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Seehofer glaubt an Nationalpark


Autor: Redaktion

LKR Bad Kissingen, Mittwoch, 05. Juli 2017

Der Ministerpräsident zitiert die "breite Zustimmung" der Bürger, doch parteiintern wächst der Widerstand. CSU-Bezirkschef Eck erntet dafür intern Kritik.
Seit Donnerstagabend zogen schwere Gewitter über große Teile Frankens - in den Landkreisen Bamberg und Miltenberg hatte die Feuerwehr zu tun.  Foto: Jürgen Hüfner


Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält trotz zum Teil massiver Ablehnung der Bevölkerung im Umfeld möglicher Standorte im Spessart, der Rhön oder im Frankenwald an seinem Ziel fest, einen dritten Nationalpark in Bayern zu gründen.
"85 Prozent der Bevölkerung in Bayern wollen den Nationalpark", sagte Seehofer am Rande einer CSU-Fraktionssitzung im Landtag. Dies habe eine aktuelle Umfrage ergeben. In jedem Regierungsbezirk gebe es ein deutliche Mehrheit für seinen Vorschlag - auch in Unterfranken.
Diese breite Zustimmung sei "auch ein Datum", findet der Ministerpräsident: Der Schutz der Natur sei den Menschen in Bayern sehr wichtig. Seine Aufgabe als Regierungschef sei es deshalb, "dass auch solche Sehnsüchte der Menschen berücksichtigt werden".
In der CSU formiert sich derweil immer stärkerer Widerstand gegen die Nationalpark-Pläne des eigenen Parteichefs: In allen in Frage kommenden fränkischen Regionen werden die Anti-Nationalpark-Vereine inzwischen von führenden CSU-Politikern geleitet oder maßgeblich unterstützt: In Steigerwald von Seehofers Innenstaatssekretär Gerhard Eck, im Spessart vom CSU-Chef-Haushälter im Landtag Peter Winter, im Frankenwald von CSU-MdL Ludwig Freiherr von Lerchenfeld. In der Rhön unterstützen der Bad Kissinger CSU-MdL Sandro Kirchner und sein Vorgänger im Landtag Robert Kiesel die Nationalpark-Gegner.
Auch die vom CSU-Bezirksvorsitzenden Eck geleitete Unterfranken-CSU hat sich zuletzt gegen Seehofers Nationalpark-Kurs gestellt: So wurde im CSU-Bezirksvorstand laut Peter Winter, Landtagsabgeordneter aus dem Spessart, ein Spessart- oder Steigerwald-Nationalpark bereits vor Wochen abgelehnt.
Auf der letzten Sitzung Ende Juni soll es nach Angaben von Teilnehmern mit Blick auf einen möglichen Rhön-Nationalpark zu heftigen Debatten gekommen sein: Während ein Teil der unterfränkischen CSU-Führung auch für die Rhön einen Nationalpark ablehnen wollte, warnten demnach andere Teilnehmer davor, damit den laufenden Dialogprozess de facto abzuwürgen - und so auch den eigenen Ministerpräsidenten öffentlich massiv zu brüskieren.
Vor allem Eck werde mit seinem Konfrontationskurs seiner Verantwortung als CSU-Bezirkschef und Regierungsmitglied nicht gerecht, heißt es aus CSU-Kreisen. Eck sprach hingegen von einer sachlichen Diskussion, der Dialogprozess sei nie in Frage gestanden. Seehofer wollte auf die Frage, ob er über Eck verärgert sei, lieber nicht antworten. Möglichst schon nächste Woche sollen die Spitzen der Unterfranken-CSU mit Seehofer an einen Tisch, um einen Ausweg aus dem CSU-internen Nationalpark-Streit zu finden: "Wir müssen sehen, dass wir die Fäden wieder zusammenbringen", bestätigte CSU-Vize Barbara Stamm.


Spessart außen vor?

Denn noch vor der Sommerpause will Seehofers Kabinett entscheiden, mit welchen Kandidaten die Nationalpark-Pläne weiter verfolgt werden und welche ausscheiden. Dabei gilt bereits als ausgemacht, dass der Spessart wegen der Holzrechte aus dem Rennen genommen werden soll.
Für die Rhön setzt Seehofer vor dem Hintergrund wachsender Ablehnung in der Region nun offenbar auf eine länderübergreifende Lösung mit Hessen und Thüringen. Am Freitag ist deshalb in Berlin ein Gespräch mit Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) geplant. In der Landtags-CSU wird schon nach einer Exit-Strategie ohne Gesichtsverlust für Seehofer gesucht: "Kein Nationalpark, aber irgendwas Großes mit Naturschutz", könnte die Lösung sein, heißt es dort. Henry Stern