Die Partnerschaft zwischen dem fast 500 Kilometer entfernten Städtchen Stenay in Frankreich und Münnerstadt lebt trotz der Corona-Pandemie. Das zeigte sich deutlich am Wochenende beim Besuch einer 30-köpfigen Gruppe mit Bürgermeister Stéphane Perrin an der Spitze, der bei dieser Gelegenheit seinen Münnerstädter Kollegen Michael Kastl kennen lernte. Beim festlichen Empfang am Sonntag im Rathaus überreichte Michael Kastl die silberne Ehrenmedaille der Stadt an Daniel Léger, der seit Anbeginn in Stenay die Partnerschaft betreut und an Monika Grim, die langjährige Präsidentin des Münnerstädter Partnerschaftskomitees.

Zur Begrüßung der Gäste am Freitag vor dem Rathaus waren unter anderem die 13 Familien erschienen, bei denen die Gäste unterkommen sollten. "Es war überhaupt kein Problem, Gastgeber zu finden", freute sich Maria Knauff, die Vorsitzende des Münnerstädter Partnerschaftskomitees und ständige Dolmetscherin. Auch Altbürgermeister Eugen Albert war bei der Begrüßung dabei und erzählte, dass ihm sein Vorgänger Ferdinand Betzer bei seinem Amtsantritt im Jahr 1996 ans Herz gelegt hatte, die etwas "eingeschlafene" Partnerschaft wieder zu aktivieren und das habe er auch getan. "Ich freue mich, dass es heute noch so gut läuft", stellte er erfreut fest.

Am Samstagmorgen besuchten die Gäste das Museum Schloss Aschach und waren davon, wie einige am Nachmittag beim Mittagsimbiss auf dem Anger gerne erzählten, sehr angetan. Dort gab das städtische Jugendblasorchester unter der Leitung von Thomas Reuß ein Konzert. Es war bereits der zweite Auftritt für die Freunde aus Stenay, denn schon bei ihrer Ankunft am Freitag vor dem Rathaus hatten sie ihr Können unter Beweis gestellt.

Höhepunkt des dicht gedrängten Programms war der festliche Empfang am Sonntagmorgen im Rathaus. Dabei erinnerte Michael Kastl daran, dass im Mai 2019 letztmals eine Delegation aus Münnerstadt in Stenay zu Gast war, um das 40-jährige Bestehen der Jumelage zu feiern. Doch der Gegenbesuch 2020 und weitere Besuche mussten wegen der Pandemie ausfallen. Dieses Jahr gibt es allerdings, freute sich der Bürgermeister, ein echtes Jubiläum zu feiern: 1972, vor 50 Jahren also, trafen sich erstmals Lehrer des Lycée de Stenay und des Münnerstädter Schönborn-Gymnasiums, um einen Schüleraustausch zu planen. Der ursprüngliche Gedanke hinter den Städtepartnerschaften sei es gewesen, die gegenseitigen Vorbehalte zwischen Deutschen und Franzosen abzubauen. Dies sei heute kaum mehr nachvollziehbar. Heute sei es selbstverständlich, "dass unsere Nationen Partner sind, die in Frieden und Freundschaft zusammenarbeiten". Er erinnerte aber auch daran, dass angesichts des Krieges in der Ukraine Frieden in Europa keineswegs eine Verständlichkeit sei.

"Ich bin ein Verfechter der Freundschaft mit Münnerstadt", betonte der Stenayer Bürgermeister Stéphane Perrin und, speziell an Michael Kastl gewandt: "Ich freue mich, sie endlich kennen zu lernen". Auf Deutsch hob er hervor "keine Politik, nur Personen können Freundschaft pflegen" und "es lebe Münnerstadt, es lebe Stenay". Bezirksrätin Karin Renner ergänzte, dass die Partnerschaft sowohl in Münnerstadt speziell als auch zwischen zahlreichen Gemeinden in Unterfranken und dem Departement Calvados sehr lebendig sei. Partnerschaften seien gerade in Zeiten des Krieges in der Ukraine wichtig.

Höhepunkt des Empfangs war die Verleihung der Stadtmedaille in Silber an zwei Persönlichkeiten, die über viele Jahre die Partnerschaft getragen haben. Monika Grim, frühere Lehrerin am Schönborn-Gymnasium, war ab 1996 ehrenamtlich als Präsidentin des Partnerschaftskomitees aktiv. "Ihr ist es zu verdanken, dass die Städtepartnerschaft auch nach 40 Jahren noch Bestand hat". betonte Michael Kastl in seiner Laudatio. Daniel Léger betreut auf Seiten von Stenay die Partnerschaft seit Anbeginn und organisierte bereits in seiner Eigenschaft als Secrétaire général der Stadt Stenay 1973 das erste Treffen. Als er 2007 in den Ruhestand ging, ernannte ihn der Rat der Stadt zum Beauftragten für das Partnerschaftswesen. Die beiden neuen Träger der Stadtmedaille und später alle Teilnehmer an diesem Empfang durften sich im Goldenen Buch der Stadt verewigen.