Den alljährlichen Waldbegang des Stadtrates immer nur bei Regenwetter zu veranstalten, scheint zur Tradition zu werden. Denn auch heuer fiel der Exkursionstermin, nach mehreren sonnigen Tagen, wieder auf einen Regentag.
Der Mischwald nimmt in den städtischen Wäldern deutlich zu. Diesen Umbau der ehemals reinen Nadelforste, vorwiegend bestockt mit Schwarzkiefern und Kiefern, auf dem Hügelgelände westlich der Stadt demonstrierte Stadtförster Jörg Mäckler den Exkursions-Teilnehmern mit Bürgermeister Helmut Blank (CSU), fünf Stadträten und einigen interessierten Bürgern an typischen Bestands-Biotopen in den Waldabteilungen Michelsgrund, Maital und Teufelsboden.
Erster Exkursionspunkt war der Schwarzkiefern-Jungbestand hinter dem Lehrbienen-stand in der Abteilung Michelsgrund. Münnerstädter Bürger hatten vor Jahrzehnten die Idee, das ehemalige Ödland dort mit Schwarzkiefern zu bestocken. "Eine gute Idee", meinte Mäckler und bemerkte, der Untergrund um den Bienenlehrstand sei für eine Waldbegründung trotzdem nicht besonders geeignet gewesen. Er freue sich, dass auch hier, wie im übrigen Stadtwald die Naturverjüngung mit Buchenschösslingen voranschreitet. Bemerkenswert sei, dass im Umfeld des Bienenhauses der Verbiss der Jungbuchen durch Rehwild sehr gering sei. Das sei wohl der Anwesenheit vieler Menschen in der Nähe des Bienenhauses zu verdanken.
Im hinteren Michelsgrund, an der Zufahrtsstraße zum Thoraxzentrum, dem zweiten Exkursionspunkt, zeigte der Forstmann auf, dass der reine Kiefernbestand für einen Mischbestand vorgesehen ist. Zwar sei der Standort flachgründig, trotzdem eigne er sich für einen Buchenstandort, gemischt mit Ahorn, Elsbeere, Mehlbeere und Eber esche. Fehlende Altbuchen und Vergrasung machen die Begründung eines Mischbestandes nicht einfach, da die Setzlinge gern von Mäusen "geringelt" würden und verdörren. Hoher menschlicher Einsatz sei nötig, da die Fläche vom Dornen-Gestrüpp befreit werden müsse.
Zum dritten Exkursionspunkt führte Mäckler die Gruppe in den Teufelsboden und zeigte, wie es ihm im Zuge der Erneuerung der KG 20 (Münnerstadt-Burghausen) gelungen sei, durch den Bestand einen befestigten Erdweg von der Straße her zu bekommen, gebaut mit kostenlosem steinigen Material. Zukünftig wolle er auch hier Laubholz einbringen.
Musterhafte Verjüngung Anschließend führte der Förster die Gruppe in den Teufelsboden zu einem besonderen Wald-Bild, einem Buchen-Altholz mit musterhafter Naturverjüngung. Mit Freude zeigte er den Buchen-Jungwuchs, der ohne Zaun und fast ohne Rehwild-Verbiss aufwächst. Darüber hinaus zeigte er an Beispielen, dass hangabwärts die Qualität des Altbestandes gegenüber dem Plateau deutlich besser wird.
Wieder zurück im Hangbereich des Michelsgrundes fanden die Teilnehmer erfreulich gute Altbuchen-Bestände vor, deren Laubfülle den Waldboden, besonders auf saurem Nadelboden deutlich verbessere und für eine Humusauflage sorgt, erklärte Mäckler.
Zurück im Bienenhaus, ging Mäckler den Waldbegang noch einmal der Reihe nach durch und stellte fest, dass der Besuch einzelner Waldbilder wertvoller sei, als das punktuelle Anfahren verschiedener Waldbestände in mehreren Gemeindefluren der Stadtteile. Er erinnerte daran, dass der Stadtwald nicht nur Katastrophenholz besitzt, sondern auch Wertholz, wie man sehen konnte.
Die Klimaprognosen, die standörtlichen Verhältnisse und der jetzt schon starke Ausfall an Nadelholz mache den Umbau hin zu stabilen Mischwäldern geradezu notwendig, sagte er. Ziel seien zukünftig Wälder mit einem Anteil von 70 Prozent Laubholz und nur noch 30 Prozent Nadelholz, also die genaue Umkehrung gegenüber dem Ist-Bestand.
Preise bleiben stabil Unverändert bleiben die Preise für Brennholz (als Los-Holz von Astmaterial oder als Polterholz von gerückten Stämmen an einer Forststraße), so Mäckler. In diesem Zusammenhang hob er hervor: "Ohne Motorsägen-Schein kann ich Lose nicht mehr vergeben." Die eingeschlagene Holzmenge wird in diesem Jahr rund 2700 Festmeter und damit geringfügig unterhalb des Hiebssatzes liegen. Die diesjährigen Erlöse aus dem Holzverkauf bringen dem Stadtsäckel etwa 100.000 bis 105.000 Euro.