Würzburger Priester erhält Bewährungsstrafe für Kindesmissbrauch: Am Amtsgericht Bad Kissingen fiel das Urteil in einem Fall, der bayernweit eine Sonderstellung einnimmt: Ein Priester des Bistums Würzburg musste sich im Zuge der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs verantworten.

Richter Reinhard Oberndorfer verurteilte den Geistlichen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Die Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, die Bewährungszeit auf drei Jahre festgelegt. Zugleich muss der 43-Jährige 1200 Euro an eine heilpädagogische Einrichtung zahlen.

Missbrauchsfall im Bistum Würzburg: Gefühle spielten große Rolle

Es begann vor zehn Jahren in einer Pfarrgemeinde im Raum Bad Kissingen. Er war Kaplan, sie Ministrantin. "Es hört sich nach Drama an", sagte der Richter bei seiner Urteilsbegründung. Gefühle spielten eine große Rolle im Prozess: Das damals zwölfjährige Mädchen schwärmte für den Geistlichen, suchte seine Nähe und verliebte sich in ihn. Der Kaplan habe die Annäherungsversuche zwar abgelehnt, dennoch sei es zu Umarmungen und Intimitäten gekommen.

Erst nach dem 18. Geburtstag soll der Geistliche eine Zeit lang eine Beziehung zu der Frau gehabt haben. Ohne die im September 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie und ohne einen Hinweis in der Akte wäre wohl nie ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Schweinfurt in Gang gekommen, so der Richter.

Anfang 2019 wurde die Frau vernommen. Die 22-Jährige, die dem Priester heute noch sehr zugetan ist, habe den Kaplan zunächst "rundum entlastet", so Oberndorfer. Kurz darauf meldete sie sich beim Bistum, das wiederum die Staatsanwaltschaft informierte. Dies führte schließlich zu einer zweiten Vernehmung. Weil die junge Frau den Geistlichen inzwischen schwer belastete, kam es zur Anklage vor Gericht. Der Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs war am Ende der Beweisaufnahme "vom Tisch".

Strafmilderung für angeklagten Priester - Opfer revidierte Aussage

Für Staatsanwältin Isabell Simon blieb der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen. Sie forderte eine Strafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten - nicht auf Bewährung. Da der Angeklagte kein Schuldeingeständnis abgelegt und keine Reue gezeigt habe. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Die Frau habe ihre Glaubwürdigkeit verloren aufgrund der Varianten ihrer Aussagen. Rechtsanwältin Gerda Staude geht davon aus, dass die Frau ihren Mandanten belastete, weil ihr klar geworden sei, dass es nur eine gemeinsame Zukunft gebe, wenn der Geistliche nicht mehr Priester sei. Deshalb habe sie ihre erste Aussage revidiert.

Wahrheit und Unwahrheit zu identifizieren sei in diesem Fall ein besonderes Problem gewesen, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Drei verschiedene Angaben der Frau hätten es "nicht gerade leicht" gemacht. Was die Strafe unter anderem milderte: Der Angeklagte hat keine Vorstrafen, der Missbrauch liegt zehn Jahre zurück und, so der Richter, seither sei nichts mehr "passiert". Oberndorfer betonte jedoch, dass der Kaplan die Verantwortung gehabt hätte. Er sei aber offenbar mit der Situation überfordert gewesen, weil er keine Erfahrung mit Frauen hatte.

"Die Ausübung des priesterlichen Dienstes bleibt ihm durch die Diözese Würzburg weiterhin verboten. Alle weiteren Maßnahmen der Diözese gegenüber dem Priester werden im zusätzlichen kirchlichen Verfahren geklärt", teilte Bistumssprecher Bernhard Schweßinger mit. Im Namen der Diözese Würzburg bedauere Bischof Franz Jung zutiefst den Missbrauch des Opfers. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Christine Jeske