Bei der Bewertung der seit vier Jahren laufenden Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz: JaS, sind sich alle einig: "Wir haben die besten Erfahrungen gemacht, und zwar in allen Schultypen", sagt Jugendamtsleiter Siegbert Goll. "Das ist ein Gewinn für die Schule", ergänzt Norbert Paul, Leiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums Saaletal-Schule in Bad Kissingen. Dass es in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses trotzdem eine lange Diskussion um JaS gab, lag nur an den Förder-Richtlinien.


Regierung stimmt Ausnahme zu

Vor zwei Jahren stieg auch die Mittelschule Nüdlingen bei JaS mit ein. "Die Schule teilte uns einen Betreuungsbedarf mit, wir haben das zum Wohl der Kinder gemacht", erinnert sich Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). Damals verpflichtete sich die Kommune für drei Jahre. Dass nun ab Herbst nur noch eine und danach gar keine Klasse mehr in Nüdlingen unterrichtet werden kann, sei damals nicht absehbar gewesen.

Deshalb gab es nun Probleme: "Die Förder-Richtlinien sehen mindestens eine halbe Stelle vor", sagte Jugendamtsleiter Goll noch in der Sitzung. Mit deutlichen Worten kritisierte Hofmann die Regelung. "Der Verbleib einer JaS-Stelle an der Mittelschule Nüdlingen wegen einer dort noch verbleibenden 9. Klasse ist aus förderrechtlichen Gründen nicht möglich", teilt auch die Regierung von Unterfranken auf Nachfrage mit, aber: "Damit die bisher schon geleisteten Hilfen in dieser Außenklasse fortgeführt werden können, wurde mit dem Jugendamt in Form einer Ausnahmeregelung vereinbart, dass die bisher von der JaS betreuten Schüler in dieser Klasse auch weiterhin Unterstützung durch die JaS erhalten können."


Hofmann: Beste Lösung

"Das ist die beste Lösung", freut sich Hofmann über die Regelung. Der Gemeinderat hätte sonst entscheiden müssen, ob die halbe Stelle für die Klassen 5 bis 8 oder eben für die 9. Klasse genutzt werde. Hofmann: "Das hat uns viel Arbeit erspart."

Keine positive Wendung gab es dagegen im zweiten Fall, den der Ausschuss diskutierte: Die Gemeinde Wildflecken hat eine JaS-Stelle für ihre Grundschule beantragt. "Wir sehen den Bedarf schon lange", kam Unterstützung von Jugendamtsleiter Goll. Trotzdem wurde die Stelle zumindest für das kommende Schuljahr abgelehnt, weil der Migrantenanteil angeblich unter den geforderten 20 Prozent liegt.

Regierung von Unterfranken und Kultusministerium bleiben bei ihrer Entscheidung. Das Jugendamt hofft nun, dass zumindest ab Herbst 2018 eine JaS-Stelle für Wildflecken möglich ist.

Knackpunkt ist die Statistik, die einen Migrantenanteil von 16,3 Prozent ausweist, Förder-Voraussetzung sind aber 20 Prozent. "Das stimmt hinten und vorne nicht", übte Jugendamtsleiter Siegbert Goll in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses scharfe Kritik. "Not muss immer aktuell beurteilt werden", sprach sich auch der frühere Wildfleckener Bürgermeister und CSU-Kreisrat Walter Gutmann für eine neue Prüfung aus.

"Auch wenn die Zahlen nach Angaben der Schule oder des Schulamtes tatsächlich weit höher liegen sollten, gilt als alleiniger Maßstab für die Aufnahme zwingend die offizielle Zahl des Kultusministeriums", teilt dagegen die Regierung von Unterfranken mit. Also müsse auf die nächste offizielle Statistik im April 2018 gewartet werden.

