Am Altenberg soll ein neues, kleines Wohnviertel entstehen. Platz dafür ist auf einer brachliegenden Wiese zwischen der Rinnerfeldstraße sowie der Schallschutzmauer zum Westring. Ein Projektentwickler plant dort auf nicht ganz 10 000 Quadratmetern Mehrfamilien- und Doppelhäuser mit insgesamt 85 Wohneinheiten. Der bisherige Bebauungsplan sieht an der Stelle jedoch nur Platz für Häuser mit maximal 46 Wohnungen vor. Das Gebiet so zu bebauen sei aus Sicht des Investors allerdings nicht wirtschaftlich, hieß es von der Stadtverwaltung im jüngsten Bauausschuss. Deshalb will das Bauamt die Vorgaben jetzt so ändern, dass dort die angestrebten 85 Wohnungen entstehen können. Das mehr an Wohnungen wird vor allem damit erreicht, in die Höhe zu bauen: Fünf von insgesamt 13 Gebäuden sollen nicht wie am Altenberg üblich zwei, sondern drei Geschossen erhalten.

Bei den Anwohnern in der Rinnerfeldstraße hält sich die Begeisterung in Grenzen. Man wisse ja, dass es kein Recht auf eine unverbaute Aussicht gebe, "aber das muss doch alles in einem verträglichen Rahmen ablaufen", klagt ein Anlieger vor Ort. Er befürchtet, dass die Verkehrsbelastung am Altenberg durch das neue Viertel stark zunimmt und dass die bestehenden Straßen und der öffentliche Parkraum überlastet werden.

Der Bauausschuss hatte darüber zu entscheiden, ob der Bebauungsplan entsprechend geändert werden soll. Das Gremium setzte sich kontrovers mit dem Thema auseinander. Grundsätzlich einig waren sich die Fraktionen, dass es richtig ist nachzuverdichten - also dass erst brachliegende Flächen in der Stadt bebaut werden, bevor man komplett neue Baugebiete auf grüner Wiese ausweist.

Klaus Werner (Grüne), selbst Garitzer, stellte sich entschieden gegen das Vorhaben. "Das entwickelt sich in einem Maßstab, der für den Altenberg nicht verträglich erscheint", sagte er. Die Straßen seien zu eng und würden den zu erwartenden Verkehr nicht verkraften. Er wies darauf hin, dass in den 1990er Jahren für das Gebiet zunächst eine lockere Bebauung mit 24 Wohnungen angedacht war, die dann schon zugunsten einer dichteren Bebauung mit 46 Wohneinheiten geändert wurde. Dass sich die Zahl der geplanten Wohnungen inzwischen mehr als verdreifacht habe, "sehe ich als grenzwertig und überdimensioniert." Werner kritisierte: "Das wirtschaftliche Interesse des Investors wird hier als Nachverdichtung verkauft." Er beantragte eine Begehung, damit sich die Stadträte die Situation vor Ort anschauen können. Bauamtsleiterin Christine Schwind entgegnete auf die Kritik, dass die Geschosshöhe aus baurechtlicher Sicht verträglich und die Straßenbreite ausreichend ist.

Die übrigen Stadträte konnte Werner mit seiner Kritik nicht überzeugen. Zunächst lehnte das Gremium mit großer Mehrheit seinen Antrag auf die Begehung ab und beschloss danach, den Bebauungsplan ändern zu lassen.

OB: Wohneigentum für Mittelschicht

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) hält das Wohnbauprojekt an der Rinnerfeldstraße für ein wichtiges. Die Stadträte hätten sich mit großer Mehrheit dahinter gestellt. Es würden keine kleinteiligen, dafür aber hochpreisige Seniorenwohnungen entstehen, sondern Wohneigentum für Familien im mittleren Alter und finanziell aus der Mittelschicht. "Wir bekommen hier ein Angebot, das für diese Menschen erschwinglich ist", betont er. Diese Zielgruppe sei für die Stadt wichtig, weil die Väter und Mütter als Fachkräfte gebraucht werden. "Bad Kissingen hat kein massives Problem mit Mietwohnungen für diese Leute. Wo wir kaum Angebote haben, ist für den Kauf von Wohnungen und Häusern im mittleren Segment", sagt Vogel.

Dass mehr Wohnungen auf weniger Platz entstehen, sieht der OB als eine Reaktion auf die zuletzt stark steigenden Baukosten. "Es braucht die Nachverdichtung, damit Wohnungen entstehen, die sich die Mittelschicht leisten kann", betont er.

Single-Wohnungen in Reiterswiesen

Inhaltlich passend informierte die Bauverwaltung über ein weiteres Bauprojekt zu bezahlbarem Wohnen. In der Burgstraße in Reiterswiesen ist ein Neubau eines Apartmenthauses mit zehn Single-Wohnungen und Tiefgarage geplant. Bislang liegt dazu eine Bauvoranfrage bei der Stadt vor. Die Stadt hat dem Bauherrn die Genehmigung in Aussicht gestellt.