Ihre Augen strahlen. "Heute habe ich auch wieder gekocht", sagt Maria Rüb. Sie feierte am Dienstag in Wolfmünster, einem Ortsteil von Gräfendorf (Landkreis Main-Spessart), ihren 100. Geburtstag. Für sie ist das kein Grund zum Hände in den Schoß legen. Maria Rüb ist die älteste noch aktive Pfarrhaushälterin Deutschlands. Mit Vorfreude erwartete sie ihre Gäste.


Jeden Tag Honig

Seit 21 Jahren kocht sie im Pfarrhaus von Wolfsmünster für ihren Adoptivsohn, Pfarrer Peter Rüb. Erst seit einem Jahr wird sie von Birgit Lutz von der Sozialstation in Gemünden unterstützt. Was wohl das Geheimnis ihres hohen Alters ist? Maria Rübs Antwort lautet: "Ich mache das, was die anderen Leute nicht so mögen. Ich esse jeden Morgen zwei Löffel Honig, das muss einfach sein."
Die Jubilarin wurde am 15. November 1916 als achtes von neun Geschwistern in Nantenbach, einem Ortsteil von Neuendorf am Main, geboren. Zu den Erinnerungen an ihre Kindheit gehört ihre geliebte Puppe. Sie lag jedoch meist in ihrer Schachtel, damit sie nicht kaputt geht, erzählte die Jubilärin einst in einem Gespräch mit dem Würzburger "Sonntagsblatt". Nur wenn Maria ihrer Puppe neue, selbst genähte Kleider anzog, nahm sie sie aus der Schachtel. Damals entstand der Wunsch, Schneiderin zu werden. Daraus wurde nichts.
Maria Rüb blickt auf ein arbeitsames Leben in der Landwirtschaft ihrer Eltern und in den Gärten zurück. "Ich habe schon immer im Garten gearbeitet und alles selbst gezogen und geerntet", erzählt die Hundertjährige. Heute ist es noch der Garten um das Pfarrhaus, den sie mit Unterstützung von Pfarrer Peter Rüb, ihrer Nichte Rosamunde und einer Nachbarin bebaut.


Arbeit hält sie fit

Auch die Pflege bettlägeriger Angehöriger und das Kochen als Dorfköchin bei Familienfeierlichkeiten verlangten viel von Maria Rüb ab. Die Arbeit hielt sie jedoch fit. Schon als Kind umsorgte sie den kranken Vater Josef Rauch. Er starb, als sie acht Jahre alt war. Nach der siebten Klasse endete die Schulzeit, sie musste die Großfamilie unterstützen.
Im April 1938 heiratete sie den Konfektionsschneider Peter Rüb. Zwei Jahre später wurde dieser zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst acht Jahre später abgemagert, aber unverwundet aus russischer Gefangenschaft zurück. Die Ehe blieb kinderlos. Im Jahr 1962 nahm sie den jüngsten Sohn ihres Bruders Ludwig Rauch auf. Der kleine Peter war der Patensohn ihres Mannes. Als er in die Schule kam, adoptierte ihn das Ehepaar. Peter ging 1971 nach Würzburg ins Kilianeum und besuchte das Riemenschneider-Gymnasium, um seinem Cousin nachzueifern: Er wollte ebenfalls Pfarrer werden.
Fünf Jahre lang pflegte Maria Rüb ihren Mann, bis er 1993 starb. Danach pflegte sie zwei Jahre lang ihre Tante Therese bis zu deren Tod im Jahr 1995. Maria Rüb und ihre jüngere Schwester Hedwig entschieden sich damals, nach Wolfsmünster zu ziehen und den Pfarrhaushalt von Peter Rüb zu führen.
Neben ihrer Leidenschaft Kochen und der Pflege der Blumen gehört auch das Zeitungslesen zu ihren Gepflogenheiten. Zum bisher üblichen Kirchgang fehlt ihr in letzter Zeit allerdings doch etwas die Kraft. Dafür bekommt sie regelmäßig von ihrem Adoptivsohn die Kommunion ins Haus gebracht und sie sieht sonntags den Fernsehgottesdienst. 2012 war sie sogar selbst einmal im Fernsehen. Der Bayerische Rundfunk zeigte von ihr ein Porträt wenige Wochen nach ihrem 95. Geburtstag.
Geistig rege, bringt sie auch jetzt noch ihren Haushaltshilfen so einiges fürs Kochen bei. "Erst letzte Woche stand sie neben der Caritashelferin an der Anrichte und hat ihr gezeigt, wie sie die Klöße besser zubereiten kann", erzählt Pfarrer Peter Rüb. "Ich koche sehr gerne Klöße und einen guten Braten mit Salat oder Gemüse", fällt Maria Rüb ihrem Sohn ins Wort. Er bestätigt: "Ja, ein Braten kommt schon einmal in der Woche auf den Tisch, das lässt sie sich nicht nehmen." Am Sonntag trinkt Maria Rüb dazu auch mal ein Gläschen Wein. "Aber nur am Sonntag, zur Feier des Tages, sonst nicht", betont die Jubilarin.
Zum Jubelfeste spielte die Musikkapelle auf. Vom bayerischen Ministerpräsidenten erhielt sie eine Ehrenmedaille mit Urkunde.
Einen ganz persönlichen Geburtstagsgruß gibt es von Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann: "Der ältesten Pfarrhausfrau im Bistum Würzburg gratuliere ich von Herzen zum 100. Geburtstag und wünsche Gottes reichen Segen zu diesem seltenen Geburtsfest. Ich staune und freue mich sehr, dass Frau Rüb noch im hohen Alter als gute Seele im Pfarrhaus wirkt. Vergelt‘s Gott für den langjährigen Dienst als Pfarrhausfrau und für das familiäre Engagement als Adoptivmutter des Pfarrers." Diesen Wünschen zu Maria Rübs "besonderem Geburtstag" schließt sich auch Generalvikar Thomas Keßler an. Mitarbeit: cj