50 Jahre ist die Olympiade 1972 in München nun her. Die meisten erinnern sich, dass bei einem Attentat palästinensischer Terroristen elf israelische Geiseln und ein deutscher Polizist getötet wurden. Mindestens vier Bürgerinnen und Bürger aus Münnerstadt waren seinerzeit in München, und sie haben deshalb bis heute ganz besondere und tiefe Erinnerungen an diese Olympiade, die eigentlich eine heitere werden sollte. Alle vier haben übrigens noch eines gemeinsam: Anneliese und Eugen Albert, Hartmut Hessel und Anton Then waren Lehrer. Eugen Albert wurde später Bürgermeister von Münnerstadt.

Hartmut Hessel, damals 22-jähriger Sport- und Werklehrer, hat gleich in doppelter Hinsicht olympische Erinnerungen. Er war einer der Fackelträger, als die olympische Flamme von München quer durch den Landkreis Bad Kissingen nach Kiel, dem Austragungsort der Olympischen Segelregatten getragen wurde. Die Fackelträger kamen von Schweinfurt über Oerlenbach und Arnshausen nach Bad Kissingen. Weiter ging es nach Oberthulba und Bad Brückenau.

Die Sportvereine im Landkreis stellten die Fackelträger, die die olympische Flamme durch den Landkreis trugen. Über eine Strecke von 900 Metern trug TV-Mitglied Hartmut Hessel, begleitet von Ottmar Bömmel, Michael Graeber und Jürgen Wohlfromm, die Flamme durch Waldfenster. Er erinnert sich noch gut daran, dass er bei der Generalprobe eine Woche vorher um einiges zu schnell gelaufen war. Deshalb musste er sich beim eigentlichen Lauf zurückhalten.

Erinnerungen ins Album geklebt

"Die Stimmung in Deutschland war damals sehr olympisch, so habe ich es in Erinnerung", sagt Hessel. Eintrittskarten für die Olympiade wurden ausgelost. Ein Freund hatte Karten und nahm ihn mit, sie blieben zwölf Tage. Übernachtet haben sie in einem Studentenwohnheim. Vor allem schauten sie sich die Leichtathletik-Wettkämpfe an. Durch Kauf von zusätzlichen Karten oder durch Tausch konnten sie weitere Wettkämpfe besuchen. Hessel hat damals viele Fotos gemacht und samt Zeitungsartikeln in ein dickes Album geklebt, das ihn ewig an die Olympiade vor 50 Jahren erinnert.

Am 5. September war er im Olympia-Park. Plötzlich tauchten bewaffnete uniformierte Polizisten auf. Da die Spiele zunächst abgebrochen wurden, gingen sie zurück in ihr Studentenwohnheim. Dort bekamen sie über ihren kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher, Radio und Polizeifunk-Informationen, dass es ein Attentat gegeben hatte.

An eine andere Sache erinnert sich Hartmut Hessel schmunzelnd: Er war damals ein recht guter Sportler und deshalb hatte er 1966 einen Kasten Bier gewettet, dass er an den Olympischen Spielen 1972 teilnehmen würde. 1972 hat er freiwillig den Kasten bezahlt, da sein Wettgegner die Teilnahme als bloßer Zuschauer nicht anerkennen wollte.

Goldmedailllengewinne miterlebt

Der damals 22-jährige Anton Then aus Großwenkheim, der in früheren Jahrzehnten als Tischtennis-Schiedsrichter auch bei Welt- und Europameisterschaften aktiv war, besuchte zehn Tage lang privat die Olympiade. Damals bekamen die Sportvereine jeweils ein Kontingent von Eintrittskarten. In seinem Verein hatte jedoch niemand Interesse oder keine Zeit, so kam Then problemlos an Karten. Ein Bekannter von ihm wohnte damals nördlich von München.

Dort konnte er übernachten. Besonders erinnert er sich noch an die damals erst 16 Jahre alte Hochspringerin Ulrike Meyfarth, die mit einer Höhe von 1,92 Metern nicht nur Olympiasiegerin wurde, sondern auch einen neuen Weltrekord aufstellte. Anton Then hat auch miterlebt, wie der Speerwerfer Klaus Wolfermann die Goldmedaille errang. Sein Speer flog 90,48 Meter, zwei Zentimeter weiter als der von Jänis Lüsis aus der Sowjetunion. Then traf Wolfermann viele Jahre später einmal auf dem Golfplatz in Maria Bildhausen und sie tauschten Erinnerungen an die Olympiade aus.

Die Informationsmöglichkeiten waren seinerzeit viel schlechter als heute, deshalb hat er von dem Attentat am 5. September erst am Abend erfahren. Im Radio hieß es damals "nehmen Sie keine Anhalter mit", erzählt er und "da läuft es mir heute noch kalt den Buckel runter". Als Erinnerung an Olympia bewahrt er noch immer ein Original-Plakat auf.

Eugen Alberts Doppelgänger

Auch Anneliese und Eugen Albert, damals gerade zwei Jahre verheiratet, besuchten in jenen Tagen München zusammen mit zwei Bekannten. Eintrittskarten hatten sie keine. Doch bei einer Führung durch ein Stadion konnten sie die hellen Farben und die Fahnen bewundern. Bei einem Besuch des Olympiaturms bekamen sie den lauten Jubel mit, als Ulrike Meyfarth 1,92 Meter übersprang. Die Aussicht vom Turm sei einfach fantastisch gewesen. Anneliese Albert erinnert sich noch daran, dass ihr Mann dem siebenfachen Goldmedaillen-Gewinner Mark Spitz (Schwimmen) sehr ähnlich gesehen hat, "wie aus dem Gesicht geschnitten". Doch "tags darauf dann der Schock wegen des Attentats, die ganze freundliche Atmosphäre war natürlich kaputt", sagt sie.