Der Herbst bringt den Katzenblues in Unterfranken
Autor: Thomas Malz
Münnerstadt, Freitag, 07. Oktober 2016
Die Mitarbeiter des Tierheims Wannigsmühle müssen derzeit 270 Katzen versorgen, und täglich werden es mehr.
Sie sind einfach zuckersüß. Aber die drei Kätzchen machen wahnsinnig viel Arbeit. Sie sind ohne Mutter abgegeben worden und müssen mit der Flasche aufgezogen werden. Im Nebenzimmer sind zwei Katzenmütter mit jeweils fünf Kätzchen untergebracht. Ihre Besitzer haben sie am gleichen Tag in der Wannigsmühle entsorgt. "Insgesamt waren es 15 an diesem Tag", sagt Tierheimleiterin Ursula Boehm. "Mein Verständnis ist unter Null gesunken."
An Öffnungszeiten halten
Die Versorgung der Tiere kostet richtig viel Zeit. Der ganze Vormittag geht schon mit Saubermachen drauf. An sieben Tagen in der Woche "Es fehlt an Wertschätzung unserer Arbeit", beklagt Ursula Boehm. "Viele halten sich nicht an unsere regulären Öffnungszeiten", sagt sie. Es komme häufig vor, dass jemand um 19 oder um 19.30 Uhr ein Tier abgeben will. Dann müssen die Formalitäten erledigt und ein Platz in der Quarantäne-Station hergerichtet werden. Sie bittet die Leute einfach um ein wenig mehr Verständnis. Von Mittwoch bis Sonntag hat das Tierheim jeweils von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet.Mehr Verständnis erhofft sich die Leiterin auch von Interessenten, die eine Katze aufnehmen wollen. Viele hätten sehr hohe Ansprüche. "Die Katze muss zutraulich sein, grau- getigert und grüne Augen haben", überspitzt sie manche Vorstellungen. "Und am liebsten hätten sie noch eine Garantie, dass sie niemals krank wird." Ursula Boehm macht unmissverständlich klar: "Wenn ich ein Tier aufnehme, dann übernehme ich eine gewisse Verantwortung. Dazu gehören auch die Kosten für tierärztliche Leistungen."
Kleine Katzen oft krank
Kleine Katzen kommen oft krank ins Tierheim. Sie müssen erst behandelt werden und ein gewisses Alter erreichen, bis sie vermittelt werden können. Auch da ernten die Mitarbeiter manchmal Unverständnis. Ein Umzug bedeute besonders für Katzen immer Stress. Interessenten können sich ja ein Tier aussuchen, und warten, bis es das nötige Alter erreicht hat. Aber auch da gibt es keine Garantie, wie erst kürzlich wieder geschehen. "Bei so vielen Katzen ist der Infektionsdruck hoch." Kurzum: Bereits ausgesuchte Katzen sind erkrankt und gestorben. Waren es früher die Ferien, in denen besonders viele Tiere abgeben wurden, so gilt das heute nicht mehr. "Das geht bei uns mittlerweile das ganz Jahr über." In den letzten zwei Monaten sei es aber extrem geworden, wie in jedem Herbst. Ursula Boehm spricht von einem regelrechten Katzenblues.
Es wird nicht besser
Einen Ausweg sieht sie nur noch in einer Kastrationspflicht für Freigänger. Da sei die Politik gefragt, weil es anders nicht mehr gehe. Vom Tierheim werden jedes Jahr Katzen aus frei lebenden Kolonien eingefangen, kastriert und wieder freigelassen. "Die freiwillige Leistung kostet uns 30 000 Euro pro Jahr." Das Schlimme: "Es kommen nicht weniger Katzen. Das treibt einen in den Wahnsinn."Um kurzfristig ein wenig Entlastung zu bekommen, hat Ursula Boehm ein paar Bitten. Sie wünscht sich, dass Tierliebhaber einfach während der Öffnungszeiten vorbei kommen, um vielleicht einer Katze ein neues Heim zu bieten. "Sie sollten sich aber vorher bewusst machen, was es heißt, ein Tier aufzunehmen." Ganz dringend wird auch Nassfutter für Kleinkatzen benötigt.
Dankbar ist Ursula Boehm den vielen Unterstützern, beispielsweise den Charity-Läden in Münnerstadt und Bad Kissingen. "Wir sind voll bis unters Dach" sagt Ingeborg Ertel, die den Laden in Münnerstadt leitet. Der hat erst kürzlich sein fünfjähriger Bestehen am jetzigen Standort gefeiert. "Wenn schon keine Unterstützung von staatlicher Seite kommt, müssen wir Ehrenamtlichen etwas machen." Sie und ihr Team würden sich freuen, wenn noch ein paar Leute mehr einfach einmal in den kleinen Laden in der Veit-Stoß-Straße hineinschauen.
Mit Arbeit zufrieden
Mit der Arbeit der Mitarbeiter des Tierheims Wannigsmühle ist Amtstierarzt Dr. med. vet. Richard Roider zufrieden. Die Mitarbeiter, so Roider, seien engagiert und leisten gute Arbeit. Aus fachlicher Sicht sei es sicher sinnvoll, die Tiere kastrieren zu lassen, meint er. "Eine Regelung bzw. Überwachung dieser Maßnahme ist jedoch nicht Aufgabe des Veterinäramts."
Da bleibt Ursula Boehm nur, an die Vernunft der Tierhalter zu appellieren. Sonst wird im nächsten Herbst der nächste Katzenblues wehen.