Die "Mürschter Viecherei" von Heini Hochrein, erstmals aufgelegt im Jahr 1982, kann jetzt wieder käuflich erworben werden - das Werk, im Mürschter Dialekt verfasst, wurde neu aufgelegt. Dass bei der Neuauflage der Text erst eingescannt und mittels eines Texterkennungsprogramms elektronisch lesbar gemacht werden musste, sorgte für viel Handarbeit. "Der Computer versteht halt kein Fränkisch, was bedeutete, dass alle Texte erst einmal Korrektur gelesen werden mussten", sagt Annette Hochrein, den Münnerstädtern besser bekannt als Netti und Tochter von Heini Hochrein.
Viele hätten nachgefragt, ob man die "Viecherei" noch kaufen kann - doch leider war sie vergriffen. "Vor zehn Jahren haben wir die Texte schon einmal für Interessierte kopiert. Da die Nachfrage aber immer größer wurde, entschlossen wir uns, das Buch komplett neu aufzulegen", sagt Mia Hochrein, die Schwester von Netti.
Die Druckvorlagen für die Originalausgabe existierten nämlich nicht mehr - neue mussten erstellt werden, was viel Arbeit machte.
Bei der Buchpräsentation, bei der Rainer Kirch vorlas, ging es sehr humorvoll zu. Für Kurzweil sorgten auch fünf Sänger der Liedertafel Münnerstadt, die mit ihren Liedern über Mürschter Themen das Publikum unterhielten. Eine Einführung in die reichen Tiefen des Dialekts war die Lesung.
Wer die "Viecherei" in die Hand nimmt und liest, kommt so schnell nicht mehr los. Sie beinhaltet Jugenderinnerungen von Heini Hochrein, der 2005 verstorben ist. Erzählt wird von Begebenheiten aus dem Münnerstadt der 30er bis zu den 50er Jahren. Ihm gelingt es, den Mürschter Flair einzufangen und sich und seine Mitbürger dennoch nicht allzu ernst zu sehen. So besteht ein Großteil der Viecherei doch aus Lausbubenstreichen, die er und seine Altersgenossen ausgeheckt haben.

Leuten aufs Maul geschaut

Außerdem zeigt Heini Hochrein in den Viechereien, dass er den Leuten aufs Maul schauen kann und genau die Stärken und Schwächen des anderen kennt. Seine Betrachtungen spiegeln deshalb auch viel von der Mentalität der damaligen Zeit wieder. "Unser Vater war ein sehr lebensbejahender Mensch. Die schlimmen Erfahrungen, die er im Krieg machen musste, hat er mit einer Mischung aus Melancholie und Humor zu bewältigen versucht", so Mia Hochrein, die Tochter Heinis. Er ließ sich nie unterkriegen und hatte eine positive Einstellung zum Leben.
Die Geschichten, die man in den Viechereien lesen kann, hat er zu verschiedenen Anlässen erzählt. Irgendwann kam dann der Wunsch auf, diese schriftlich festzuhalten, was er auch tat. Jetzt ist das Buch endlich wieder käuflich zu erwerben.
Rainer Kirch, der aus den Viechereien vorlas, bewundert das Talent Heini Hochreins, den Menschen zu beschreiben und deren Charakter humorvoll zu schildern. "Damals war die Individualität der Personen mehr ausgeprägt. Wenn man Hochrein folgt, so wurden die Menschen früher eher genommen wie sie sind und gingen nicht so leicht in der Masse unter", sagt Kirch. Natürlich hatte man auch mehr zum Plauschen - etwas, das heute leider fehlt.

Eine große Ehre

Für Kirch bedeutete die Lesung eine große Ehre. "Ich bin schließlich nur Münnerstädter und kein Mürschter", sagt der ehemalige Lehrer schmunzelnd. Auch wenn er schon seit 1956 in Münnerstadt ist, fällt es ihm schwer, den Mürschter Dialekt mit all seinen Nuancen zu erfassen. "Heini, hab Erbarmen mit mir, wenn ich dein Buch nicht so perfekt im Dialekt lese, wie du dir es gewünscht hättest", so sein Einstieg in die Lesung. Kirch meisterte diese Herausforderung jedoch zur Zufriedenheit aller.
Zur Freude der Besucher des Deutschherrnkellers hatte Mia Hochrein außerdem Tafeln vorbereitet, auf denen Wörter im Dialekt zu lesen waren. Nicht jedem fiel es leicht, die standardsprachliche Entsprechung zu finden. Dass "Arwess" Erbsen sind, ließ sich noch erschließen, aber die kulinarischen Tiefen der fränkischen Küche zu erkunden, die ja auch "Öwerschiche Rüwblich" anbietet, fiel nicht jedem leicht. Dennoch war es für alle ein lustiger Abend, der ganz im Zeichen der Mürschter Geschichte stand.
Die "Mürschter Viecherein" können für 9,95 Euro entweder beim Tintenfäßchen in Münnerstadt (www.tintenfaesschen.de, Telefon 09733/ 812 20) oder direkt bei Lotte Hochrein unter 09733/ 9345 käuflich erworben werden.