Möglich machte das eine Aktion der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Dominikus-Ringeisen-Werks im Rahmen des "europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" unter dem Motto "deine Stimme für Inklusion - mach mit". Zu diesem Protesttag veranstaltete die OBA eine Postkartenaktion. Dabei wurden auch die Rampen aus Lego-Steinen vorgeschlagen. Baupläne dazu finden sich im Internet und in vielen Städten gibt es sie bereits.

Laura Ziegler aus Poppenlauer, die ein duales Studium in Sozialer Arbeit am Dominikus-Ringeisen-Werk absolviert, schreibt gerade ihre Bachelorarbeit über die Bedeutung von Netzwerkarbeit in der OBA. Zusammen mit 14 Schülerinnen und Schülern der Fachschule für Heilerziehungspflege am Berufsbildungszentrum Münnerstadt (BBZ) nahm sie die Sache in die Hand. Auch sechs Frauen und Männer aus dem Dominikus-Ringeisen-Werk waren dabei.

Zunächst galt es, Sammelstellen einzurichten, um alte Legosteine zu sammeln. Zahlreiche Läden und Geschäfte, nicht nur in Münnerstadt selbst, machten mit. Auch der Hersteller selbst wurde angeschrieben und um eine Spende gebeten, so Manuela Schlembach (Fachschule für Heilerziehungspflege), stellvertretende Schulleiterin am BBZ. Doch die Bitte war leider vergeblich. Aber offenbar wurden viele Keller und Kinderzimmer ausgeräumt, denn schnell kamen mehr als genug Steine für eine erste Rampe zusammen, lediglich die kleinen roten Dachziegel sind etwas Mangelware.

Damit die Rampen stabil werden und auch Rollstühle samt den Personen tragen können, reicht es natürlich nicht, wie beim Spielen die Steine nur zusammen zu stecken. Sie mussten verklebt werden und eine Bodenplatte war auch erforderlich. Nun wurde die fertige, zweiteilige Rampe der Bäckerei Lehmann überreicht. Um in das Ladengeschäft zu kommen, muss eine relativ hohe Schwelle überwunden werden, die besonders von Rollstuhlfahrern ohne Rampe kaum überwunden werden kann. Damit sie nicht als Stolperfalle für Fußgänger wirkt, wird die Rampe nur angebracht, wenn Rollstuhlfahrer usw. in den Laden wollen.

Laura Ziegler betonte, dass noch ein größerer Vorrat an gespendeten Lego-Steinen vorhanden ist. Das bedeutet, dass noch weitere Geschäfte mit Rampen für einen erleichterten Zugang ausgestattet werden können. Aber es werden auch noch welche gebraucht. Benötigt werden vor allem Dachschindeln. Die Steine können im Büro der Offenen Behinderten-Arbeit in der Veit-Stoß-Straße in Münnerstadt abgegeben werden.

Geschäftsinhaber, die Interesse an einer Rampe haben, können sich im OBA-Büro, Veit-Stoß-Straße 5 in Münnerstadt melden. Die Grafikerin Christine Schikora hat ein Logo geschaffen, das nicht nur diejenigen Geschäfte bekommen können, die mit Rampen ausgestattet wurden, sondern auch diejenigen, die schon jetzt barrierefrei zugänglich sind. "Barrierefreier Zugang bzw. Rampe vorhanden" heißt es darauf. "Diese Aktion soll ein Beitrag zur Barrierefreiheit sein", betonte Laura Ziegler und: "es hat Spaß gemacht".

Auch Bürgermeister Michael Kastl (CSU) war bei der Übergabe der ersten Rampe dabei. Er bescheinigte, dass diese Rampe "eine gute Idee" sei und dankte den Initiatoren dieser Aktion. Eine barrierefreie Stadt sei für die Inklusion und angesichts der demographischen Entwicklung der Bevölkerung wichtig.

Kommentar von Dieter Britz: Die Rampe von der Bäckerei Lehmann ist gut und schön, aber sie darf nur ein erster Anfang sein für eine Entwicklung, die nicht nur der Stadt viel Geld kosten wird. Auch die Geschäfte selbst müssen sich beteiligen. Münnerstadt ist bei weitem nicht die einzige Stadt, die in Sachen Behinderten-Gerechtigkeit eher schlechte Noten bekommt. Aber es reicht hier nicht einmal zur drei minus, in Schulnoten ausgedrückt würde es allenfalls zur fünf plus reichen. Hohe Schwellen oder sogar Treppen an Eingängen zu vielen Geschäften, viel zu hohe Bordsteine, an manchen Stellen zu schmale Gehwege, holprige und rutschige Pflastersteine machen Rollstuhl- und Rollatorfahrern, Müttern und Vätern mit Kinderwägen und auch allen, die am Stock gehen müssen, das Leben schwer. Derlei Probleme gibt es natürlich nicht nur in der Altstadt von Münnerstadt. Aber hier werden sie ganz besonders deutlich - das ist halt die Kehrseite einer recht großen Altstadt, die große Pflasterflächen hat, die (zumindest gefühlt) noch aus der Zeit von Julius Echter stammen.