Der lange Weg im Tal
Autor: Thomas Malz
Münnerstadt, Donnerstag, 14. August 2014
Vor 50 Jahren wurden der Talweg und der Schwimmbadweg als Wirtschaftswege ausgebaut. Am Ausbau des Talweges haben die Jagdgenossen einen großen Anteil.
von unserem Redaktionsmitglied Thomas Malz
Münnerstadt — "Der Straßen- und Wegebau ist für die Stadt Münnerstadt seit Jahren ein leidiges Kapitel und oftmals scheint es, als ob in den kleinen umliegenden Gemeinden auf diesem Sektor mehr getan wurde." Das ist kein aktuelles Zitat aus einer Stadtratssitzung, sondern ein Bericht der "Münnerstädter Volkszeitung", der vor genau 50 Jahren erschienen ist. Inzwischen hat sich das auch grundlegend geändert. Die Wirtschaftswege rund um Münnerstadt können sich nicht zuletzt durch das Engagement der Jagdgenossen sehen lassen.
Ausbau genehmigt
Gerhard Fuhrmann berichtete im August 1964, dass der seit Jahren beantragte Ausbau des Talweges und des Schwimmbadweges endlich genehmigt wurde.
1#googleAds#100x100
250 000 Mark waren damals für den Ausbau des Talweges vom Oberen Tor bis zur ersten Talbrücke (1370 Meter) und den Schwimmbadweg von der Einmündung Karlsbergstraße bis zur Abzweigung Talweg veranschlagt. Den Zuschlag bekam die Firma Ullrich (Elfershausen). Die beiden Straßen wurden auf eine Breite von 4,50 Metern ausgebaut und mit einer Asphaltdecke versehen. Der Bericht endete damals mit dem Hinweis, dass die beiden Straßen - obwohl es lediglich Wirtschaftswege sind - eine besondere Bedeutung haben. "Einmal ist ein wesentliches Stück Straße in Richtung Talkirche erstellt und andererseits kann bei Straßensperrungen am Jörgentor die Zufahrtsmöglichkeit zum Siedlungsgelände am Karlsberg erhalten bleiben."
Bis heute Umleitung
Und so ist es bis heute geblieben.
Allerdings wird der Talweg/ Schwimmbadweg heute nicht nur als Umleitung genutzt, wenn die Jörgentorgasse gesperrt ist. Die mit den Jahren größer gewordenen Schulbusse und der Schwerlastverkehr passen nicht durchs Jörgentor und müssen immer den Umweg über Tal- und Schwimmbadweg nehmen. Ein Umstand, der nicht nur Bürgermeister Helmut Blank (CSU) überhaupt nicht gefällt, weshalb er nach wie vor für eine Karlsberganbindung ist. Schließlich rollt der Verkehr im Schwimmbadweg nur wenige Meter an den Brunnen der Münnerstädter Wasserversorgung vorbei. Trotzdem hat die Stadt in den letzten Jahren beide Wege in mehreren Abschnitten herrichten lassen. "Aber erst ab dem Ortsschild", betont das Stadtoberhaupt. Innerorts müssten nämlich die Anlieger für die Verbesserung finanziell mit aufkommen.
Aber zurück ins Jahr 1964. Am 18.
August war in der Zeitung zu lesen, dass der Stadtrat den Ausbau eines Teilstücks des Talweges von der zweiten Talbrücke bis zur Talkirche genehmigt hat. Wie der Weg zwischen den beiden Talbrücken aussehen wird, war damals völlig unklar. "Anscheinend ist sich die Bundesbahn nicht schlüssig, wegen der Kostenfrage ist eine einseitige Initiative seitens der Stadt nicht möglich", war zu lesen.
Zukunft war ungewiss
Der Grund: Die Bundesbahn wollte die beiden Talbrücken aufheben, wie es in der Fachsprache hieß. Sie sollten weg. Die beiden Brücken waren am Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt und behelfsmäßig wieder aufgebaut worden. 1964 erwog die Bahn, beide Brücken durch Dämme zu ersetzen. Dann wäre der Weg zur Talkirche anders verlaufen. Dann wurden die Behelfsbrücken aber doch durch neue ersetzt.
Einen entscheidenden Anteil am Ausbau des Talweges haben seit vielen Jahren die Münnerstädter Jagdgenossen. Obwohl der Weg wohl mehr Ausflüglern und Wanderern dient als den Land- und Forstwirten haben die Jagdgenossen hohe Summen investiert. Und sie sind manch Risiko eingegangen.
Weil seit den 1980er Jahren viel Wasser den Talwasserbach hinunter geflossen ist, lässt sich der frühere langjährige Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, Lindhorst Gehring, dazu bringen, ein wenig von den Vorkommnissen zu plaudern. Da wäre zunächst ein Freitag, ein schwarzer Freitag, wie sich später herausstellen sollte. An diesem Freitagnachmittag (die Behörden haben um diese Zeit ja schon geschlossen) brachten die Jagdgenossen auf ein kleines Teilstück hinter der Talkirche in Richtung Talbauer eine Schwarzdecke auf. "Am Montagfrüh stand die Polizei in meinem Hof", erinnert sich Lindhort Gehring.
Er bekam gehörigen Ärger mit den Behörden, denn bei der Schwarzdecke handelte es sich eindeutig um einen Schwarzbau.
Nicht die Jagdgenossen, Lindhorst Gehring selbst, sollte als Strafe die Summe bezahlen, die die Baumaßnahme gekostet hat. Das waren 15 700 DM. Dann ist er erst einmal zur Stadt. Bernd Eckert war damals Beamter in der Verwaltung und gleichzeitig Schriftführer bei den Jagdgenossen. Irgendwie ist es gelungen, die aufgebrachten Behörden zu beruhigen. "Wir haben 120 Obstbäume gepflanzt, damit waren sie dann zufrieden", erinnert sich der frühere Vorsitzende.
Ein verlockendes Angebot
Ein paar Jahre später erhielten die Jagdgenossen von der Firma Ullrich ein Angebot: Für elf Mark pro Quadratmeter sollten sie eine drei Zentimeter dicke Bitumenschicht bekommen.
Der Talweg zwischen der ersten Talbrücke und der Talkirche war damals sehr brüchig, erklärt er. 40 000 DM hatten die Jagdgenossen auf der hohen Kante, also ließen sie den Weg ausbauen. Alles lief prächtig, nur war das Geld alle, bevor der Weg ganz fertig war. "Laut Satzung dürfen wir keine Schulden machen", erklärt Lindhorst Gehring. Trotzdem schossen vier Jagdgenossen (Ludwig Mangold, Lindhorst Gehring, Edgar Döming und einer, der nicht genannt werden will) je 5000 DM vor. Schließlich hatten die Jagdgenossen durch die Pacht regelmäßige Einkünfte und das gute Angebot der Firma sollte genutzt werden.
Kleine Turbulenzen
Bei der nächsten Jahreshauptversammlung kam der unzulässige Privatkredit heraus, es soll sehr turbulent zugegangen sein.
Lindhorst Gehring weiß natürlich, dass das nicht so ganz in Ordnung war, jedenfalls nicht nach der Satzung. Aber: "Heute sind die Wege in Ordnung und da sind wir sehr stolz drauf."
Das würden viele Menschen sofort unterstreichen. Denn seither ist es möglich, trockenen Fußes zur Talkirche oder zu anderen Ausflugszielen im Tal zu wandern. Die Talkriche darf ja auch mit Autos angefahren werden, was vor allem bei Gottesdiensten oder bei Hochzeiten gerne genutzt wird. Auch Wallfahrten gibt es zum kleinen Gotteshaus.