"Dritter Nationalpark in Bayern - Sachstand" lautete am Montag der letzte Tagesordnungspunkt in der Kreistagssitzung. Geplant wurde er noch vor dem Kabinettsbeschluss, inhaltlich sollte es vor allem um die Ergebnisse des Würzburger Geografie-Professors Hubert Job gehen. Aber: "Nachdem sich die Gebietskulisse vermutlich gravierend ändert, macht es auch keinen Sinn über das Gutachten zu reden", begründete Landrat Thomas Bold (CSU) die Änderung des Plans. Und: "Wir sind noch nicht in der Konzeptphase, damit ist für mich alles offen."


Auch getrennte Flächen möglich?

Bold plädierte dafür, nun erst einmal die Verhandlungen mit Hessen über einen länderübergreifenden Nationalpark abzuwarten. "Ich denke, dass das jetzt einige Wochen oder auch Monate dauern wird." Fest stehe damit nur, dass die neue Gebietskulisse "relativ nah an der Landesgrenze liegen sollte". Allerdings müsse es nicht unbedingt eine zusammenhängende Fläche sein, wie der 2014 ausgewiesene Nationalpark Schwarzwald zeige.
Reine Spekulation sei auch, inwieweit der Truppenübungsplatz Wildflecken einbezogen werde. Der Lückenschluss sei westlich zwischen den Kreisen Bad Kissingen und Main-Kinzig, im Übungsplatz oder westlich zwischen den Kreisen Rhön-Grabfeld und Fulda möglich. Die Entscheidung müssten aber die Experten fällen: "Ich warne davor, jetzt selbst eine Karte an die Wand zu werfen."
Genau das beschäftigte aber etliche Kreisräte: "Viele können sich nicht vorstellen, dass man von Bayern nach Hessen kommt ohne den Truppenübungsplatz", sagte etwa Oswald Türbl (ödp). Auch Richard Fix von den Grünen bezeichnete die Entscheidung aus München als verwirrend: "Die eigene Vorgabe der Staatsregierung war ein zusammenhängendes Waldgebiet, wie ernsthaft ist das zu nehmen im Grenzgebiet?" Thomas Menz (SPD) stellte insgesamt die naturschutzfachliche Grundlage der Kabinettsentscheidung in Zweifel: Dass Steigerwald und Spessart ausgenommen wurden, sei ihm jedenfalls unverständlich.
Ein unerwartetes Lob für den Landrat kam von ödp-Kreisrat Norbert Schmäling: "Ich bin dankbar, dass Sie das so diplomatisch genial vorantreiben", kommentierte er dessen Einsatz. Den Nationalpark bezeichnete Schmäling als "Jahrhundertchance", warnte allerdings davor, die Rhöner zu überfordern. Wer in Riedenberg oder Oberbach aus dem Fenster schaue, habe bereits jetzt jede Menge Schutzgebiete vor der Nase: Von Naturpark über Landschaftsschutz- oder FFH-Gebiet bis zu den Pflege-, Entwicklungs- und Kernzonen des Biosphärenreservats gebe es neun unterschiedliche Einschränkungen, die der Rhöner als Korsett verstehe. "Jetzt kommt der Freistaat und sagt: Hurra, wir setzen das zehnte Korsett oben drauf", drückte Schmäling sein Verständnis für die Ablehnung gegen den Nationalpark aus.


Gegner und Befürworter dabei

"Das hat wieder sehr viel Misstrauen geschürt", kritisierte CSU-Kreisrätin Brigitte Meyerdierks das Vorgehen aus München. In Schondra sei kurz vor dem Kabinettsbeschluss noch betont worden, dass der Truppenübungsplatz ausgenommen sei. "Das ist keine Grundlage für sachliche Diskussionen." Dagegen verwiesen Bold und Landtagesabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) darauf, dass der Übungsplatz im Beschluss nicht erwähnt werde. Recht gab Bold allerdings allen Kritikern beim Dialog: "Der Kommunikationsprozess muss besser geführt werden als beim letzten Mal", sagte er und nannte als Beispiel, dass das Job-Gutachten kommentarlos verschickt wurde.
Durchgeplant ist mittlerweile die Fahrt in den Bayerischen Wald: Gut 40 Personen informieren sich am 3. und 4. August direkt im Nationalpark: Bürgermeister, Fraktionssprecher, Mitglieder des Wirtschafts- und Umweltausschusses sowie jeweils drei Vertreter der Pro- und Contra-Vereine.

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Empörung wird in die Sommerpause geschickt

Kein Gemeinde- oder Stadtrat kommt aktuell um die NP3-Frage herum: Nationalpark oder nicht? Das wird landauf, landab heiß diskutiert. Klar, dass auch der Kreistag daran in seiner gestrigen Sitzung nicht vorbei kam, schließlich trifft der sich im Plenum nur alle drei bis vier Monate. Zudem war Brisanz drin, weil die Pro- und Contra-Meinungen quer durch viele Fraktionen gehen. Am meisten stand vorab CSU-Kreisrat Robert Kiesel in der Kritik, der mit seinem Vorpreschen Öl ins Feuer gegossen hatte.
Am Ende kam eine lahme Sitzung mit wenig Neuem heraus: Kiesel war entschuldigt, die meisten, die sich vorher schon in eine Richtung positioniert hatten, schwiegen. Froh waren alle, dass der Zeitdruck erst einmal weg und damit die Luft abgelassen ist. Die große Frage bleibt: Lassen sich die Rhöner darauf ein, jetzt ihre Empörung in die Sommerpause zu schicken? So einfach wird es wohl nicht werden, und beim neuen Anlauf mit neuer Gebietskulisse wird eine ganze Region sicher von Anfang an noch genauer hinschauen!
Eines aber ist schon klar: Vor der Bundestagswahl wird sich nichts Entscheidendes mehr tun in der NP3-Frage. Das dürfte vor allem den CSU-Wahlkämpfern ganz recht sein, die den Groll zwischen Urspringen und Unterleichtersbach unterschätzt haben.