"99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont" besang vor 43 Jahren Nena und landete damit ganz vorn in den Hitparaden vieler Länder. In Münnerstadt flogen 63 bunte Luftballons, versehen mit Wunschzetteln, von der Mehrzweckhalle zum Horizont. In der Halle selbst veranstalteten die Abiturientinnen und Abiturienten des Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums zusammen mit Eltern, Freunden und Gästen ein rauschendes Fest zum Abschluss ihrer Schulzeit, das mit dem Aufstieg der Ballons seinen Anfang nahm und unter dem Motto "Abi Vegas" stand.

Studiendirektor Jürgen Hack stellte beim Anblick der schick gekleideten Abiturientinnen und Abiturienten fest: "In dem Outfit könntet ihr auch locker in Las Vegas auflaufen". Doch wegen der Corona-Epidemie gab es keine Fahrten und Reisen. Die traditionelle Fahrt nach Berlin musste ausfallen und die Abifahrt wurde durch eine Exkursion an den Ellertshäuser See ersetzt. "Ich hoffe, dass viele eurer Wünsche und Träume in Erfüllung gehen", gab er den Abiturientinnen und Abiturienten mit. Der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU) wünschte alles Gute im Namen des Landkreises Bad Kissingen. Sein Wunsch: "dass viele nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung zurück in ihren Heimat-Landkreis finden."

Bürgermeister Michael Kastl (CSU) bescheinigte den Schülerinnen und Schülern auch soziale Kompetenz, denn sie hätten bei der Betreuung der Flüchtlinge aus der Ukraine mitgeholfen. Auch er wünschte sich "dass sie ganz oder regelmäßig wiederkommen". Diese Feier sei eine Vorpremiere, denn die für zehn Millionen Euro sanierte Halle sei noch gar nicht eingeweiht.

Studiengenosse: "Etwas, was man nicht kaufen kann"

Die Elternbeiratsvorsitzende Petra Heil griff das Motto "Abi-Vegas" auf: Die Schülerinnen und Schüler hätten um jeden Punkt gepokert, manchmal geblufft und sich manchmal durchgeboxt. Michael Schwigon, bis vor drei Jahren selbst Direktor des Schönborn-Gymnasiums, trat für Paul Ziegler, den verhinderten Vorsitzenden der Studiengenossen, ans Mikrofon und wies darauf hin, dass man mit dem Abitur an dieser Schule vollautomatisch Studiengenosse wird, "etwas was man nicht kaufen kann". Das nächste Treffen findet am 22. Juli statt. Dort sei immer ein Tisch für sie reserviert.

Nicht alle wissen, wie es weitergeht

Jascha Bauer-Heilmann fragte in seiner Abi-Rede: "Wir haben das Abi in der Tasche, was fangen wir damit an?" Ein Teil von ihnen, aber eben nicht alle, wüssten schon, in welche Richtung es beruflich gehen soll. Er bat die Erwachsenen: "Lassen Sie die Menschen zu sich selbst finden". Mit Blick auf das Motto "Abi Vegas" gab er seinen Mit-Abiturientinnen und -abiturienten mit "im Lauf des Lebens braucht man auch Glück und Zufall".

Der Chef des Schönborn-Gymnasiums, Oberstudiendirektor Peter Rottmann, freute sich "alle, alle haben das Abitur geschafft. Das ist für mich die schönste Nachricht". Die Schülerinnen und Schüler hätten während der schwierigen Corona-Zeit eine "gesunde Robustheit und Belastbarkeit, wie man es auch im Pokerspiel braucht, gezeigt". Er gab ihnen mit: "Bewahrt euch eure Spiel-Bereitschaft und Spielfreude. Bewahrt Mürscht im Herzen und werdet Studiengenossen".

"Während ihr gebüffelt habt, waren wir unterwegs und haben Spenden für Preise gesammelt", sagte Christian Stoßberg, der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Schönborn-Gymnasiums. Enci Huang und Sonja Schmitt erzielten mit der Gesamtnote 1,0 das beste Gesamtergebnis. Sophia Erhart, Victoria Klement und Romana Weigand erzielten 1,1 und damit das dritt- bis fünftbeste Ergebnis. Enci Huang und Sophia Erhart wurden außerdem für ihr besonderes Engagement als Jahrgangssprecher bzw. -sprecherin ausgezeichnet. Marie Hauck bekam einen Buchpreis und eine einjährige Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für das beste Abitur im Fach Physik.

Pater Markus Reis OSA war es vorbehalten, mit einer Segnung der Abiturientinnen und Abiturienten den offiziellen Teil zu beenden. Sein Wunsch an alle: Sie mögen einen festen Stand im Leben und einen guten Platz in der Gesellschaft finden.