Wer Wasser klaut, kriegt Ärger
Autor: Redaktion
Mellrichstadt, Montag, 20. August 2018
Weil der Wasserstand der Streu inzwischen bedenklich ist, ergreift die Hegefischereigenossenschaft Maßnahmen, die nicht jedem gefallen.
"Ich habe die Pacht seit 20 Jahren, so schlimm war es noch nie." Wolfgang Klemm betreut den Mahlbach auf 3,3 Kilometern von der Mellrichstädter Gemarkungsgrenze bis hin zur Einmündung in die Streu. Dass die lange Trockenheit an den Bächen der Gegend nicht spurlos vorübergehen würde, war ihm schon klar. Dass die Lage am Mahlbach so katastrophal würde, hat er nicht erwartet.
Das Wasser, das den Mahlbach speist, kommt zum Teil aus dem Schwickershäuser See nahe Nordheim in Thüringen. Aus dieser Talsperre sind im Moment nur Minimalabläufe zu erwarten. "Aus dem Ellenbach kommt auch nicht viel", weiß Klemm. Die Folge: Der Mahlbach ist in weiten Teilen trocken. Vor Kurzem hat er die letzten Fische aus dem Mahlbach gerettet und in den Teich eines Bekannten umgesiedelt. Viele waren es nicht, kleine Barsche, Rotfedern, Weißfische und zwei Aale.
Es trifft auch die Kleinen
Fehlanzeige herrschte bei den Forellen. Sie können in dem aufgeheizten Wasser nicht lange überleben und sind wahrscheinlich schon vorher eingegangen. Jedes Jahr setzt Wolfgang Klemm Fische im Wert von 300 bis 400 Euro im Mahlbach aus. Bis man sie angeln kann, dauert es drei bis vier Jahre. Klemm geht es nicht um die verlorene Investition, Angeln ist nur ein Hobby, ihm geht es um das Gewässer selbst. Denn neben den Fischen sind auch Krebse, Muscheln und Kleinstlebewesen gefährdet, die sich im Bachbett tummeln.
Angst vor Fischsterben
;Noch nicht ganz so schlimm, aber dennoch sehr bedenklich ist die Situation in der Streu. Karl-Peter Sturm (Mitglied der Hegefischereigenossenschaft Streu und Nebengewässer) inspiziert jeden Morgen und Abend den Bereich der Streu vom Sägewerk Hahn bis zur Oberstreuer Gemarkungsgrenze, den er gepachtet hat. Er schaut sich die Wehre im Mutterbett der Streu, im Mühlgraben und im Verbindungsgraben zum Kirschgarten an und reinigt sie, um den Durchfluss zu gewährleisten. Die Situation ist so angespannt, "da geht es um Millimeter", sagt er. "Die Streu befindet sich in einem extrem kritischen Zustand, in dem das Fischsterben jederzeit beginnen kann", so Karl-Peter Sturm.
Um zu verdeutlichen, wie dramatisch die Situation ist, nennt Sturm einige Zahlen: Bei Nordheim werden die Zuflusswerte der Streu gemessen. Die niedrigste jemals gemessene Wassermenge lag vor Jahren bei 63 Litern pro Sekunde. Zurzeit sind es 80 Liter/Sekunde.