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Lehrschwimmbad ist gar nicht neu


Autor: Thomas Malz

Münnerstadt, Dienstag, 09. August 2016

Vor 50 Jahren sind die Schüler des Schönborn-Gymnasiums mit einem Becken auf dem Schulgelände überrascht worden. Später wurde es zu einem Biotop umgebaut.
Schulleiter Joachim Schwigon steht an der Grünfläche, die früher einmal das Lehrschwimmbecken war. Die Steine des Beckenrandes sind noch die originalen.  Foto: Thomas Malz


Die Randsteine liegen noch genau so wie vor 50 Jahren. Damals begrenzten sie allerdings ein Schwimmbecken, heute ein kleines Biotop. Das von Bürgermeister Helmut Blank (CSU) in die Diskussionen um den Hallenbad-Abriss immer wieder einmal ins Spiel gebrachte Lehrschwimmbad hat es in abgewandelter Form schon einmal gegeben: Zu Beginn des Schuljahres 1966/67 stand für die Schülerinnen und Schüler des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums ein Lehrschwimmbecken mit den Ausmaßen 16,33 mal acht Meter zur Verfügung.


Finanziert durch Elternspende

Über die Errungenschaft, die durch eine Elternspende möglich geworden war, hatte damals auch die Zeitung berichtet: "Mit dem Lehrschwimmbecken (...) bekommen die Sportlehrer der Schule eine wertvolle Einrichtung zur noch umfassenderen körperlichen Bildung der Schüler", war damals in der Zeitung zu lesen. 1#googleAds#100x100 "Unter den verschiedenen Arten der Leibesübungen hat das Schwimmen und der Umfang seiner Verbreitung eine große volksgesundheitliche Bedeutung." Vor 50 Jahren war die Sprache noch ein wenig anders.


Randsteine sind noch original

"Da war ich auch schon an der Schule", erinnert sich Joachim Schwigon, heute Schulleiter am Schönborn-Gymnasium. Er weiß sofort, wo das Schwimmbecken war. "Die Randsteine sind noch die gleichen." Wo früher die Schülerinnen und Schüler ihre "Leibesübungen" absolvierten, stehen heute Pflanzen. In der Mitte ist noch immer ein Tümpel, an dem Schilf wächst.


Bad wird zum Biotop

Von einem Lehrschwimmbad in ein Biotop umgewandelt wurde das Becken im Jahr 1983. Dorothea Hanshans vom Münnerstädter Stadtarchiv hat einen Zeitungsbericht vom 8. August 1983 herausgesucht, in dem der frühere Lehrer Gerd Müller ausführlich über den Umbau in den "Schönborn-See" berichtete. Zuvor hatte das Schwimmbecken lange Zeit brach gelegen, weil es veraltet und nicht mehr nutzbar war. Die Errichtung einer Öko-Oase war damals noch etwas ganz Besonderes. Verschiedene Lebensräume für Tiere und Pflanzen im Mini-Format als Schulgarten gab es damals noch recht selten, zumindest in Deutschland. In der Schweiz war man da schon ein wenig weiter.
Das frühere Lehrschwimmbecken am Schönborn-Gymnasium hat also eine Verwendung gefunden, für das seit sechs Jahren geschlossene Hallenbad ist ein anderer Weg vorgezeichnet. Es soll im Oktober abgerissen werden. Allerdings läuft derzeit ein Bürgerbegehren gegen den Abriss.


Schüler lernen Schwimmen

Wie auch immer der mittlerweile sechs Jahre andauernde Streit um die Zukunft des Hallenbades enden wird, am Schönborn-Gymnasium hat man sich zwischenzeitlich geholfen, nachdem mehrere Jahre kein Schwimmunterricht angeboten werden konnte. Bereits im letzten Schuljahr sind die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen über mehrere Monate hinweg ins Bad Neustädter Schwimmbad gefahren, nachdem von dort signalisiert worden war, dass es noch freie Kapazitäten gibt. Wer bis dahin noch nicht schwimmen konnte, hat es erlernt. "Am Ende der 5. Klasse konnten alle schwimmen", sagt Joachim Schwigon. Und: "Ich bin davon überzeugt, das kriegen wir wieder hin." Auch wenn es ab September vier 5. Klassen am Gymnasium gibt, wird am Schwimmunterricht festgehalten. Die Klassen werden nacheinander nach Bad Neustadt fahren.
Aber was ist denn nun mit dem neuen Lehrschwimmbad, das Helmut Blank so gerne bauen wollte? Er hat derzeit Urlaub, und 2. Bürgermeister Michael Kastl (CSU) ist bei diesem Thema sehr zurückhaltend. "Es ist ein Kind des Bürgermeisters", sagt er unmissverständlich. Und: "Für mich steht Wichtigeres auf der Agenda."
Der 2. Bürgermeister verweist auf den Haushalt und auf den Investitionsplan der Stadt Münnerstadt für die nächsten Jahre. Dort ist der Bau eines Lehrschwimmbades nicht vorgesehen.


Zu hohe Kosten

Auch Helmut Blank hatte in letzter Zeit mehrfach geäußert, dass sich ein Lehrschwimmbad für die geförderte Festsumme nicht bauen lasse. Es würde der Stadt teurer kommen. Und alles, was über die Festsumme hinausgeht, müsste von der Stadt allein übernommen werden. Deshalb ist er in jüngster Zeit von dem Vorhaben ebenfalls ein wenig abgerückt.


Wunsch nach Badesee

Zuletzt hat der Bürgermeister einen möglichen Badesee favorisiert, der vor allem von der Jugend sehr begrüßt würde. Aber selbst das wäre nicht ganz neu. Die Lauer ist nämlich auch schon früher einmal gestaut worden, um das Baden zu ermöglichen, wenn auch nur in kleinerer Form.
Ein möglicher Badesee unmittelbar unterhalb des Hallenbades ist bereits vom Stadtrat verworfen worden, weil das Klima dort sehr ungünstig ist.