Claudia Rottenberger macht es schon richtig: "Außer wenn es schneit oder in Strömen regnet, versuche ich immer mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren", berichtet die 50-Jährige. Sie hat's gut, weil sie nur einen relativ kurzen Weg hat: Aus Großenbrach fährt sie zur Sparkassen-Zentrale in die Bad Kissinger Innenstadt. Am Morgen geht's immer schön an der Saale entlang. "Ich fahre so, dass ich nicht schwitze", berichtet sie.
Allerdings wäre auch dafür gesorgt: "Wir haben Schränke für die Dienst-Kleidung und extra Dusch-Möglichkeiten geschaffen", berichtet Sparkassen-Vorstand Roland Friedrich. Die insgesamt rund 350 Mitarbeiter sollten ermuntert werden, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder auch mal in der Mittagspause joggen zu gehen.


Mindestens einmal pro Woche

Jochen Faber aus Platz hat es deutlich weiter, versucht aber auch seit vier Jahren, mindestens einmal in der Woche mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. "Ich richte mich nach dem Wetter, und wenn ich am Abend noch zum Einkaufen fahre, ist das natürlich auch eher schlecht", fasst der 39-Jährige seine Gewohnheiten zusammen. Früher sei er ins Fitness-Studio gegangen, jetzt habe er das Radeln entdeckt: "Wenn man am Abend daheim ist, hat man den Sport schon hinter sich", nennt er als Vorteil. Und seine Kollegin Claudia Rottenberger ergänzt, dass der Sport nicht nur gut für den Körper sei: "Das ist auch schön zum Runterkommen, auf der Heimfahrt hänge ich oft noch meinen Gedanken nach."
Laut Astrid Partsch von der Personalabteilung beteiligt sich die Sparkasse seit dem Jahr 2011 an der Aktion. Bis zu 15 Kollegen hätten sich dazu bereits angemeldet. Tatsächlich würden aber noch mehr der rund 350 Mitarbeiter ab und zu zum Arbeitsplatz radeln. "Ich hoffe, dass wir heuer mehr Mitarbeiter erreichen", freut sich Astrid Partsch darüber, dass der offizielle Startschuss in diesem Jahr in der Sparkasse stattfand.


"Bewegungsarme Gesellschaft"

"Das gehört zum Thema Gesundheitsmanagement heute einfach dazu", begründet Vorstand Friedrich die Teilnahme der Sparkasse an der Aktion. Das Radeln zur Arbeit sei ein Beitrag für Gesundheit und Umweltschutz, und: "Man wird als Radfahrer demütiger und nimmt jeden Anstieg sensibler wahr." Außerdem sah Friedrich Parallelen zur Börse: "Es geht langsam nach oben, aber schnell nach unten", sagte der Banker mit einem Augenzwinkern.
"Wir sind eine zunehmend bewegungsarme Gesellschaft", erklärte Peter Scheder, stellvertretender Direktor der AOK-Direktion Schweinfurt. Fahrrad-Fahren sei die ideale Sportart, weil sie mit hoher und niedriger Intensität betrieben werden könne. Bereits 30 Minuten Bewegung am Tag hätten einen positiven Effekt auf die Gesundheit, betonte Scheder. Deshalb sei es auch ein Erfolg, dass sich im Bereich Main-Rhön im vergangenen Jahr rund 1100 Arbeitnehmer an der Aktion beteiligten. Im 16. Jahr wurde der Start der Aktion heuer auch um einen Monat nach vorne verschoben: Früher mussten die Arbeitnehmer zwischen 1. Juni und 31. August an mindestens 20 Tagen zur Arbeit radeln, heuer können sie ab 1. Mai loslegen.
"Wir haben Interesse daran, dass wir gesunde und fitte Mitarbeiter haben", sagte auch Michael Bischof vom Verband Bayerischer Wirtschaft (vbw). Er bezeichnete die Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" als "erfolgreichste Präventionsmaßnahme in ganz Europa". Alleine in Bayern würden sich 50 000 Menschen Beteiligen, Tendenz steigend. Die Aktion werde mittlerweile in vielen anderen Ländern nachgeahmt. "Der Mensch muss gesund bleiben, auch über das Arbeitsleben hinaus", sagte DGB-Kreisvorsitzender Gerhard Klamet. Deshalb unterstütze der DGB die Aktion über seine Betriebsräte und Vertrauensleute.