Musik, Entspannung, Kreativität, Gesundheit und die Aussicht, für sich selbst Neues zu entdecken: Es klang vielversprechend, was Manuela und Marco Hohner mit dem Rise-Festival bieten wollten. Nach vier Festivaltagen lässt sich festhalten: Die Location an sich war ein Volltreffer. Das idyllische Ambiente im Luitpoldpark mit seinen großen Grünflächen und Bäumen bot die perfekte Atmosphäre für das Event. Der große Gästeansturm blieb aber dennoch aus.

Er selbst sei ein sehr spiritueller Mensch, so Marco Hohner. Und auch die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher sei ähnlich veranlagt. "Jeder Mensch hat eine Aura, strahlt etwas aus", so der Veranstalter. Tatsächlich führte das zu einer speziellen Stimmung auf dem Gelände. Ausgesprochen ruhig und besonnen ging es zu, kaum einmal fiel ein lautes Wort. Auch Smartphones und ähnliches kamen verhältnismäßig selten zum Vorschein.

Das Angebot war vielschichtig: Yoga, Entspannungsworkshops, Kochkurse für vegan zubereitete Speisen, Trommel- und Gesangskreise, kreatives Malen und Zeichnen, fair gehandelte Kleidung, Schmuck oder Traumfänger - es gab viel zu entdecken. Und das sowohl für Interessierte aus der spirituellen Szene als auch für das breite Publikum.

Auch Konzerte wenig besucht

Der Zuspruch hätte allerdings etwas größer sein können. Gerade am Donnerstag und Freitag verloren sich die Besucherinnen und Besucher auf dem weitläufigen Festivalgelände tagsüber etwas, wobei die verschiedenen Workshops noch ordentlich angenommen wurden. Doch gerade die Konzertabende waren trotz lokal und überregional namhafter Live-Acts wie "Pohlmann", "Matze Rossi" oder "Berge" sehr spärlich besucht. Schade fand Veranstalter Marco Hohner vor allem, dass die Resonanz auch beim Spendenkonzert für die Menschen in der Ukraine am Samstagabend "fast nicht vorhanden" war. Statt der erhofften 1500 Konzertgäste pro Abend dürften es weit unter 500 gewesen sein, die den jeweiligen Auftritten lauschten.

Klar muss dabei freilich sein: Eine Massenveranstaltung hatten die Hohners ohnehin nicht geplant und bewusst eine weitläufige Location gewählt. Auch, weil Corona in der Planungsphase durchaus eine Rolle gespielt hatte. So ging es Hohner mit Partnerin Manuela auch mehr darum, wie es denen gefiel, die gekommen waren. Er habe viele zufriedene und glückliche Menschen gesehen, so der Musiker. "Es waren alle happy, sehr viele Leute haben uns angesprochen und gesagt, wie gut es ihnen gefallen hat." Entsprechend war Hohner am Ende "rundum glücklich. Ich bin nur etwas traurig, dass es jetzt vorbei ist."

Bei allem Idealismus stellt sich am Ende dennoch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Das sieht Hohner realistisch: "Natürlich müssen wir auch darauf schauen", so der Musiker. Ob es auch 2023 ein Rise-Festival in Bad Kissingen geben wird oder das Event vielleicht an einem anderen Standort oder gar überhaupt nicht mehr stattfinden wird, könne er nicht sagen. "Wir wollten das von vorn herein erst entscheiden, wenn alles vollendet und auch die letzte Rechnung bezahlt ist." Soweit die rationale Ebene. In emotionaler Hinsicht ist diese Entscheidung für Hohner längst getroffen: "Wir wurden oft gefragt, ob es nächstes Jahr wieder ein Festival gibt. Am liebsten würde ich gleich nächste Woche weitermachen. Jetzt steht ja schon alles". Simon Snaschel