Heinrich Oppermann hat gerade seinen ersten Schultag an der Henneberg Grundschule hinter sich gebracht. Der Sechsjährige hat sich ein gelbes Sicherheitsdreieck über die Jacke gezogen. Gut zu erkennen für andere Verkehrsteilnehmer steht der Erstklässler am Straßenrand und wartet auf den Bus. Die Idee mit dem Sicherheitsdreieck findet er gut.

Im Ernstfall kommt es auf jeden Meter an, den ein Auto früher bremst.
Überquert ein Kind bei Dunkelheit mit normaler Kleidung die Straße, sieht der Autofahrer es erst sehr spät. Ihm bleiben noch rund 30 Meter, um zu reagieren und zu bremsen. "Mit rückstrahlenden Sicherheitsdreiecken, Warnwesten oder reflektierenden Bändern sind es dagegen 180 Meter", erklärt Matthias Kleren, Verkehrserzieher der Polizei Bad Kissingen. Dass Kinder auf dem Schulweg gut gesehen werden, ist deshalb enorm wichtig, gerade in der dunklen Jahreszeit. "Die meisten Schulwegunfälle passieren zwischen Oktober und März ", sagt er.

Im Landkreis geschehen glücklicherweise konstant sehr wenige Schulwegunfälle. 2015 wurde den Polizeiinspektionen noch kein Vorfall bekannt, letztes Jahr waren es zwei Unfälle, die aber glimpflich ausgegangen sind. Damit weiterhin wenig passiert, verteilen die Polizei und die Kreisverkehrswacht auch dieses Jahr reflektierende Sicherheitsdreiecke zum Schulstart an die rund 780 Erstklässler im Landkreis. Seit mehr als 30 Jahren gibt es die Aktion im Landkreis, unterstützt durch die Saale-Zeitung und die Sparkasse Bad Kissingen.


Mehr Selbstverständlichkeit

Bei der Auftaktveranstaltung unter dem Motto "Sicher zur Schule - sicher nach Hause" in der Henneberg Grundschule Garitz appellierte Kleren an die ABC-Schützen, die Dreiecke tatsächlich zu gebrauchen. Das gelte auch für die Zeit nach der ersten Klasse. "Ich habe noch keinen Viertklässler von alleine leuchten sehen", sagte er. Ähnliche Worte kamen auch von Schulrektor und Stadtrat Bernd Czelustek. Er mahnte zur Umsicht. "Nur wer gut in die Schule kommt, kann auch gut lernen".

Der Verkehrserzieher ist zwar grundsätzlich zufrieden, sieht aber noch Verbesserungsbedarf. Die Sicherheitsdreiecke werden im ersten Schuljahr häufig verwendet, später lässt das spürbar nach. "Ich wünsche mir, dass wir eine Selbstverständlichkeit erreichen, wie beim Anlegen des Sicherheitsgurtes im Auto oder beim Aufsetzen eines Helms beim Fahrradfahren." Kleren rät den Kindern, sich ein Beispiel an Feuerwehrleuten, Sanitätern und Bauarbeitern zu nehmen: "Alle tragen bei Einsätzen Schutzkleidung, die sie gut sichtbar macht." Der Verkehrserzieher nimmt auch die Eltern in die Pflicht: Sie sollten darauf achten, dass die Kinder auf dem Schulweg, aber auch abends in der Freizeit reflektierende Kleidung tragen.


Rücksicht auf Schüler

Die Polizei will mit der Aktion auch die anderen Verkehrsteilnehmer daran erinnern, dass zum Schuljahresbeginn auf Kinder besondere Rücksicht zu nehmen ist. Autofahrer sollten in Schulnähe langsam und vorausschauend fahren sowie sich bremsbereit halten. "Bei Kindern müssen Autofahrer immer mit Fehlern rechnen", sagt Kleren. Etwa, dass sie überstürzt und ohne auf den Verkehr zu achten die Straße überqueren. Dann kommt es wieder auf jeden Meter an.