Druckartikel: Als drei Landkreise zu einem verschmolzen und acht Stadtteile zur Großen Kreisstadt wurden

Als drei Landkreise zu einem verschmolzen und acht Stadtteile zur Großen Kreisstadt wurden


Autor: Redaktion

Bad Kissingen, Donnerstag, 30. Juni 2022

Die Gebietsreform vor 50 Jahren verursachte auch Unmut. Denn damals wurden Bürgermeister entmachtet und Landräte entthront. Warum der Lamping-Plan scheiterte.
Im Dezember 1971 unterzeichnete im Bad Kissinger Rathaus der Dienstälteste der Bürgermeister der neuen Stadtteile, Josef Müller (Hausen), den Eingemeindungsvertrag in Anwesenheit seiner Kollegen (von links) Franz Karbacher (Winkels), Michael Schießer (Albertshausen), Oswald Schmitt (Poppenroth), Stefan Brand (Garitz), Dr. Hans Weiß (Bad Kissingen), Walter Büttner (Arnshausen), Emil Hammerle (Kleinbrach) und Albin Kiesel (Reiterswiesen).


50 Jahre Gebietsreform werden am 1. Juli sowohl vom Landkreis als auch von der Stadt Bad Kissingen jeweils in einem eigenen Festakt mit geladenen Gästen gefeiert. War der große Zusammenschluss von drei Kreisen zu einem großen Landkreis, beziehungsweise einer kreisfreien Stadt mit acht Stadtteilen zur Großen Kreisstadt also ein Gewinn? Aus heutiger Sicht wohl schon. Doch vor 50 Jahren sahen etliche Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis die "Einverleibung" ihrer Ortschaft zur Stadt Bad Kissingen, beziehungsweise ihres Kreises zum großen Einheitslandkreis mitunter kritisch bis kriegerisch.

Mit der Gebietsreform verbinden viele das Jahr 1972. Die gesamte "Gemeindegebietsreform" vollzog sich jedoch allmählich und war erst um das Jahr 1978 abgeschlossen. Die Kreisreform musste aber schon Anfang der 70er Jahre über die Bühne gebracht werden. Damals wurden überall in Bayern Landräte und Bürgermeister sozusagen entmachtet und auch etliche Bürgerinnen und Bürger hatten Bauchgrollen, weil damals um einzelne Randgebiete hin- und hergeschachert wurde, wie Werner Eberth in seinem Buch zur "Verwaltungsgeschichte des Landkreises Bad Kissingen" (1997) schrieb.

Der langjährige Kreisheimatpfleger war 1972 nämlich Zeitzeuge dieser teils turbulenten Geschehnisse. Aber nicht etwa nur beiläufig, weil er damals im Landratsamt Bad Kissingen als Oberregierungsrat beschäftigt war, sondern weil er im Mai 1972 von der Regierung von Unterfranken per Amtsschreiben ganz offiziell zum Staatsbeauftragten für die Kreisreform ernannt worden war.

Ihm fiel also die schwerwiegende Aufgabe zu, die anstehende Umstrukturierung der Kreise mit den drei Landräten Magnus Herrmann aus Bad Kissingen, Karl Georg Oschmann aus Hammelburg und Richard Hänlein aus Bad Brückenau auszubaldowern. Und nicht zu vergessen: Auch der damalige Oberbürgermeister von Bad Kissingen Hans Weiß war einzubeziehen, denn es war geplant, die bis dato kreisfreie Stadt in den neuen Landkreis als Große Kreisstadt einzugliedern.

Damals gab es den sogenannten Lamping-Plan. Dieser sah vor, den Landkreis Hammelburg auf die neuen Kreise Bad Kissingen und Main-Spessart aufzuteilen, und zwar sollte Euerdorf gerade noch an Bad Kissingen fallen. Der CSU-Kreisverband lief Sturm, erzählte Eberth einst in einem Interview von dem Drama. Man hatte Angst, an der Peripherie beider Kreise nur eine politische Randerscheinung zu bleiben. Die Einwände hatten Erfolg. Mit Wirkung vom 1. Juli 1972 wurden die drei Altlandkreise dann zum neuen Gesamtlandkreis Bad Kissingen zusammengeführt.

