Die Drittklässer dürfen bald wieder ihre Badesachen packen. Sechs Jahre lang war die Schlossbergschule nicht mehr in der Lage, den im Lehrplan eigentlich vorgesehenen Schwimmunterricht anzubieten. Eine von drei wöchentlichen Sportstunden soll dafür verwendet werden. Seitdem allerdings das Hallenbad in Münnerstadt geschlossen ist, fällt der Unterricht sprichwörtlich ins Wasser.
Bis jetzt: "Wir können Schwimmfix dieses Jahr anbieten", sagt Schulleiterin Ritta Helfrich. Bei Schwimmfix handelt es sich um ein neues Modell, das seit dem vergangenen Schuljahr von der Regierung von Unterfranken gefördert wird. Es richtet sich ausschließlich an Nichtschwimmer. Kleingruppen mit maximal sechs Schülern erhalten acht Wochen lang wöchentlich eine Doppelstunde Schwimmunterricht. Den Kindern werden zunächst einfache Vorschwimmtechniken beigebracht. Sie sollen in kurzer Zeit lernen, sich über Wasser zu halten. "Wir werden mit dem Unterricht noch im Oktober beginnen", kündigt Helfrich an.


Ruhiges Bad gesucht

Die Schule hat mittlerweile die Eltern der Drittklässer angeschrieben, um das Schwimmniveau der Kinder zu ermitteln. Anhand der Dringlichkeit sollen dann die Kinder ausgewählt werden, die mit dem Schwimmunterricht beginnen. Nach und nach sollen alle Kinder an dem Schwimmfix-Unterricht teilnehmen. Helfrich hält es langfristig auch für denkbar, das Konzept auf Schwimmer und die 4. Jahrgangsstufe auszudehnen.

Jeden Donnerstag sollen Schwimmstunden im Kurmittelhaus der Caritas in Bad Bocklet angeboten werden. "Wir haben nach einem kleinen, überschaubaren Becken mit niedriger Tiefe gesucht", erklärt die Rektorin. Ideal für kleine Nichtschwimmergruppen, die von einer Lehrkraft beaufsichtigt werden. Aus dem Grund habe man sich gegen das Hallenbad Bad Kissingen entschieden, das entgegen ersten Aussagen Helfrichs der Schule doch freie Belegungszeiten angeboten hatte.


Fehler eingeräumt

Im Vorfeld hat die Diskussion um den Schwimmunterricht in Nüdlingen für Ärger gesorgt. Helfrich hatte gegenüber der Zeitung angegeben, dass von der Schlossbergschule in den vergangenen Jahren mehrfach bei der Stadt Bad Kissingen wegen der Hallenbadnutzung angefragt wurde, allerdings immer Absagen erhalten hätte. Das hatte sich als falsch herausgestellt. Helfrich räumt Fehler ein. "Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft gegeben", betont sie. Und: "Allerdings habe ich erst in der Nachschau herausgefunden, dass nicht regelmäßig nachgefragt wurde." Sie bedauere die Versäumnisse. Gleichzeitig stellt sie klar, dass in der Vergangenheit die personellen Kapazitäten ohnehin nicht ausreichend waren, um den Schwimmunterricht anzubieten. Deshalb komme der Schule das neue Konzept mit den kleinen Gruppen gelegen.

Die falschen Aussagen in der Zeitung hatten einige Eltern empört. Nancy Stahl ist seit vier Jahren Mitglied des Elternbeirates und die aktuelle Vorsitzende. Viele Eltern seien sauer gewesen, als sich herausstellte, dass kein Schwimmunterricht angeboten wurde, obwohl es in Bad Kissingen möglich gewesen wäre. "Wir dachten immer, dass er ausfällt, weil Münnerstadt geschlossen hat und in Bad Kissingen keine Zeiten frei sind."


Anfang ist gemacht

Mit der jetzigen Lösung zeigt sie sich einigermaßen versöhnt. "Es ist ein guter Anfang und besser als nichts", sagt Stahl. Das Konzept von Schwimmfix findet sie für die Kinder, die nicht schwimmen können, eine gute Idee. Dennoch fehle ein echter Schwimmunterricht für die gesamte Jahrgangsstufe. "Die Kinder, die schon schwimmen können, haben nichts davon. Das finde ich schade", meint sie. Ihr Sohn Paul schwimmt beispielsweise aktiv bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit und wird seine Badesachen für den Unterrichtwohl nicht benutzen können.

SPD-Gemeinderätin und Mutter Karen Pohle ist zufrieden. Sie hatte sich in den vergangenen Tagen schriftlich an die Schulleiterin gewandt und sich für den Schwimmunterricht eingesetzt. "Ich möchte, dass die Kinder schwimmen können. Dass ein Schwimmunterricht angeboten wird ist alles, was wir erreichen wollten", sagt sie.