Der Abschiedsschmerz war ziemlich verhalten, als bei einer Feierstunde in der Cafeteria des BBZ (Berufsbildungszentrum für soziale Berufe) die Berufsfachschule für Altenpflege nach 44 Jahren endgültig ihre Türen schloss. Doch das BBZ verliert damit durchaus keine Schule.

Aus der 1978 gegründeten Berufsfachschule für Altenpflege, die seit 2013 von der Caritas-Schulen gGmbH getragen wird, wird nun eine für Pflege. Die Bundesregierung hatte die Ausbildung der Pflegeberufe zum 1. Januar 2020 neu geregelt und die Pflegeausbildung zusammengefasst ("generalistische Ausbildung mit Schwerpunkten aus allen Pflegebereichen").

Nachdem vor wenigen Tagen die letzten reinen Altenpflegerinnen und Altenpfleger ihre Abschlusszeugnisse erhalten hatten, konnte diese Schule endgültig geschlossen und in die Berufsfachschule für Pflege überführt werden.

Studiendirektor Georg Gißler, der Leiter des BBZ, konnte zur Abschiedsfeier unter den Gästen auch zwei seiner Vorgängerinnen und Vorgänger willkommen heißen: Astrid Kron war ab 1967 Lehrerin am BBZ und dann von 1984 bis 2003 Chefin. Harry Koch kam 1981 als Referendar an die später wegen Schülermangel aufgelöste Landwirtschaftsschule und übernahm 2003 die Leitung des BBZ, die er 2019 an Georg Gißler abgab. Dieser begrüßte auch Bärbel Bürner, die über 30 Jahre lang stellvertretende Schulleiterin und "das Gesicht der Altenpflege" (so Gißler) war sowie Lothar Herbst, ehemaliger Fachbetreuer in der nun aufgelösten Berufsfachschule für Altenpflege.

Besondere Qualität

Gißler sprach von "bemerkenswerten öffentlichen Beifallskundgebungen für einen Berufsstand in der abendlichen Dämmerung" und "wir politisieren nicht heute Abend und fragen nicht, wie nachhaltig diese Bekundungen der Wertschätzung und des Dankes für Ihre unglaublich wertvolle Arbeit sind". Die kooperierende Berufsausbildung zwischen Ausbildungsbetrieben und beruflichen Schulen sei eine, insbesondere international, hoch geschätzte Organisationsform. Der Zusammenhalt zwischen Schule und Praxis habe am BBZ Münnerstadt eine besondere Qualität. Die Berufsfachschule für Altenpflege sei immer wieder Ideengeber für innovative Lehr- und Unterrichtsformen gewesen, den Schulentwicklungsprozess inspirierten. Er erinnerte dabei an die Thementage oder Themenwochen.

Gute Rahmenbedingungen

Die stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks (CSU) überbracht die Grüße des Landrates und des Kreistages. Sie lobte besonders, dass sich der Kreistag und die Caritas entschlossen haben, "so ein tolles Gebäude" zu errichten. Es sei immer wichtiger, gute Rahmenbedingungen für eine gute Ausbildung zu schaffen, "denn es gibt im Kreis viele Einrichtungen, die die idealistischen Menschen brauchen, die hier ausgebildet werden".

Rudolf Hofmann, Geschäftsführer der Caritas-Schulen gGmbH Würzburg, ging kurz auf die generalisierte Ausbildung für die Pflegeberufe ein, "von der wir noch nicht wissen, wie es wird". Das neue BBZ-Gebäude setze für die nächsten Jahrzehnte neue Maßstäbe - "aber noch wichtiger sind die Menschen. Es ist wichtig, wie sie miteinander umgehen und dass sie eine gute Führung haben". Er hofft, dass sich genug junge Frauen und Männer in diesem Mangelberuf ausbilden lassen und dann auch bei ihrer Tätigkeit in der Pflege bleiben. Wichtig sei auch, dass es genug Lehrkräfte gebe.

Ehemalige Absolventen zu Gast

Neben aktiven und ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern konnte Georg Gißler auch Vertreter der Träger der Altenpflege und Pflegedienste in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld begrüßen. Ehemalige Absolventinnen und Absolventen der Fachschule für Altenpflege waren ebenfalls gekommen.

Deshalb war es keine Frage, dass bei diesem Zusammentreffen die Frage "weißt Du noch ..." immer wieder zu hören war. Manche der Gäste hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen und entsprechend groß war die Wiedersehensfreude, auch wenn dieses Treffen anlässlich der Auflösung ihrer Schule stattfand. Und die Tafeln mit den alten Fotos und Abschlussberichten waren dicht umlagert.