Auf den ersten Blick scheinen die personellen Veränderungen im Landratsamt dieses Jahr recht umfangreich zu sein: Es gab 37 Abgänge und 45 Zugänge, sagte Landrat Thomas Bold unlängst im Kreistag, als er den Jahresrückblick vorstellte. Zeichnet sich da ein Generationenwechsel ab oder haben die personellen Veränderungen gar etwas mit der Pandemie zu tun?

Der Generationenwechsel im Landratsamt ist längst im Gang, denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, sagt Landrat Thomas Bold im Gespräch mit dieser Redaktion. Das betreffe auch einen Teil der diesjährigen Abgänge in der Bad Kissinger Behörde. Normalerweise gehen dort 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Jahr in Ruhestand.

Wechsel in allen Bereichen

2021 sind es, nach Bolds Angaben, etwas mehr. Auch die Gesamtzahl der Abgänge liege mit 37 höher. In anderen Jahren seien zwischen 20 und 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jährlich ausgeschieden.

Neben den Personen, die in Rente oder in Pension gehen, wechseln pro Jahr auch etliche Personen verwaltungsintern die Arbeitsplätze, so Landrat Bold. Das gehe quer durch alle Bereiche. Dabei spiele auch eine Rolle, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Regierung kommen, zeitlich begrenzt am Landratsamt Bad Kissingen arbeiten.

Darunter sind, laut Bold, zum Beispiel Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter, die sich nach ein paar Jahren an eine andere Behörde bewerben oder wieder an die Regierung von Unterfranken zurückgehen, weil sie ihren Wohnort und ihre Familien dann in der Nähe haben. Als Beispiel nennt der Kreischef die Abteilung 5 (Kreisbauverwaltung, Liegenschaften und Zivilrecht), an dessen Spitze Benedikt Weber heuer Stefanie Witzinger ablöste.

In der Abteilung 2 (Kommunale und soziale Angelegenheiten) löste Johannes Büttner im Frühjahr Nina Opfermann an der Spitze ab. Einen Wechsel gab es in der Kreisfinanzverwaltung. Dort löste Stefan Lang nun Christian Metz als Kreiskämmerer ab. Und auch der Sachgebietsleiter für Sicherheit und Ordnung heißt seit kurzem nicht mehr Klaus Plescher, sondern Peter Nietsch.

Andererseits gab es, nach Bolds Angaben, in jüngster Zeit auch Stellen, die befristet waren, wie zum Beispiel im Naturschutz (Projekt Grüngitter). Wohnortnah zu arbeiten, sei ein oft genannter Grund für einen Stellenwechsel, weiß der Landrat. Aber es gebe auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dann beruflich etwas ganz anderes anstreben.

"Nicht nur wir haben zahlreiche Abgänge zu verzeichnen", sagt Bold. Diese Entwicklung ziehe sich durch alle Verwaltungen. "Es wird überall Personal gesucht."

Dass 45 Zugänge verzeichnet wurden, also 2021 mehr Personen ans Landratsamt kamen als weggingen, hängt auch damit zusammen, dass in Teilbereichen zusätzliche Stellen geschaffen wurden, erklärt Bold.

Zensus 2022

So gibt es seit diesem Jahr den Pflegestützpunkt, in dem drei Mitarbeiterinnen arbeiten. Zwei Personen wurden für das Projekt "Dein Haus 4.0." eingestellt, aber auch im Bauamt wurde eine weitere Ingenieurstelle besetzt, gibt Bold weitere Beispiele. Und auch der 2022 anstehende Zensus, die registergestützte Bevölkerungszählung, werde das Schaffen weiterer befristeter Stellen notwendig machen. Bislang wurden zwei Personen eingestellt. Zudem wurde die Hygiene-Sachbearbeitung im Gesundheitsamt aufgestockt.

Was die Corona-Pandemie angeht, habe man von Anfang an versucht, die Arbeit größtenteils mit dem Personal des Landratsamts zu bewältigen. Das habe intern zu etlichen Einbußen geführt, was die eigene Arbeitsweise der Mitarbeiterschaft angeht. Denn wer in der Corona-Arbeit mithilft, müsse bei der Arbeit am eigenen Schreibtisch Abstriche machen, sagt Bold.

Das betreffe auch das Büro des Landrats. Dort wurde eine neue Stelle geschaffen, um bestimmte Projekte nun schneller voranzutreiben. Eigentlich wurde dafür Katharina Edelmann auserkoren, sagt der Landrat. Sie sei jedoch als stellvertretende Verwaltungsleiterin des Impfzentrums derzeit nahezu komplett im Tattersall ausgelastet.

Mehr Stellen im Gesundheitsamt

Immerhin stattete der Freistaat das Gesundheitsamt mit weiteren Stellen aus. Zusätzlich arbeiten dort jetzt mehr Ärzte (plus 2,5 Stellen), Fachkräfte für Sozialmedizin (plus drei), Hygienekontrolleure (plus drei), Verwaltungskräfte (plus 1,5) und medizinische Fachangestellte (plus eins) - Arbeitsplätze, die bis Ende 2022 befristet sind. Zudem wurden, ebenfalls zeitlich begrenzt, 34 Stellen in der Kontaktnachverfolgung (Contact-Tracing-Team) bewilligt.

Das Landratsamt selbst beschäftigt rund 400 Menschen, darunter 230 Personen in Vollzeitstellen. Was die Teilzeitstellen angeht, gibt es laut Bold 50 bis 60 verschiedene Modelle, nach denen die Beschäftigten arbeiten können.