Renate Bauer ist ein bisschen aufgeregt. Rummel um ihre Person ist sie nicht gewohnt. Seit 40 Jahren arbeitet sie als Krankenschwester im Leopoldina-Krankenhaus. Da ist sie stolz darauf. Das merkt man. Ihre Arbeit bedeutet ihr viel. Stolz ist Renate Bauer aber auch auf eine ungewöhnliche Ehrung. Sie ist jetzt offiziell ein "Franke mit Rückgrat". Das hat mit ihrem Beruf zu tun. Und wie so vieles zur Zeit mit Corona.

Renate Bauer gehört jetzt zu einem besonderen Club. Seit 2009 wird der Titel "Franke mit Rückgrat" beim "Derbläggn" des Heimatvereins Burglauer verliehen. Der Preis geht laut Heimatverein an Männer und Frauen, die Rückgrat beweisen. Oder auch unbequeme Dinge vertreten. Bisher waren das Politiker und Politikerinnen. Michael Glos, Bernd Weiß, Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann, OB Sebastian Remelé, Gerhard Eck und Sabine Dittmar, Klaus Ernst, Dorothee Bär, Markus Söder, Barbara Stamm, Joachim Herrmann, Claudia Stamm und Manuela Rottmann gehören zum Klub. Und jetzt auch Renate Bauer. "Der Preis muss unbedingt an jemanden aus der Pflege gehen, das war klar", sagt Frank Dünisch, Schweinfurter AOK-Chef und im Vorstand des Heimatvereins Burglauer. Damit wolle man auch stellvertretend allen Pflegekräften danken.

"Fränkin mit Rückgrat": Krankenschwester erhält Auszeichnung für ihre harte Arbeit

Renate Bauer hat einiges durchgemacht, seit Corona ausgebrochen ist. Persönlich - sie war selbst schwer krank. Aber auch beruflich. Wie für jeden, der in der Pflege arbeitet, brachte das Virus besondere Herausforderungen mit sich. Sie war mehrmals in Quarantäne. Während der ersten Welle in so genannter Pendelquarantäne als Kontaktperson ersten Grades. Die Kollegen wollte sie nicht im Stich lassen. Schließlich wurde jede Hand gebraucht. Wer in Pendelquarantäne ist, darf sich nur zwischen Wohnung und Arbeitsplatz bewegen. Nach der Arbeit geht es dann schnurstracks heim in die Quarantäne.

Keine leichte Situation, wissen Leo-Geschäftsführer Jürgen Winter und Stationsleiterin Sandra Frank, die sich beide sehr für Renate Bauer freuen. Sie musste wohl auch ein bisschen überredet werden, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu gehen. "Ich habe 40 Jahre im Verborgenen gearbeitet", sagt Renate Bauer. "Ich fühle mich wohler am Patientenbett."

Ihre Stationsleiterin Sandra Frank und Geschäftsführer Jürgen Winter sprechen mit großer Hochachtung von Renate Bauer, ihrer Kollegialität und ihrem Einsatz für die Station. "Sie sind es wert, geehrt zu werden", meint Winter. Er findet es gut, dass heuer mal kein Politiker ausgezeichnet wird. Denn Rückgrat haben während der Pandemie gerade die Pflegekräfte gebraucht und gezeigt. Das sieht Oberbürgermeister Sebastian Remelé genauso.

Erstmals kein Politiker beim "Derbläggn" geehrt

Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Renate Bauer haben jetzt etwas gemeinsam: Ein T-Shirt, das sie als Mitglied eines besonderen Klubs ausweist. Und dazu eine Skulptur. Den Burgläurer Oscar, sozusagen. Remelé hat zwar sein T-Shirt zur Verleihung nicht rechtzeitig gefunden, an die Verleihung 2012 erinnert er sich aber sehr gerne. Vor allem an Fredi Breunig als Bruder Elisäus. Sein Humor gefällt ihm. Und "dass er nie die Grenzen des guten Geschmacks verlässt". Das Derbläggn sei eine lustige, zwanglose Veranstaltung. "Eine runde Sache." Renate Bauer nickt.

Das Derbläggn fand heuer online statt, die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Part für Part. Mit Abstand und Hygienekonzept selbstverständlich, sagt Frank Dünisch.

Und mit moralischer Unterstützung aus der Leopoldina-Geschäftsführung für Renate Bauer. Die Veranstaltung mit der legendären Fastenrede von Bruder Elisäus (Fredi Breunig) ging am Samstag, 13. März, abends online über die Bühne. Renate Bauer konnte sich das übrigens nicht live anschauen. Sie hatte Dienst.

sg