Zwei Ortsgeistliche, Nikolaus Josef Kuhn und sein direkter Nachfolger Franz Kunzmann, waren Namenspaten für Straßen und Wege im Stadtteil Großwenkheim. Sie liegen, wie es sich gehört, direkt im Schatten ihrer langjährigen Wirkungsstätte, der nach siebenjähriger Bauzeit von Bischof Gebsattel im Jahr 1772 geweihten Mariä-Himmelfahrt-Kirche.

In dieser Folge unserer losen Serie "Straßennamen" stellen wir Pfarrer Nikolaus Josef Kuhn vor. Der nach ihm benannte Pfarrer-Kuhn-Weg ist 160 Meter lang. Nikolaus Kuhn wurde laut der Kleriker-Datenbank des Diözesanarchivs Würzburg am 21. Januar 1881 in Dipbach (Ortsteil der Gemeinde Bergtheim im Landkreis Würzburg) geboren. In seiner Todesanzeige in der Zeitung ist allerdings schon vom 20. Januar die Rede. Nach dem Theologie-Studium in Würzburg wurde er am März 1905 zum Subdiakon und schon zwei Tage später zum Diakon geweiht. Am 30. Juli desselben Jahres weihte ihn Bischof Ferdinand von Schlör im Alter von 24 Jahren zum Priester. Am 16. August 1905 trat er seine erste Stelle als Kaplan in Zellingen (Landkreis Main-Spessart) an. Bereits am 14. Februar 1906 wurde er Kaplan in Retzbach (heute ein Ortsteil von Zellingen). Nach einer kurzen Beurlaubung wegen Krankheit kehrte er am 20. Mai 1906 nach Zellingen zurück.

Mehr als 20 Jahre lang

Dort blieb er mehr als 20 Jahre lang. Zunächst war er dort Kaplan, am 1. Dezember 1910 bekam er ein Benefiziat (ehemaliger Amtstitel in der katholischen Kirche für einen Kleriker, der seinen Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe erhielt). Am 1. Juni 1926 schließlich, mit 45 Jahren, wurde er Pfarrer in der damals noch selbstständigen Gemeinde Großwenkheim und blieb es 28 Jahre lang, bis Ende Mai 1954. Die Kriegs- und Nachkriegszeit waren für den Pfarrer nicht einfach.

Er war sehr beliebt, denn Anfang Juni 1951 feierte das ganze Dorf ein ganzes Wochenende lang seinen 70. Geburtstag, sein 45-jähriges Wirken als Priester und sein 25-jähriges Wirken in Großwenkheim. Die Musikkapelle, der Männerchor, der gemischte Chor, die Lehrer, die Schuljugend sowie die Jugendgruppen gratulierten mit Vorträgen und Gedichten.

Gestorben in Münnerstadt

Zum 1. Juni 1954 musste Nikolaus Josef Kuhn sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und zog sich als Kommorant (Seelsorger ohne Amt) nach Münnerstadt zurück. Dort starb er am 3. Juni 1955, kurz vor seinem goldenen Priesterjubiläum. Auf seinen Wunsch hin wurde er in Großwenkheim, wo er die längste Zeit als Priester gewirkt hatte, zur letzten Ruhe geleitet.

Die Angaben über Pfarrer Nikolaus Josef Kuhn wurden vom Stadtarchiv Münnerstadt und vom Diözesanarchiv Würzburg zur Verfügung gestellt.