Chlordioxid ist ein bernsteinfarbenes, sehr giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch, das unter anderem zur Aufbereitung von Trinkwasser verwendet wird. Am Mittwochabend roch es im Talweg stechend und unangenehm nach genau diesem Gas - zum Glück allerdings nur zum Schein.

Die Freiwillige Feuerwehr Münnerstadt übte hier, unterstützt von den Wehren der Nachbargemeinden Nüdlingen, Poppenlauer und Bad Kissingen, die Bekämpfung eines Gasaustritts im Wasserwerk Münnerstadt der Stadtwerke Bad Kissingen. Das Trinkwasser wird hier aufbereitet und fließt dann über eine elf Kilometer lange Wasserleitung nach Bad Kissingen. Große Teile der Stadt werden mit dem lebenswichtigen Wasser aus Münnerstadt versorgt. Auch Nüdlingen und Münnerstadt können im Notfall von hier aus Wasser bekommen.

In dem Wasserwerks-Gebäude am Talweg war, wie erwähnt nur zum Schein, durch eine technische Panne Chlordioxid ausgetreten. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Bad Kissingen, der sich gerade im Gebäude befand, atmete das giftige Gas ein und wurde ohnmächtig. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Münnerstadt, die wegen des Chlordioxids natürlich mit Atemschutzgeräten ausgerüstet waren, konnten ihn bergen und Mitarbeitern des Roten Kreuzes übergeben.

Suche nach Vermissten

Ein weiterer Mitarbeiter war jedoch zunächst nicht aufzufinden. Um ihn zu suchen, drangen zwei Mitglieder der Münnerstädter Feuerwehr, die mit speziellen Anzügen besonders gut vor Chemikalien geschützt waren, tiefer in das Gebäude ein. Wenn man nicht ganz genau hinschaute, wirkten sie wie Raumfahrer in ihren Anzügen.

Die Pseudo-Raumfahrer waren natürlich durch ihren Einsatz in dem Gebäude mit dem Chlordioxid kontaminiert. Hier traten die extra alarmierte Feuerwehr aus Nüdlingen in Aktion. Sie hatten aus Leitern und einer dicken Plane eine provisorische Wanne gebaut. In dieser wurden die Feuerwehrleute, die in dem Gebäude waren, kräftig abgespritzt und abgeschrubbt, um die Gift-Chemikalie zu entfernen.

Spezialfahrzeug misst Giftkonzentration

Die Feuerwehr aus Poppenlauer rückte mit einem speziellen Fahrzeug an, mit dem vor allem die Konzentration an Giften und Chemikalien gemessen werden kann und trat ebenfalls in Aktion. Dieses Fahrzeug wird im ganzen Landkreis eingesetzt, erklärte Robert Müller, der Kommandant der Münnerstädter Feuerwehr.

Nicht zu vergessen die Bad Kissinger Floriansjünger, die ihre Drohne über dem Wasserwerk kreisen ließen. Das brummende und blinkende Fluggerät wurde eingesetzt, um mittels seiner eingebauten Wärmebildkamera nach dem "vermissten" Mitarbeiter der Stadtwerke Bad Kissingen zu suchen, der angeblich in Panik weggerannt war. Niemand wunderte sich, dass nach den kürzlichen Vorfällen in Wildflecken spaßeshalber die Frage auftauchte, ob "die Russen” nun auch in Münnerstadt spionieren.

Etwa 60 Feuerwehrfrauen und -männer waren am Mittwochabend im Einsatz, um am Wasserwerk einen Unfall mit Chlordioxid-Gas zu simulieren. Als Beobachter dabei waren unter anderem Bürgermeister Michael Kastl (CSU), die Kreisbrandmeister Alexander Böse und Alexander Frey, Kreisbrandinspektor Ronald Geis sowie Willi Schulz, für Wasserversorgung zuständiger Abteilungsleiter bei den Stadtwerken Bad Kissingen.