Im städtischen Hallenbad am Tattersall wird sehr wahrscheinlich niemand mehr schwimmen. Das wurde am Freitag auf der Pressekonferenz deutlich, auf der Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) ausführlich zum Zustand des Bades und zu den Hintergründen der Schließung informierte. Das Bad bleibe bis auf Weiteres geschlossen. "Es sieht nicht gut aus. Ich gehe davon aus, dass eine länge Ära zu Ende gehen wird", sagte er mit Blick auf die 57 Jahre alte Schwimmhalle.

Das Wichtigste im Überblick

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick: Am Dach bestehen erhebliche statische Probleme. Es ist Gefahr in Verzug und die Schließung damit unvermeidbar. Die Finanzierung für den Ersatzneubau an der KissSalis-Therme soll laut OB noch im September in trockene Tücher gebracht werden. Geht am Bau alles gut, öffnet der Neubau voraussichtlich Ende 2023, Anfang 2024. Bis dahin wird die Stadt Bad Kissingen jedoch keine öffentlichen Badezeiten im Winter anbieten können. Für die Kissinger Grundschulen, für Schwimmkurse, für Vereine und Rettungsorganisationen wurden jedoch Ausweichmöglichkeiten zum Überbrücken gefunden.

Immenser Schaden am Dach

Das Hallendach wird seit Jahren regelmäßig begutachtet. "Im Rahmen einer turnusmäßigen Überprüfung haben wir die Nachricht bekommen, dass das Dach nicht mehr sicher ist", berichtete Vogel. Das war Mitte August. Die Schäden seien so gravierend, dass sie nicht kurzfristig zu beseitigen sind. Wie aufwendig und teuer eine Sanierung kommen werde, könne die Verwaltung aktuell nicht beziffern. Ob eine etwaige Sanierung des Daches dennoch Sinn macht, werde noch im Stadtrat erörtert.

Diplom-Ingenieurin Tanja Tögel (Tragwerksplanung Tögel Partnerschaft mbB) prüft das Dach schon seit Jahren. Es besteht aus einer Tragwerkskonstruktion aus Stahl, die von Beton umhüllt ist. Der Beton sei inzwischen so alt, dass er den Stahl nicht mehr vor Korrosion schützen könne. Das heißt, die Luftfeuchtigkeit aus der warmen Schwimmhalle dringt in den Beton ein und bringt die Stahlkonstruktion zum Rosten. "Wenn die Korrosion am Stahl schon begonnen hat, kann es zu einem plötzlichen Versagen kommen. Das macht das Ganze so gefährlich", erläuterte sie. Maik Schmeller, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, betonte, dass die Stadt so weder die Sicherheit für die Badegäste noch für das Personal gewährleisten könne.

Neues Hallenbad an der Therme soll 2023/24 öffnen

Dass das sanierungsbedürftige Hallenbad sein Lebensende erreicht hat, ist grundsätzlich nicht überraschend. Der Zeitpunkt dürfte aus Sicht des Rathauses jedoch zwei Jahre zu früh kommen: Geschieht kein Wunder, steht Bad Kissingen im Winter 2021/22 sowie 2022/23 ohne Hallenbad da. 2023/24 soll dann der Ersatzneubau an der Therme fertig sein - vorausgesetzt, dass es am Bau keine größeren Verzögerungen gibt. Dass die Finanzierung dafür in den nächsten Wochen geklärt wird, da zeigte der OB sich zuversichtlich. "Wir haben als Stadtwerke vor, das ehemalige Zaak-Gelände zu verkaufen. Das ist für die Finanzierung des neuen Hallenbades nach den katastrophalen Coronajahren, die auch für die Stadtwerke schwierig waren, wichtig", erklärte Vogel. Das Areal der ehemaligen Gärtnerei Zaak liegt in der Oscar-von-Miller-Straße gegenüber McDonalds. An der Fläche hatte ein Lebensmittel-Vollsortimenter Interesse.

Freibad: Saison 2023 doch nicht zu

Die Situation am Hallenbad wirkt sich auch auf die geplante Sanierung des Terrassenschwimmbades aus. Nach aktuellem Stand wäre das Freibad 2023 an der Reihe und den Sommer über während der Arbeiten geschlossen. Jetzt plant die Stadt, die Sanierung ein Jahr zu schieben. Wenigstens das Freibad soll offen bleiben, solange das neue Hallenbad noch nicht steht. Die Stadt habe beim Fördermittelgeber die Verschiebung bereits beantragt. Auch der Stadtrat muss der Verschiebung zustimmen. Während andere Kommunen ihre Bäder komplett schließen, investiere Bad Kissingen Millionenbeträge. Vogel versprach: "Wir werden aller Voraussicht nach 2025 eine Badelandschaft in Bad Kissingen haben, wie es wohl kaum eine Kleinstadt in Deutschland hat." Durch die Anbindung an die gut besuchte Therme gelinge es, den Hallenbadbetrieb (bisher ein jährliches Minus von 250 000 Euro) wirtschaftlicher zu gestalten.

Zwei Jahre keine öffentlichen Badezeiten

Das Aus des alten Hallenbades trifft in erster Linie die Besucher, die die öffentlichen Badezeiten nutzen. Vogel spricht von 40 bis 60 Besuchern täglich. Diese sind mindestens zwei Saisons gezwungen, auf umliegende Hallenbäder auszuweichen. Ebenso müssen das Jack-Steinberger-Gymnasium sowie die Staatliche Realschule Bad Kissingen auf ihre Schwimmzeiten verzichten "Meine Priorität liegt ganz klar darauf, dass Kinder schwimmen lernen können", erklärte der Rathauschef. Den beiden weiterführenden Schulen bietet die Stadt stattdessen an, den Dr. Hans-Weiß-Sport-Park sowie die Mehrzweckhalle in Hausen verstärkt für den Sportunterricht zu nutzen. Zusätzliche Schwimmzeiten im Sommer im Freibad sollen helfen, Rückstände aufzuholen.

Ausweichmöglichkeiten für Grundschulen, Vereine und Schwimmkurse

Die Stadt habe auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten "herausragende Partner gefunden", dankte der Oberbürgermeister. Das Hotel Sonnenhügel stellt den Grundschulen das Hotelbad für den Schwimmunterricht von 8 bis 10 Uhr zur Verfügung. Die DLRG, die Wasserwacht und der TSV Bad Kissingen kommen mit ihren Schwimmkursen und -Trainings im Hotel Frankenland sowie in der Seniorenresidenz Parkwohnstift unter.

Unter dem Motto "Bad Kissingen lernt Schwimmen" organisieren die drei Vereine mit der Stadt zusätzliche Schwimmkurse für Kinder ab sechs Jahren. Anmeldungen sind über die Volkshochschule oder bei den Vereinen möglich. Die Kurse finden in der Klinik Bavaria statt. "In den nächsten 15 Wochen werden wir dann etwa 150 Plätze anbieten", kündigte Vogel an.