Das Kultusministerium selbst verweist auf Anfrage zunächst darauf, dass der Landkreis als Träger der Jugendhilfe den Bedarf feststellen und auch decken müsse - "unabhängig von staatlichen Zuschüssen". Ob JaS-Stellen bezuschusst werden, hänge alleine von einer statistischen Meldung der Schule ab. Darin wird erhoben, ob Kinder einen Migrationshintergrund haben, also ob entweder in der Familie eine nicht-deutsche Verkehrssprache gesprochen wird oder Schüler im Ausland geboren wurden oder Kinder eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit haben.

Für Wildflecken betrage dieser Wert in der aktuellen Statistik 16,3 Prozent. Diese Daten seien "endgültig", und: Parallelerhebungen, die etwa von der Schule nachträglich durchgeführt werden, seien aus Gründen der "Verwaltungsökonomie" nicht entscheidungsrelevant. Das Jugendamt hat deshalb nun eine JaS-Stelle ab Herbst 2018 beantragt - in der Hoffnung auf eine neue Statistik. Der Jugendhilfeausschuss unterstützte den Antrag und stimmte auch einem Zuschuss für die Jugendsozialarbeit an der Außenstelle Bad Neustadt der Adolph-Kolping-Berufsschule zu.

"Mit JaS haben wir einen niederschwelligen Zugang", nennt Goll als wichtigen Vorteil der Arbeit. Das entlaste auch den allgemeinen sozialen Dienst: "Wir konnten schon in vielen Fällen präventiv eingreifen", zieht Goll eine positive Bilanz nach vier Jahren. Ein Vorteil: "Der Lehrer muss immer auch irgendwie benoten und bewerten, das hat die JaS-Kraft nicht."


Neue Methoden und Kontakte

Auch Norbert Paul von der Saaletal-Schule schätzt die Methoden und Kontakte von Jugendsozialarbeiterin Melanie Faulhaber. Sie könne die Kinder und Jugendlichen vor und während der Pubertät viel direkter ansprechen: "Die Schüler stecken manchmal in kleinen Lebenskrisen, die die Lehrer so gar nicht bearbeiten können."

Da würden oft auch neue Wege gegangen, etwa mit einem ganzen Wochenende für Mädchen zur Selbstfindung und Stärkung oder mit einem selbst organisierten Tanzkurs für Mädchen und Jungen. Vom Besuch im Elternhaus über Hilfe in medizinischen Fragen bis zur Gestaltung des Schüler-Cafés gebe es viele Aktionen, die zu einem besseren Miteinander in der Schule beitragen.

Überblick Aktuell gibt es sechs Jugendsozialarbeiter an insgesamt zehn Schulen: Die Staatliche Berufsschule und das Sozialpädagogische Förderzentrum Saaletal-Schule teilen sich eine Stelle seit dem Schuljahr 2013/ 14. Zum Schuljahr 2015/ 16 kamen eine ganze Stelle für die Mittelschule Bad Brückenau sowie jeweils halbe Stellen für die Mittelschulen Münnerstadt, Hammelburg und Nüdlingen sowie die Grundschule Ham melburg dazu. Seit dem aktuellen Schuljahr laufen eine JaS-Stelle an der Kliegl-Mittelschule und eine halbe an der Sinnberg- -Grundschule in Bad Kissingen sowie eine halbe Stelle an der Mittelschule Oerlenbach.

Ziele JaS soll die individuelle und soziale Entwicklung in Schu l e und Lebenswelt fördern. Darunter fallen Persönlichkeit, Sozialkompetenz, Eigenverantwortung, konstruktive Konfliktlösung, berufliche Integration so wie Ausbildungs- und Berufsreife. Weiter sollen soziale und kulturelle Integration sowie die Teilhabe an Gesellschaft, Politik und Kultur ermöglicht werden.

Finanzierung Der Landkreis Bad Kissingen finanziert die Stellen unter Beteiligung des Freistaates Bayern, der jeweiligen Kommunen und der Träger, also gfi Schweinfurt und Rot-Kreuz-Kreisverband Bad Kissingen.