Sind Schadstoffe im Grundwasser der Grund für die Verzögerungen beim Projekt Neue Altstadt? Nein, sagen Wasserwirtschaftsamt, Landkreis und Stadt.
Viele Kissinger fragen sich, warum es mit der so genannten Neuen Altstadt so lange dauert. Mit den Planungen für die Kanalsanierung in der Altstadt und die Neugestaltung der Fußgängerzone begonnen hat die Stadt schon vor rund zehn Jahren. Der Plattenbelag war fast schon ausgesucht. Seit einer Weile aber reiht sich Untersuchung an Untersuchung. Dabei wächst mit jeder Meldung über den nächsten Blick in den Untergrund das Gefühl, dass sich der Beginn des Projekts immer weiter hinausschiebt.
Sensibles Thema
Ein zumindest für die Öffentlichkeit neuer Erklärungsansatz macht seit ein paar Wochen die Runde in Bad Kissingen. Als Hinterlassenschaft einer ehemaligen chemischen Reinigung an der südlichen Ecke des Altstadtkarrees und der ehemaligen US-Kaserne, hieß es da, fänden sich Schadstoffe im Untergrund, die das Projekt Neue Altstadt noch komplizierter machen, als es ohnehin ist. Dabei gehe es um Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW). Besonders im Fokus stehen Trichlorethylen und Tetrachlorethylen. Wegen ihrer Leistungsfähigkeit als Fettlöser wurden diese Mittel oftmals in chemischen Reinigungen eingesetzt. Und eben auch an Panzerwaschanlagen in Kasernen. Die Sensibilität für das Thema muss hoch sein im Rathaus. Aus dem Stadtrat ist von der Forderung des Oberbürgermeisters zu hören, keine Indiskretionen über die Schadstoffbelastung nach draußen zu tragen. Auf eine kurze Anfrage dieser Redaktion bei der Pressestelle, kam dann aber ungewöhnlich schnell die Einladung zu einer Pressekonferenz wegen "aktueller Erkenntnisse aus Untersuchungen im Rahmen des Projektes Neue Altstadt". Und diese Pressekonferenz war am Dienstag mit OB Kay Blankenburg, Landrat Thomas Bold, Kurdirektorin Sylvie Thormann und Leonhard Rosentritt, dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, auch noch ungewöhnlich prominent besetzt.
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Blankenburg begründete bei dem Termin die Forderung an die Stadträte, sich zurückzuhalten, mit "dem Wunsch, das kontrolliert zu kommunizieren". Für eine Kurstadt wie Bad Kissingen könne schließlich schon die bloße Erwähnung von Schadstoffproblemen im Zusammenhang mit Heilquellen schädlich sein. Dabei gehe es im konkreten Fall um Grundwasser, "nicht um Heilwasser" und "nicht um Trinkwasser".
Inhaltlich mochten Blankenburg, Bold und Rosentritt akute Probleme mit den beschriebenen Schadstoffen in der Pressekonferenz auch gar nicht bestätigen. Blankenburg räumte zwar ein, dass die Konzentration der Schadstoffe "um das Baufeld herum" schon etwas Neues sei. Rosentritt aber erklärte, die Probleme mit den Hinterlassenschaften der Reinigung und der US-Armee seien schon lange bekannt. Dagegen werde auch seit Jahrzehnten etwas getan. Und Bold ergänzte, ähnliche Probleme gebe es in der ganzen Republik. Im Vergleich stelle die Belastung im Bereich der ehemaligen Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) Münnerstadt sogar ein Vielfaches der Kissinger Belastung dar. Allerdings lag die Münnerstädter TBA auch nicht im Heilquellenschutzgebiet.
Bereits Mitte der Achtzigerjahre, berichtete Rosentritt, sei in der Kissinger Innenstadt ein Pumpschacht gebaut worden, bei dem es zunächst um mikrobiologischen Schutz der Kurgartenquellen ging. Dort habe sich schließlich auch LHKW-Belastung gezeigt. Von der Kaserne her kam weitere Belastung hinzu. Die Konzentrationen seien inzwischen aber "sehr gering".
Dennoch könne man nicht sagen, wie lange das Abpumpen von Grundwasser und Ausfiltern der Schadstoffe noch nötig ist. Im Moment kämen etwa sechs Kilo pro Jahr zusammen. Eine Menge, die nach Bolds Beschreibung weit unter dem Anfall bei der ehemaligen Tierkörperbeseitigungsanlage liegt.
Einfach stärker zu pumpen, wäre nach Rosentritts Dafürhalten nicht die richtige Reaktion. Es sei wichtig. die "sehr diffizile Grundwassersituation" konstant zu halten. So könne auch der bestehende Kanal seine Schutzfunktion weiter entfalten. Wichtig sei Konstanz, weil die Konstellation beim Grundwasser auch Einfluss auf die Zusammensetzung der Kurgartenheilwässer habe. Außerdem wirke sich der Grundwasserstand in der Altstadt auf die Statik der Häuser aus.
Man muss da nicht lange einen Kommentar schreiben. Man muss einfach nur schreiben, dass die Stadt jeden Tag etwas neues findet um noch mehr Geld auszugeben und den Beginn der neuen Fußgänger immer weiter hinauszuziehen. Es ist verständlich, dass die Kissinger nur noch drüber lachen. Bei dem, was die Stadt ständig (er)findet, sollte man unter dem Rathaus auch Schadstoffen suchen. Könnte sein dass die Belastungen höher sind als Beide im Bericht genannten. Hoppla, doch ein langer Kommentar.😎😎😊😊 Tschuldigung❗❗