Jedes Jahr im Herbst macht sich der Thundorfer Gemeinderat, zusammen mit Forstinteressierten Bürgerinnen und Bürgern und dem Revierleiter Forstoberinspektor (FOI) Matthias Lunz sowie Forstdirektor (FD) Hubert Türich bei der Waldbegehung ein Bild davon, wie sich der Gemeindewald entwickelt. Diesmal war von der Unteren Naturschutzbehörde die Hospitantin Lina Reichert dabei.

Bei seiner Begrüßung merkte Türich an, dass auch in Thundorf die Forstwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Besonders die Nachhaltigkeit erhält durch den zum Teil extremen Klimawandel eine immer höhere Bedeutung. In Thundorf setzt man auf Vielfalt und eine naturnahe, ökologische Waldwirtschaft, die sich auf ca. 234,8 Hektar Waldfläche erstreckt. Häufigste Baumart ist unangefochten die Eiche mit 146 Hektar, gefolgt vom Edellaubholz, beim Nadelholz ist es die Douglasie.

Beim Waldgang kam auch die Bedrohung des Waldes zur Sprache. Spätestens seit dem Dürresommer 2018 zeigt es sich: Der Klimawandel ist auch bei uns angekommen, schneller und heftiger als angenommen. Die Häufung und Verschärfung von Witterungsextremen wie Hitze, Trockenheit und Stürme bedeuten eine große Gefahr für den Wald. Dadurch werden die Bäume geschwächt, sagen die Forstexperten. Die Folge ist nur allzu häufig Schädlingsbefall.

Vielerorts kämpfen die Forstleute gegen die Borkenkäferplage. Auch im Wald von Thundorf sind abgestorbene Bäume sichtbar, auch wenn die Schäden im Gemeindewald noch überschaubar sind. Forstdirektor Türich erklärt, dass der Klimawandel nicht nur den Lebensraum Wald und damit seine ganze Artenvielfalt, sondern auch die Erholungs-, die Klimaschutz-, die Bodenschutz und die Nutzfunktion bedroht.

Unter der fachkundigen Führung von Revierleiter Matthias Lunz wurden dann zwei Waldbilder in den Waldabteilungen "Stegholz" und "Morschreisig", beide in Thundorf unter die Lupe genommen. "Dort hat sich die Eichenverjüngung gut entwickelt", so Lunz. Jetzt muss dort weiter aufgelichtet werden, um den Lichtbedürfnissen der jungen Eichenpflanzen gerecht zu werden. Eine weniger wüchsige Teilfläche wird wegen zu hohem Rehwildverbiss aufwendig gezäunt werden müssen. Auf der Restfläche sollte eine Verjüngung aber ohne Zaun möglich sein, weil die Jagdpächter signalisiert haben mitzuhelfen und das Rehwild intensiver bejagen wollen, sagt Lunz.

Nach dem Waldbegang traf sich der Gemeinderat erneut im Bauhof um von den Forstexperten die Nachweisung 2021 und die Vorstellung 2022 zu erfahren. Der Gesamteinschlag 2021 lag bei 733 Festmeter (fm). Die Menge ist erneut unter der Vorgabe der Forsteinrichtung mit 1100 fm. Der Haupteinschlag war die Nachlichtung über die Eichenverjüngungsflächen in Rothhausen und Theinfeld, sowie die Altdurchforstung in Rothhausen.

Guter Durchschnittserlös

Auf der Wertholzsubmission war die Gemeinde mit 10,3 fm Eiche aus der Waldabteilung in Rothhausen vertreten, wobei ein guter Durchschnittserlös von ca. 730 Euro/pro fm erzielt wurde. Die Jungdurchforstung im Stegholz Thundorf passierte hauptsächlich von Selbstwerbern und im Krempel Theinfeld durch die Rechtler.

Laut Matthias Lunz ist der Nadelholzmarkt aktuell angespannt, deswegen gibt es auch keine Harvesterdurchforstung im Nadelwald. Der Schadholzanfall sank vom Vorjahr um ca. 150 fm, davon zwei Drittel Fichte und ein Drittel Kiefer. Die geplanten Jungbestandspflegen werden erst im November von Unternehmern durchgeführt und durch Nachbesserungen von 200 Kirschen und 100 Weißtannen im Krempel Theinfeld gepflanzt.

Beim Blick auf den Jahresbetriebsplan 2022 wird sichtbar, dass die Holzernte mit ca. 1060 fm geplant ist. Aufgeteilt wird diese Menge auf die Verjüngungsnutzung (415 fm), Altdurchforstung (23 ha und 520 fm), Jungdurchforstung 8 ha und 100 fm) und die Jugendpflege (mit 11,9 ha). Geplant sind für die kommende Periode Ergänzungspflanzungen, Zäunung der Eichenverjüngungsfläche Morschreisig und der Wegebau am Grunewald- und Morschreisigweg in Rothhausen. Dieser ist schon einige Jahre ein Thema und muss mittelfristig instand gesetzt werden. Zum Thema Naturschutz führen Lunz und Türich die Biotopbäume und das Totholz in der Abteilung Dürreberg in Theinfeld an.

FOI Lunz informiert anschließend den Gemeinderat über die aktuelle Entwicklung der Holzpreise. Das Gremium beschloss, diese so wie bisher zu belassen. Polterholz - Langholz (an den Weg gerückt 54 Euro/fm), Losholz hart (Abraum 12 Euro/Ster), Losholz weich (Abraum 5 Euro/Ster).

Zu wenig Holzwerber

Zum Schluss der Waldbegehung beschloss der Gemeinderat, die Forstbetriebspläne 2022 für Holzernte und Bestandspflege, sowie für die Forstkulturen in den Gemeindewaldungen in vollem Umfang zu genehmigen. Diskutiert wurde noch über die zu wenigen Holzwerber, deshalb, so ein Teilnehmer, muss das Holzangebot für Abraum lukrativer gestaltet werden.