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Bad Neustadts Kunstverein ist vorerst heimatlos


Autor: Redaktion

Bad Neustadt an der Saale, Montag, 28. August 2017

Quartiersuche in der Bad Neustädter Innenstadt - Jopp nutzt Villa am Donsenhaug ab 2018 selber.
Kunstvereinsvorsitzender Csaba Horovitz hat diesen Villen-Turm. Der Abschied stimmt ihn wehmütig, eröffnet aber auch die Chance für Neues.  Foto: Karin Nerche-Wolf


Der romantisch-verspielte Erker der Villa am Donsenhaug ziert das Jahresprogramm 2017 des Kunstvereins und macht Lust auf alles, was darin zu sehen ist. Eine Neuauflage für 2018 mit diesem Titel-Motiv kann es nicht mehr geben, denn die Villa wird eine andere Nutzung bekommen, und der Kunstverein sucht eine neue Bleibe.
15 Jahre lang stellte Hubert P. Büchs sein Anwesen dem Kunstverein zur Verfügung und erwies sich nicht nur durch die geringe Miete als echter Kunstmäzen. Als das neue Domizil des noch jungen Kunstvereins im September 2002 mit einer Ausstellung gefeiert wurde, stellte er dafür auch eine Halle auf dem angrenzenden Jopp-Werksgelände zur Verfügung.


Eigenbedarf angemeldet

Weil ihm als Geschäftsführer dieses Unternehmens nicht nur die Kunst, sondern auch die Firmenentwicklung am Herzen liegt, meldete er bereits vor einigen Wochen Eigenbedarf an und informierte den Kunstverein weit vor der zweimonatigen Frist über die Kündigung zum Jahresende. Auf Anfrage dieser Zeitung erläuterte Büchs, dass Jopp, wie bereits berichtet, im Werk II ein neues Entwicklungszentrum plant und im Rahmen dieser Aktivitäten zusätzlichen Raumbedarf hat, der durch die Villa gedeckt werden kann. Das Gebäude lässt sich für betriebliche Zwecke nutzen, wird seinen Charakter aber trotzdem behalten, betont Büchs.


Kunstverein auf Suche

Einbezogen ins Firmenkonzept wird außerdem das Gartenhaus, das weiterhin vom Park mit seinen schönen Bäumen umgeben bleibt. Mit einem Lachen dementiert Büchs das Gerücht, seine Tochter wolle in der Villa ein Architektur-Büro eröffnen. "Sie ist Architektin, aber sie zieht nicht dort ein." Für den Kunstverein bedeuten die Jopp-Notwendigkeiten den Abschied von einer ereignisreichen Zeit, auf die Vorsitzender Csaba Horovitz in einem Gespräch zurückblickt. Vor 15 Jahren war es eine ganz tolle Sache gewesen, dass der Kunstverein, der sich bis dahin bei Gerald Kriedner in Münnerstadt traf, in die Villa einziehen konnte.

Bei der oben erwähnten Ausstellung vier Monate später schnellte die Mitgliederzahl von 40 auf 100, eine Größenordnung, die bis heute besteht. Eine Aus- und Eintrittsbewegung brachte aber in letzter Zeit eine deutliche Verjüngung mit sich.

Viele Aktivitäten entwickelte der Kunstverein in seinem Domizil. Rund 150 Ausstellungen zeigte er im Laufe der Jahre, Kunstvereine aus den Partnerstädten Oberhof und Oberpullendorf sowie aus Bamberg, Fulda und den Karpaten präsentierten ihre Arbeiten. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig und engagierten sich bei Renovierungsarbeiten. Malkurse, Ferienprogramm, Vorträge, Musik und vieles mehr erfüllten die Villa mit Leben.


Suchrichtung Innenstadt

Nun klingt diese Ära aus und der Kunstverein streckt seine Fühler aktiv nach einem neuen Mittelpunkt aus. In Gesprächen mit Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Bruno Altrichter erläuterte Horovitz die Suchrichtung, die sich der Innenstadt zuwendet, damit die Kunst in einen kreativen Prozess mit der Bevölkerung treten kann und es sich lohnen würde, Ausstellungen täglich einige Stunden zu öffnen. Interesse besteht an einer möglichst ebenerdigen, behindertengerechten Wohn- oder Ladenfläche von mindestens 100 Quadratmetern. Mögliche Vermieter sind eingeladen, ihre neuen Bewohner kennenzulernen: beim Sommerfest des Kunstvereins, das am Samstag, 2. September, ab 15 Uhr in der Villa am Donsenhaug gefeiert wird.

Sollte sich ein Vermieter nicht gleich finden, käme künstlerisches Improvisationstalent zum Tragen: mit Treffen in einem Lokal und Ausstellungen in wechselnden Räumlichkeiten, beispielsweise im Alten Amtshaus.

Karin Nerche-Wolf