Im Vorfeld hatte man sich schon über erste Gemeinsamkeiten beraten. Weil Bad Kissingen schon im 19. Jahrhundert über die Grenzen bekannt war, hatte keiner ernste Einwände dagegen, den Kreissitz in der Kurstadt Bad Kissingen anzusiedeln. Über den Namen wurde zwar eine Zeit lang diskutiert - der Name "Rhön-Saale" war kurzzeitig im Gespräch, sagte Eberth seinerzeit. Dann beließ man es doch beim "Landkreis Bad Kissingen". Dass drei Partner politisch künftig an einem Strang ziehen, schlug sich äußerlich aber immerhin im Kreiswappen nieder, das auf Vorschlag der Bad Brückenauer kreiert wurde und schon damals auf einen Bäderlandkreis hinwies.

Im Wappen finden sich nämlich drei Heilbrunnen, als Hinweise auf die drei Staatsbäder, in den bayerischen Farben Weiß-Blau. Darunter sind links der Henneberg'sche Adler als Symbol für den Altlandkreis Bad Kissingen und rechts das Fuldaer Kreuz angebracht als Zeichen dafür, dass Bad Brückenau und Hammelburg früher zum Kloster Fulda gehörten.

Große Kreisstadt entstand

Ende 1971 wurden die Eingemeindungsverträge zur Stadt Bad Kissingen von den Bürgermeistern der Gemeinden Albertshausen, Arnshausen, Garitz, Hausen, Kleinbrach, Poppenroth, Reiterswiesen und Winkels im Trausaal des Kissinger Rathauses unterzeichnet.

Somit war die Große Kreisstadt aus der Taufe gehoben. Denn bis dato war Bad Kissingen kreisfrei gewesen, das heißt, die Stadt war dem Landkreis nicht untergeordnet und hatte im Prinzip die gleichen Aufgaben zu erledigen wie eine Kreisverwaltung. Doch schon damals zeichnete sich, zumindest bei kleinen kreisfreien Städten wie Bad Kissingen oder Kitzingen, ab, dass die Wahrnehmung dieser Pflichten - man denke nur an den Unterhalt von Krankenhäusern oder weiterführenden Schulen - diese Städte langfristig überfordern würde. Dass der Freistaat Bayern für alle Mittelstädte das aus dem Bundesland Baden-Württemberg bekannte Konstrukt der Großen Kreisstadt einführte, hatte auch mit dem damaligen Oberbürgermeister Hans Weiß zu tun. Das schrieb jedenfalls Eberhard Gräf, der frühere Leitende Rechtsdirektor der Stadt, einst in einem Beitrag für das Gedenkbuch der Stadt Bad Kissingen. Weiß war, laut Gräf, nämlich damals schon Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der kreisfreien Städte (unter 50.000 Einwohnern) gewesen und hatte wohl in dieser Angelegenheit seinen Einfluss geltend gemacht. In einem Gesetz vom 15. Dezember 1971 wurden die Aufgaben der Großen Kreisstadt in Bayern festgelegt: Sie gilt zwar als kreisangehörige Kommune, hat aber auch bestimmte Aufgaben zu erledigen, die auch Kreise erfüllen. Dazu gehören beispielsweise Aufgaben der Bauaufsicht, des Denkmalschutzes, des Straßenverkehrsrechts, des Gaststättenrechts oder des Gewerberechts.

Fest am Sonntag

Stadt und Landkreis feiern dieses Jubiläum am 1. Juli jeweils mit geladenen Gästen. Der Landkreis lädt darüber hinaus Bürgerinnen und Bürger am Sonntag, 3. Juli, um 11 Uhr zu einem kleinen Fest an den sogenannten "Mittelpunkt des Landkreises" bei Schlimpfhof ein. Es wird ein Baum gepflanzt und es spielt der Musikverein Oberthulba. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt, heißt es vonseiten des Kreises. Die Anfahrt zum Fest: Kommt man von Schlimpfhof und fährt Richtung Hassenbach, zweigt rechts ein Feldweg ab. Die Zufahrt zum Fest ist ausgeschildert. Infos zur Gebietsreform gibt es laut Landratsamt in einer Sonderausgabe des Landkreismagazins, die am Wochenende erscheint und kostenlos verteilt wird. Isolde Krapf