch genau dort stehen, wo die alte Brücke steht. Im Sinntal war eine Brücke parallel gebaut und die alte danach gesprengt worden. Das ist so im Thulbatal aus mehreren Gründen nicht möglich: Zum einen hätte laut Metz die Fahrbahn wegen der Kurven-Radien über Kilometer verlegt werden müssen, zum anderen befindet sich die Anschluss-Stelle Bad Kissingen/Oberthulba nur 450 Meter nördlich der Thulbatal-Brücke. Dort müssten die Brücke über die Staatsstraße und sämtliche Straßen erneuert werden. "Das hätte es noch teurer gemacht."

Die Lösung: Zunächst wird östlich der bestehenden Brücke eine Brücke auf Behelfspfeilern errichtet. Ende 2022 soll der gesamte Verkehr dann auf diese Brücke verlegt werden, voraussichtlich im Jahr 2023 kann die alte, einteilige Brücke abgebaut werden. "Es kommt alles weg, auch die Widerlager und die Fundamente für die Pfeiler", betont Bauleiter Markus Mayer. Laut Metz werden die einzelnen Brückenteile 2023 nach aktuellem Planungsstand durchtrennt und mit Seilen aus bis zu 59 Metern Höhe zu Boden gelassen.

Danach entsteht dann die zweite der beiden Teil-Brücken in Verlängerung der Richtungsfahrbahn Würzburg. Während diese Brücke in ihrer Endlage fertiggestellt wird, muss am Ende des Prozesses im Jahr 2026 die Teilbrücke für die Richtungsfahrbahn Fulda von den Behelfspfeilern auf die endgültigen Pfeiler verschoben werden. "Die Behelfsunterbauten und der Querverschub machen den Neubau natürlich auch teurer", erklärt Metz.

Warum muss die Brücke überhaupt erneuert werden? "Die Brücken entlang der A 7 wurden 1968 in Betrieb genommen und sind gerechnet nach dem Regelwerk der 1950er Jahre", verweist Metz auf den zunehmenden Verkehr, vor allem auf mehr und größere Lkw. Bis zu 40 000 Fahrzeuge fahren täglich über die A 7 im Landkreis Bad Kissingen. Die Schäden seien für den Laien nicht erkennbar, aber die alte Brücke könne nur noch genutzt werden, weil seit Langem das Tempo reduziert und die Fahrbahnen verengt wurden: "Der Haupt-Verkehr läuft über den Längsträgern", begründet Metz die Verkehrsführung auf der Brücke.

Wenn alles läuft, wie geplant, soll es während der Bauzeit der Autobahn-Brücke über die Thulba keine Sperrungen der A 7 geben: "Ziel ist, dass wir die vier Fahrstreifen wie im Regelbetrieb auch im Baustellen-Betrieb aufrecht erhalten", sagt Hartmut Metz. Sprich: Keine Staus oder Umleitungen auf den Straßen in der Gemeinde Oberthulba. Dafür werde aktuell auch die Fahrbahn vor und hinter der Brücke ertüchtigt: "Das wäre während der Bauzeit nur mit hohem Aufwand möglich."

Voraussichtlich bis Ende kommender Woche werden südlich und nördlich der Brücke jeweils mehrere hundert Meter Deckschicht abgefräst und erneuert. Das solle sicherstellen, dass die Überleitungsbereiche, auf der sich die Verkehrsführung mehrfach ändert, während der sechsjährigen Bauzeit keine Probleme machen. Parallel zu den Bauarbeiten auf der Brücke laufen die umfangreichen Erdarbeiten unter und neben der Brücke: "Im Moment schaffen wir die Zufahrten und den Takt-Keller", berichtet Bauleiter Markus Mayer. Für das südliche Widerlager werden die Wege bis zur Staatsstraße 2290 zwischen Oberthulba und Wittershausen verbreitert und befestigt. Die Zufahrt zum Widerlager in Richtung Fulda erfolgt von der Staatsstraße 2291 aus Richtung Reith.

Neben dem Widerlager Würzburg ist eine große Fläche auf Höhe der endgültigen Brücke nötig, der so genannte Taktkeller. Dafür wird ein Behelfs-Widerlager neben der alten Brücke betoniert. Oberhalb werden die einzelnen Brückenteile angeliefert, zusammengesetzt und in Abschnitten von Süden nach Norden übers Thulbatal geschoben.

Mayer geht davon aus, dass die Gründungsarbeiten für die Pfeiler zum Jahreswechsel starten können: Je nach Witterung werden je Pfeiler mehrere Bohrpfähle gebohrt und mit Beton ausgefüllt, danach kommt eine Bodenplatte als Fundament für die Pfeiler drauf. Nach aktuellem Stand soll mit dem eigentlichen Brückenbau im April begonnen werden.

Als "notwendig und unumgänglich" bezeichnet der Oberthulbaer Bürgermeister Mario Götz (FW/CSU) die Baustelle und die damit verbundenen Einschränkungen. Die Baustelle werde zwar über Jahre "in unser Landschaftsbild eingreifen und unsere Straßen- und Wegenetze belasten", aber: "Die A7 ist ein wichtiger Standortfaktor für den Markt Oberthulba", betont Götz, und: "Wir hoffen, dass die Erneuerung sowohl während der Bauphase und auch darüber hinaus nachhaltig zu einer Steigerung der Attraktivität des Standorts beiträgt."

Ausdrückliches Lob gibt es vom Oberthulbaer Bürgermeister für die Zusammenarbeit mit der Autobahndirektion Nordbayern: Die Gemeinde sei am Planfeststellungsverfahren beteiligt worden, die Pläne lagen im Rathaus aus.

Zugesichert worden sei ihm auch, dass der Premium-Wanderweg "Thulbataler" weitgehend begehbar bleibt. "Wir müssen den Weg vorerst höchstens mal stunden- oder tageweise sperren", betont Bauleiter Markus Mayer. Das geschehe alles in Absprache mit der Gemeinde. Frühestens beim Abbruch der alten Brücke 2023 könnte es längere Sperrung geben. Für die Thulba selbst gibt es einen rund 60 Meter breiten Überbau, zum Teil sogar überfahrbar. Direkt unter der Brücke gebe es keine Schutzgebiete, für Randbereiche wurden Auflagen erlassen. Genau festgelegt ist laut Metz auch, wie der Boden nach Abschluss der Arbeiten wieder ersetzt wird: Jedes Grundstück erhalte genau den Oberboden, der jetzt dort abgegraben wird.