Jung, dynamisch, erfolgreich: Die Geratherm Respiratory GmbH zieht im Februar 2020 von der Innenstadt in die Kasernenstraße um. In einigen Ländern ist das Unternehmen schon Marktführer.
An dem Neubau in der Kasernenstraße, unterhalb der Polizeiinspektion, wird mit Hochdruck gearbeitet. Die Maßnahme liegt im Zeitplan, sagt Kunibert Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Geratherm Respiratory, die aktuell in der Innenstadt angesiedelt ist. Die GmbH entwickelt, verbaut und vermarktet Hardware und vor allem Software für einen ganz speziellen Sektor: Es handelt sich um hochentwickelte medizinische Geräte, mit denen Ärzte in Praxen und Kliniken hauptsächlich die Funktion der Lunge und, bis zu einem gewissen Grad auch des Herzens, zu diagnostizieren pflegen.
Für Schäfer steht unumstößlich fest: Im Februar wird umgezogen, denn dann läuft der Mietvertrag für das Haus in der Sparkassen-Passage aus. Statt bislang 400 Quadratmetern steht für Entwicklung und Fertigung, Vertrieb, Verwaltung und Lager ab 2020 mehr als dreimal soviel Platz zur Verfügung (1500 Quadratmeter). Am neuen Firmengebäude wird dann ein blaues Kirschen-Paar prangen, denn "Blue Cherry" ist schon lange das Markenzeichen der GmbH.
Wie funktioniert die Lunge?
Vor zwölf Jahren nahm das Start-up-Unternehmen, eine Tochter der Geratherm Medical AG in Geschwenda, seinen Betrieb in einem kleinen Büro in der Unteren Marktstraße in Bad Kissingen auf, erzählt Schäfer. Er und Gert Frank, der Vorstand der Thüringer Firma, kennen sich aus früheren Tagen, und hatten seinerzeit, vor der Gründung, überlegt, wie man die Vitaldaten-Messung weiter spezialisieren könnte. Die Lungenfunktionsdiagnostik fehlte bei der Geratherm AG noch als Geschäftsfeld, sagt Schäfer.
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Aus dem ursprünglichen "Ein-Mann-Betrieb" in der Bad Kissinger Innenstadt wurde dann, drei Jahre später, nach dem Umzug in das frühere Schlecker-Haus neben der Sparkasse, eine kleine Entwicklungsfirma mit fünf Beschäftigten, schildert der Geschäftsführer die Entstehungsgeschichte. Und aus dem Vorhaben, bei Geratherm Respiratory eigentlich etwas zu entwickeln, mit dem man technisch die Hygiene-Vorschriften in Arztpraxen und Kliniken untermauern könnte, entsprang schließlich die Idee zu einem eigenen Produkt: einem minimalisierten Spirometer mit USB-Software, dessen Mundstück (Fluss-Sensor) nicht, wie üblich gereinigt und desinfiziert werden muss, sondern schlichtweg einmal benutzt und dann entsorgt wird.
"So etwas gab's damals noch nicht auf dem Markt", sagt der Geschäftsführer. Die Händler hätten zunächst zurückhaltend reagiert, da sie befürchteten, dass Ärzte und Kliniken den "Stik" mit dem Einweg-Sensor nicht kaufen würden, so Schäfer. Heute sei der "Spirostik" jedoch das Erfolgsprodukt der Firma. Das Bad Kissinger Unternehmen hat jedoch auch die Entwicklung anderer hochspezialisierter Medizingeräte im Portfolio, mit denen man die Beschaffenheit der Lunge und ihrer Funktionen auf unterschiedlichste Weise messen kann, sagt Schäfer.
Leistungsdiagnostik im Fokus
Ermittelt werden mit diesen Geräten Parameter, die unter anderem bei Krankheiten wie Asthma und COPD aussagekräftig sind. Oft sei es wichtig, bei Patienten herauszufinden, was sie ihrer Lunge und ihrem Herzen noch zumuten können, sagt Schäfer. Solche Leistungsdiagnostik spiele nicht nur bei einer "normalen" Herzbehandlung oder nach einer Herz-OP eine Rolle, sondern beispielsweise auch, wenn Hochleistungssportler sich ernsthaft verletzt haben.
Um in der Entwicklung mit solchen Anforderungen Schritt zu halten, steht die Geratherm Respiratory GmbH in ständigem Austausch mit den Universitäten in Erlangen, Mainz und Jena, sowie mit der Fachhochschule Schweinfurt. "Von Schweinfurt kommen immer wieder angehende junge Elektroingenieure hierher zum Praktikum", sagt Schäfer. Etliche von ihnen seien dann später in der Bad Kissinger Firma übernommen worden. Übrigens kamen auch die heutigen Chef-Entwickler der Firma, Manuel Heinz (Software) und Florian Dussel (Hardware), damals von der Fachhochschule zu Geratherm nach Bad Kissingen. Heute sind diese beiden "Männer der ersten Stunde", laut Schäfer, nicht mehr aus der Firma wegzudenken.