"Wer will fleißige Handwerker seh'n ... Stein auf Stein, Stein auf Stein - das Häuschen wird bald fertig sein" heißt es in einem uralten Kinderlied, das vielleicht auch die Kinder in der Grundschule von Poppenlauer lernen. Nun bekommen sie dazu praktischen Anschauungsunterricht direkt vor ihrem Schulhaus. Am Dienstag begann mit ersten Erdarbeiten hochoffiziell der Bau des neuen Kinderhortes auf dem freien Platz vor ihrer Schule.

Als erster Arbeitsschritt wird mit einem Bagger Erdreich abgetragen und dann per Lastwagen abgefahren. Bis der Anbau an die Schule steht, eingerichtet ist und die Kinder hier nachmittags betreut werden können, wird noch über ein Jahr vergehen. Mit der Fertigstellung ist frühestens im September nächsten Jahres zu rechnen.

2,8 Millionen Euro Baukosten

Die Baukosten werden auf knapp 2,8 Millionen Euro geschätzt, von denen die Marktgemeinde eine Million selbst aufbringen muss. Den großen Rest bekommt sie als Zuschuss vom Freistaat Bayern. Auch die Gemeinden Rannungen und Thundorf beteiligen sich finanziell an dem Kinderhort, da Grundschüler von dort die Grundschule in Poppenlauer und danach, soweit die Eltern wünschen, den Kinderhort besuchen. Ab dem Jahr 2025 sind sie gesetzlich sowieso verpflichtet, für die Hortbetreuung ihrer Kinder zu sorgen. Sie können in ihrem Dorf selbst Einrichtungen für die Betreuung der Grundschüler schaffen oder diese auswärts betreuen lassen. Da die Rannunger und Thundorfer Kinder am Morgen die Grundschule in Poppenlauer besuchen, lag es nahe, dass sie den Nachmittag über im dortigen Kinderhort betreut werden.

Derzeit an drei Plätzen untergebracht

"Das Personal ist gut ausgebildet, es gibt eine Hausaufgabenbetreuung und auch Ferienbetreuung und mittags ein warmes Essen aus der Küche des Kindergartens", hatte der Maßbacher Bürgermeister Matthias Klement (CSU) betont, als er letztes Jahr in einer Sitzung des Rannunger Gemeinderates zu Gast war und für eine Beteiligung der Nachbargemeinde warb. Schon im Jahr 2014 hatte die Marktgemeinde zwölf Hortplätze an der Kindertagesstätte in Poppenlauer ausgewiesen. "Die waren ruckzuck weg", so Klement. Dabei war am Anfang angezweifelt worden, ob sie überhaupt benötigt werden.

Die Nachfrage stieg seitdem von Jahr zu Jahr immer mehr, da viele Eltern arbeiten. Deshalb sind die Hortkinder nun an drei Plätzen untergebracht: in der Kindertagesstätte und an der Grundschule in Poppenlauer sowie an der Mittelschule in Maßbach. Nun sollen noch mehr Plätze geschaffen und die Betreuung in einem zentralen Kinderhort zentralisiert werden, hatte der Marktgemeinderat im Juni 2020 endgültig nach längerer Diskussion beschlossen.

Bagger rückten an

Als Architekt konnte Reinhard Seufert aus Poppenlauer gewonnen werden. Er hatte 2,7 Millionen Euro Baukosten errechnet, die sich durch eine kleine Umplanung auf knapp 2,8 Millionen erhöhten. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates Ende April waren als erstes die Arbeiten für die Außenanlagen und den Rohbau für 535 000 Euro an die Firma Franz Wolf aus Bad Neustadt an der Saale vergeben worden. Der Inhaber hatte versprochen, schon Anfang Mai mit den Arbeiten zu beginnen.

Die Bauarbeiter samt Bagger und Lastwagen rückten tatsächlich zu Monatsbeginn an und begannen mit dem Bau des Kinderhortes. Weitere Gewerke sind noch nicht vergeben. Ziel ist es, dass der Hort zum Schuljahresbeginn 2022 bezogen werden kann, sagten Bürgermeister Matthias Klement und der geschäftsleitende Beamte Frank Mauer. "Das ist ein Wunsch, aber angesichts der jetzigen Lage nicht planbar", so Mauer.