Breitbeinig steht er oft auf der Bühne, den Oberkörper nach vorne gebeugt, so dass sein Gesicht hinter den langen Haaren verschwindet. Matthias Mauer aus Hohenroth ist Sänger bei der fränksichen Trashmetal Band Hatred. Er singt, brüllt, schreit oder keift ins Mikro, unterlegt die schnelle, harte Musik mit teils sozialkritischen, teils metaphorisch gehaltenen Texten. Er will, dass sich die Zuhörer damit auseinandersetzen. Abseits der Bühne betreut der 35-Jährige als Sozialpädagoge im Coburger Raum Jugendliche. Er ist verheiratet, Familienvater und hat sich sein eigenes Musikstudio im Keller eingerichtet.
Die Musik ist für ihn mehr als nur ein zeitaufwendiges Hobby. In Kleinwenkheim hat er mit Kumpel Daniel Buld von 2006 bis 2008 das Queens Of Metal Open Air mit auf die Beine gestellt, danach stieg er aus zeitlichen Gründen aus. Mit Hatred ist Mauer seit 15 Jahren professionell unterwegs. Die Band absolviert als Headliner eigene Konzerttouren, tritt auf in der Szene bekannten Open-Air-Festivals auf und spielt größere Shows im Ausland, etwa in Irland und Dubai. Ende September haben die fünf Musiker ihr neues Album "War of Words" über eine kleine Plattenfirma veröffentlicht.


Fünf Monate Singen im Keller

"Das Album hat extrem viel Zeit gefressen. Aber wir sind auch dafür bekannt, dass wir nicht die schnellsten sind", meint Mauer lachend. Je mehr die Band auf Konzerten unterwegs ist, desto weniger Zeit verbringen sie im Proberaum. Deshalb sind für das neue Album auch rund zweieinhalb Jahre vom Schreiben der 14 Lieder, über die ersten Voraufnahmen bis zum finalen Weg ins Studio vergangen. Die Band hat sich aber auch bewusst die Zeit genommen, um entsprechend lange an jedem Song zu feilen. Allein für die Gesangslinien hat Mauer fünf Monate gebraucht. Seine freie Zeit hat er dann meistens mit Bandkollegen in seinem Homestudio verbracht. "Der Gesang ist komplett bei mir im Keller entstanden", sagt er. Das Ergebnis überzeugt. "Ich bin mit War of Words echt glücklich", erzählt Mauer. Das Album wird in einschlägigen Musikmagazinen wie dem Metal-Hammer vom Springer-Verlag, aber auch auf Onlineportalen gut von den Kritikern bewertet. Eine Rezension auf dem reichweitenstarken Musikportal www.laut.de (11,9 Millionen Seitenaufrufe im Monat) hat es ihm besonders angetan: "Wenn ein deutsches Thrash-Album aus der Provinz jemals international konkurrenzfähig war, dann ist es dieses", schreibt der Autor begeistert. Mauer dazu: "Das macht mich stolz."


Crowdfunding für Videodreh

Noch etwas macht ihn stolz: Dass die Band es endlich geschafft hat, ein professionelles Musikvideo produzieren zu lasen. "Wir wollen seit zehn Jahren ein Video und hatten nie die Kohle." Deshalb hatte die Band eine Crowdfundig Aktion ins Leben gerufen, um Fans und Unterstützer zu mobilisieren, Geld für die Produktion zu spenden. Natürlich gab es dafür auch Belohnungen: Wer beispielsweise einen gewissen Betrag beigesteuert hat, konnte sich einen Auftritt im Video oder ein Wohnzimmerkonzert der Band sichern.


Gegen Komplettvermarktung

Wie bei den beiden vorhergehenden Alben, hat Hatred jetzt mit Mdd Records auch wieder eine Plattenfirma gefunden, die War of Words vertreibt. "Uns ging es nie darum, ein Riesenlabel zu kriegen", erzählt der Sänger. Man wollte sich in keine "360-Grad-Verträge" drängen lassen, bei denen die Plattenfirma die Musiker komplett vermarktet und an allem mitverdient, was die Musiker verkaufen. Gerade für kleine Künstler bleibt dann unterm Strich zu wenig übrig. "Uns war immer ein kleines Label lieber, wo wir auch einfach Mal den Chef anrufen können." So eines hat die Band auch jetzt wieder im Rücken.
Den Winter über wird die Band nur vereinzelt auftreten, eine längere Tour folgt 2016. "Der Winter ist ruhig. Das ist nach der arbeitsintensiven Zeit nicht so schlecht", meint Mauer. Sonst bleibt zu viel auf der Strecke. Schließlich hat er neben der Musik noch einen normalen Vollzeitjob zu erledigen.