Der Geruch nach verbranntem Dieselkraftstoff lag in der Luft und ein typisches Knattern (durch das langsame Tok-Tok-Tok von Motoren ein oder zwei Zylindern und niedriger Umdrehung) drang in die Ohren. Doch das störte hier wirklich niemand. Alles war vertreten vom Kleintraktor mit weniger als zehn bis zur schweren Landmaschine mit über 200 PS und mehr als mannshohen Reifen, vom Oldtimer aus dem Jahr 1949 bis zum fabrikneu wirkenden Bulldozer. Die Freiwillige Feuerwehr des Stadtteils hatte zum ersten Großwenkheimer Bulldogfest an der Feuerwehrscheune eingeladen. Über 120 dieser Landmaschinen standen schließlich in Reih und Glied.

Die zahlreichen jüngeren wie älteren Besucher, auch sie aus der näheren und weiteren Umgebung, nutzten die Gelegenheit, sich die Fahrzeuge ganz genau anzusehen. Höhepunkt dieses Treffens war die Bulldogparade durch den Stadtteil.

"Den hat mein Großvater besessen und ich durfte als Bub mit aufs Feld fahren", schwärmte ein inzwischen schon älterer Landwirt beim Anblick eines sehr gut gepflegten, grün lackierten Fendt-Dieselroß-Schleppers. Diese wurden von 1930 bis 1959 gebaut, die allerersten hatten gerade einmal sechs PS. Wie der Name schon sagt, sollten sie die Pferdegespanne ablösen.

Das Dieselroß wirkt gegenüber dem hochmodernen Fendt-Traktor ein paar Meter weiter regelrecht zierlich. Die Fendt- Traktoren waren am häufigsten vertreten, einer hatte sogar einen Mähbalken.

"Es sind natürlich alle Traktormarken herzlich willkommen", hieß es in der Einladung.

Neben Fendt waren unter anderem die Marken Güldner (Aschaffenburg, Produktion 1969 eingestellt), Mc Cormick (Hauptsitz in Italien), Eicher (1936 bis 2001), Massey Ferguson (Frankreich, eine weltweit führende Marke), Schlüter (1937 bis 1993), Deutz (Traktorenbau seit 1894, heute Deutz-Fahr Köln), Case (USA/Österreich), Lanz (Mannheim 1921 bis 1955, von diesen Traktoren kommt der Name "Bulldog) sowie Fiat (Italien) vertreten.

Fast baugleich

Besonders fielen vielen Besuchern vier fast baugleiche, ziemlich wuchtige Traktoren auf. Zum einen zweimal das Original, der weltweit bekannte Ackerschlepper Lanz Bulldog und daneben ein Ursus, ein in Polen in Lizenz nachgebauter Lanz. Besonders auffällig war der fast baugleiche, orangefarben lackierte Traktor mit der Aufschrift I.A.M.E. Pampa Industria Argentina auf der Kühlerhaube. Das Fahrzeug wurde tatsächlich in den 1950er Jahren während der Herrschaft des Diktators Juan Peron nachgebaut, ob mit oder ohne Genehmigung von Lanz, ist nicht so ganz klar.

Aus der Scheune geholt

Ein größerer Teil der 120 beim Treffen in Großwenkheim gezeigten Traktoren ist noch heute bei den Landwirten im Einsatz. "Die Maschinen halten viel länger als Pkw", meinte ein Experte, "aber natürlich gibt es auch ältere Traktoren, die gut gepflegt und nur noch für solche Traktorentreffen aus der Scheune geholt werden".

Ein bisschen Lobbyarbeit machten die Landwirte auch gleich mit Aufklebern auf ihren Fahrzeugen. "Ohne Bauernstand leidet unser Bayernland", war auf einem zu lesen. Ein anderer Traktorfahrer mit viel Humor hatte ein Schild an seinem Fahrzeug "Eicher fahren - Treibstoff waren. Trink dafür noch‘n Bier".

Nicht zu vergessen: für die ganz kleinen Besucher, die sich noch nicht so sehr für große Traktoren und für Landmaschinentechnik begeistern, gab es ein Rennen mit Spielzeug-Bulldozern, das auch für die Eltern eine große Gaudi war.