"Das Corona-Geschehen bleibt dynamisch und die Regelungen dazu auch", sagte Landrat Thomas Bold in der Bürgermeisterdienstbesprechung. Man müsse sich stets neu auf alles einstellen. Das gilt zum Beispiel auch für den Dienstbetrieb im Landratsamt, denn dort geht´s jetzt in der vierten Pandemie-Welle wieder rund. Aber auch das Impfzentrum wird gerade für den Höchstbetrieb aufgerüstet.

Laut Kreis-Geschäftsleiter Jürgen Metz ist das Landratsamt zwar geöffnet, Publikumsverkehr findet jedoch nur nach Terminvereinbarung, und dann unter 3G-Bedingungen statt. Im Gesundheitsamt wurden im Zug der Pandemie Stellen aufgestockt, wie Metz weiter ausführte. Zusätzlich arbeiten dort jetzt mehr Ärzte (plus 2,5 Stellen), Fachkräfte für Sozialmedizin (plus 3 Stellen), Hygienekontrolleure (plus 3 Stellen), Verwaltungskräfte (plus 1,5), und medizinische Fachangestellte (plus 1). Alle Stellen sind erst mal bis Ende 2022 befristet.

Zusätzlich wurden, nach Metz‘ Angaben, ebenfalls befristet, 28 Stellen in der Kontaktnachverfolgung geschaffen. Vergangene Woche habe man dem Kreis weitere sechs Stellen zugewiesen, die noch besetzt werden müssen. Insgesamt arbeitet auch das Gesundheitsamt "am Limit", sagte Metz. Man komme mit der Erfassung der Infektionszahlen kaum hinterher.

Doch neben der Kontaktnachverfolgung gibt es zahlreiche andere Aufgaben, die das Personal in der Behörde in Atem hält, wie zum Beispiel die wiederholte Abänderung der Allgemeinverfügungen, die Organisation und Abrechnung der Teststrecke in Oerlenbach oder die Bearbeitung von Bußgeldern bei Verstößen gegen Hygieneschutzmaßnahmen.

Auch das Impfzentrum muss organisiert werden, hob der Geschäftsleiter hervor. Dabei geht es nicht nur um die intensive Koordination des Betriebs vor Ort, sondern zum Beispiel auch um die Impf-Hotline, wo zu Hochzeiten vormittags schon mal 1500 Anrufe ankommen, "mit zum Teil schwierigem Gesprächsverlauf".

Das Ergebnis ist, dass der Dienstbetrieb in der Behörde derzeit "deutlich beeinträchtigt" ist, so dass ein normaler Ablauf der Arbeitszeit, laut Metz, kaum möglich ist. Seinen Angaben zufolge sind zur Zeit wieder 80 bis 100 Personen mit Aufgaben rund um die Corona-Pandemie beschäftigt. Zudem musste die Technik teilweise hochgerüstet werden, wie zum Beispiel die stark beanspruchte Telefonanlage.

Regierungsdirektor Thomas Schoenwald machte in der Sitzung aktuelle Angaben zum Impfzentrum, das zunächst ab 1. Oktober 2021 in einen reduzierten Betrieb übergewechselt hatte. Jetzt werde dort aber massiv aufgerüstet. "Das heißt, wenn vier Ärzte in einer Stunde 100 Impfungen vornehmen, ist zusätzlich ein Helferteam von gut 20 Personen notwendig."

Glücklicherweise konnte man bezüglich medizinischen Personals auf Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes zurückgreifen, sagte Schoenwald. Auch die Carl von Heß´sche Sozialstiftung (Hammelburg) habe mehrere Personen für den Impfbetrieb bereitgestellt. Seit 1. Dezember hat auch die Bundeswehr, wie bereits 2020/21, Soldaten zum Dienst im Impfzentrum beordert.

Zum Impfen in den Tattersall kommen kann man allerdings nur nach vorheriger Terminbuchung im bayerischen Impfportal, sagte Schoenwald. Dort werden regelmäßig Impftermine frei geschaltet. Zwei Ausnahmen gibt es: Laut Schoenwald kann man am 8. und 15. Dezember in der Zeit von 18 bis 22 Uhr ohne Termin ins Impfzentrum kommen - allerdings werden dann nur Erst- und Zweitimpfungen vorgenommen.

Impftermine im Portal buchen

Was die Anmeldung zur Corona-Spritze im Impfportal angeht, haben sich 14 Kommunen inzwischen bereiterklärt, Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen, um die Hotline des Landratsamts zu entlasten. Dieser Service ist aber nur für diejenigen gedacht, die sich nicht online registrieren können, sagt Schoenwald ausdrücklich. Die gute Nachricht: Man habe inzwischen einen externen Anbieter gefunden, der die Kreis-Impfhotline mitbetreiben wird.

Weil jetzt wieder mehr getestet werden muss, ist der Andrang auf die aktuellen Teststellen sehr groß, sagte Landrat Bold und gab zu erkennen, dass er froh wäre, wenn neue Anträge auf den Betrieb weiterer Teststellen gestellt würden.

Das ambitionierte Ziel des designierten SPD-Bundeskanzlers Olaf Scholz, bis Weihnachten 30 Millionen Menschen Vakzine zu spritzen, hat man im Landratsamt offenbar bereits verinnerlicht und ausgerechnet, dass im Kreis dann bis dahin 35 000 bis 40 000 Impfungen verabreicht werden müssten.

"1000 Impfungen pro Tag sind vielleicht realisierbar", sagte Bold und rechnete hoch, dass dann in einer Woche 7000 und in drei Wochen 21 000 Impfungen im Tattersall drin sein könnten.

Aber auch Arztpraxen müssten bei der Bewältigung der von Scholz angekündigten Mammutaufgabe mithelfen. Bei den Ärztinnen und Ärzten sollte die Hälfte der für Dezember vorausberechneten Impfungen vorgenommen werden, so Bold weiter.

Zudem warb der Kreischef für außergewöhnliche Impfaktionen wie die, die vergangene Woche in der Georgi-Halle in Bad Brückenau stattfand. Sechs Ärzte haben dort in sechs Stunden fast 1200 Personen die aktuell wieder begehrten Vakzine verabreicht. Bold fragte ganz offen, ob man so etwas nicht öfter machen könnte.

Hammelburgs Bürgermeister Armin Warmuth sagte, er habe diesbezüglich bereits Vorgespräche geführt. Und in Euerdorf ist bald im Rahmen der Christbaumaktion ein Impftermin für Bürgerinnen und Bürger anberaumt. "Hier impft der Bürgermeister dann persönlich", scherzte Gemeindechef Peter Bergel, der bis 2016 als Allgemeinarzt praktizierte, in der Bürgermeisterdienstbesprechung.

Mehr Infos zum Impfzentru m, zu Teststrecken und zur Impfhotline unter www.landkreis-badkissingen.de/corona Isolde Krapf