Erdgastankstelle auf der Kippe
Autor: Redaktion
Hammelburg, Freitag, 06. Juli 2018
Noch besteht ein Funken Hoffnung, aber es sieht nicht allzu gut aus, für die Zapfstelle an der Kissinger Straße.
Der Slogan klingt gut: "Mit einem Erdgasauto macht das Tanken wieder Spaß", werben die Stadtwerke Hammelburg nach wie vor auf ihrer Homepage für die Zapfsäule an der bft-Tankstelle in der Kissinger Straße. Möglicherweise vergeht Autofahrern aber bald die Freude an dem derart angepriesenen Treibstoff.
Denn die Tage der Zapfsäule an diesem Standort sind gezählt. Der Tankstellenbetreiber Walther (Schweinfurt) hat den Vertrag für den Agenturverkauf im Auftrag der Stadtwerke gekündigt. Die Zapfsäule muss weg. Möglicherweise gibt es deshalb in Hammelburg bald gar keine Zapfsäule für CNG-Erdgas mehr. Die Zeit drängt. Ende August läuft der Vertrag aus.
Shop wird erweitert
"Am Standort in der Kissinger Straße geht es eng zu", begründet ein Unternehmenssprecher vom Tankstellenbetreiber Walther (Schweinfurt) die örtliche Abkehr vom CNG-Gas. Im Herbst ist ein Umbau der Tankstelle mit einem zeitgemäßen Shop geplant. Da steht die Säule im Weg. "Wir bemühen uns um eine Lösung", sagt Anja Binder. Man stehe in Verhandlungen mit anderen Tankstellenbetreibern, erläutert die Geschäftsführerin der Stadtwerke auf Nachfrage dieser Redaktion. Im August sei man schlauer. Walther gewähre für den bestehenden Standort noch eine Übergangsfrist bis Ende September. Aber selbst wenn ein neuer Anbieter und eine prominente Stelle für die Erdgassäule gefunden wären, sieht es nach einer Übergangsfrist ohne Erdgastankstelle in Hammelburg aus. Die Sorgen etlicher Autofahrer sind der Stadtwerke-Geschäftsführerin bewusst. "Wir sind ja selbst betroffen", sagt Anja Binder mit Blick auf Erdgasfahrzeuge im Fuhrpark der Stadtwerke. Mit ihnen muss dann wohl erst einmal zu den Erdgastankstellen in Bad Brückenau oder Bad Kissingen gefahren werden. Die gleiche Empfehlung bekamen auch schon Autofahrer. 1#googleAds#100x100
Umso ärgerlicher ist das Ganze für die Fahrer von Erdgasautos, weil die Stadtwerke die Anschaffung von Erdgasfahrzeugen zwischen 2003 und 2014 sogar noch bezuschusst haben, um die vergleichsweise umweltfreundliche Technologie weiter zu verbreiten.
Ein Blick in die Zulassungsstatistik des Landkreises zeigt aber auch ein Dilemma auf. Die CNG-Erdgastechnologie hat hier bisher kaum Fuß gefasst. Obwohl die Autos als vergleichsweise schadstoffarm gelten und der Betrieb unter Umständen wirtschaftlicher ist als mit Flüssigtreibstoffen, halten die meisten Autofahrer an Benzin- und Dieselmotoren fest.
Im Landkreis waren laut Landratsamt Ende Juni 195 Erdgasfahrzeuge zugelassen, 40 davon in Hammelburg. Neuzulassungen gab es im Landkreis 2015 fünf Fahrzeuge, in den beiden Folgejahren sechs, beziehungsweise sieben.
Hammelburg abgeschlagen
Als habe man den möglichen Tankstellenkummer schon geahnt, ist der Raum Hammelburg weit abgeschlagen. Hier wurde in den genannten Jahren nur jeweils ein Erdgasfahrzeug zugelassen, 2017 sogar gar keins.Die Stadtwerke Hammelburg haben nach eigener Auskunft seit 2003 insgesamt die Anschaffung von 87 Erdgasfahrzeugen gefördert, wobei die Mehrzahl davon im vergangenen Jahrzehnt lag. Seit 2010 waren es nur noch acht. Inzwischen wieder abgekommen ist die Bundeswehr im Lager Hammelburg von Erdgasfahrzeugen. Dort war 2003 publikumswirksam eine ganze Flotte kleiner Nutzfahrzeuge angeschafft worden, die an der Erdgassäule der Stadtwerke an der bft-Tankstelle aufgetankt wurden. Im Zuge der Umstellung des Fuhrparks auf eine bundesweite GmbH verabschiedete sich die Standortverwaltung wenige Jahre später ganz leise von dem Projekt. Dort blickt man inzwischen in Richtung Elektromobilität und hat auch schon einzelne Fahrzeuge angeschafft. Unterdessen lässt das Tankstellennetz für CNG-Erdgas auch bundesweit Wünsche offen. Laut Initiative Erdgasmobilität ist die Zahl der Tankstellen vom Spitzenwert 2012 mit 906 Tankstellen auf 861 in 2017 gesunken. Der ADAC empfiehlt seit jeher eine vorausschauende Tankplanung.
Erdgasauto-Fahrer im Raum Hammelburg verfolgen gespannt, wie es mit "ihrer" Tankstelle weiter geht. Es leuchtet ihnen so gar nicht ein, mit einem als umweltfreundlich beworbenen Auto extra über 20 Kilometer zum Tanken zu fahren.