Was die Initiative "Bad Brückenau hilft" leistet
Autor: Redaktion
Bad Brückenau, Donnerstag, 04. August 2022
Als der Krieg in der Ukraine begann, wollten in der Kurstadt Engagierte helfen. Wie sich ihre Initiative entwickelt hat und wie es weitergeht.
Es war bereits der neunte Ukraine-Einsatz der Initiative "Bad Brückenau hilft" - und er toppte für das Team alle bisherige Dramatik. Statt wie bislang "nur" an die polnisch-ukrainische Grenze zu fahren, gingen Christian Wirth und Dirk Stumpe als kleine Rhöner Abordnung mit Anastasia Diachkova als Dolmetscherin Mitte Juli in das kriegsgebeutelte Land.
"Es war schon ein merkwürdiges Gefühl", beschreibt Wirth den Grenzübertritt und das Passieren etlicher streng bewachter Kontrollpunkte. Auch, weil verstärkte russische Angriffe angekündigt gewesen seien.
OP-Werkzeug und Schmerzmittel
Planmäßig hatte zuvor der Hauptkonvoi aus einem Dutzend Rhöner Ehrenamtlichen seine humanitäre Fracht am Ankunftszentrum des polnischen Grenzübergangs Przemysl abgeladen. Über ein Netzwerk von Unterstützern werden die Hilfsgüter von dort aus im osteuropäischen Nachbarland verteilt, sagt Mitinitiator Dirk Stumpe: "Wir haben inzwischen viele Ansprechpartner vor Ort, durch die alles zu hundert Prozent ankommt."
Um sich von der Verteilung selbst einen Eindruck zu verschaffen, wagte die kleine Delegation Mitte Juli den Aufbruch ins Ungewisse. Ziel waren Lwiw und Kamjanez-Podilskyj. An Bord des Sprinter-Busses hatte das Team unter anderem medizinisches Gerät und Medikamente für das Kreiskrankenhaus in Kamjanez. Zurück in Bad Brückenau, sind die Helfer noch immer voller Eindrücke: "Der herzliche Empfang in der Ukraine war überwältigend", sagt Dirk Stumpe.
Besonders der Besuch in dem Krankenhaus nahm die Bad Brückenauer mit: "Es herrscht riesiger Mangel dort", sagt Christian Wirth. Zwar hätten sie in den vergangenen Wochen in Bad Brückenau Betten, medizinisches Gerät und Medikamente sammeln und über Boten in die Ukraine bringen können. Doch OP-Instrumente und Schmerzmittel fehlen.
Wie schnell es vor Ort gefährlich werden kann, hätten sie am eigenen Leib gespürt, berichten die Helfer. Plötzlich habe es Fliegeralarm gegeben, mit ihrer Gastgeberin seien sie verunsichert in einen privaten Luftschutzkeller gehastet. "Eine halbe Stunde harrten wir aus, dann haben wir erst einmal ein Bier aufgemacht", erinnert sich Dirk Stumpe an die Entwarnung.
Besonders wichtig wurde Kleinbus
Bei den ersten Spendenaufrufen von "Bad Brückenau hilft" in diesem Frühjahr war den Unterstützerinnen und Unterstützern nicht bewusst, wie nah der Krieg ist. Und wie sich ihre Idee ausweiten würde. Spontan war aus der Kurstadt im März zunächst ein Konvoi aus neun Autos zur ukrainischen Grenze gestartet. Die mitgebrachten Eindrücke und die Schilderungen von verzweifelten Flüchtlingen spornten zu noch mehr Einsatz an: "Immer mehr Kofferräume liefen voll", erinnert sich Christan Wirth, der Unternehmer für Lagertechnik ist. Beim nächsten Transport war eine gebürtige Ukrainerin als Dolmetscherin dabei, um sich der Geflüchteten besser annehmen zu können. Besonders wichtig für Hilfssuchende wurde ein Kleinbus im Rhöner Tross: Spontan schrieben die Helferinnen und Helfer ein Pappschild, auf dem sie Mitfahrgelegenheiten nach Unterfranken anboten.