Gespannte Ruhe, das letzte Licht der blauen Stunde, gezückte Handys und kein Platz mehr an der Balustrade entlang der Ludwigstraße: Die Premiere der Adventsshow am Sonntagabend war ein echter Hingucker, mehrere hundert Menschen sahen sich jede der drei Wiederholungen an, einige sangen Weihnachtslieder mit, andere machten Videos oder Fotos, ein paar Kinder tanzten sogar dazu. Viele Besucher waren offenbar eigens für die Vorführung in die Stadt gekommen, so auch Ingrid (73) und Egon (77) Bauch: "Wir waren heute Nachmittag schon unterwegs, aber sind jetzt extra nochmal aus dem Haus gegangen", sagt Egon Bauch, und: "Jetzt gehen wir nochmal auf den Weihnachtsmarkt und essen und trinken dort noch etwas."


Hoffen auf mehr Bilder und Effekte

Das Ehepaar, das aus Hausen stammt und in die Kernstadt gezogen ist, freut sich über die Neugestaltung des Rosengartens: "Wir haben uns die Shows schon oft angeschaut", sagt Egon Bauch. "Wir waren sogar schon da, als der Brunnen nicht lief", ergänzt er. Die besinnliche Weihnachtsstimmung gefiel beiden, die Senioren hoffen aber gleichzeitig auf weitere Shows mit mehr Bildern und neuen Effekten.
Die Reaktion in den sozialen Netzwerken hielt sich nach der neuen Show bislang in Grenzen: "Einzigartig und wunderschön", kommentiert SPD-Stadtrat Thomas Menz ein Video, Kritik folgte keine. Dabei wurde die drei Millionen Euro teure Sanierung des Rosengartens im Sommer zum Teil recht heftig kritisiert.
Als Schritt in die richtige Richtung wertet der Bad Kissinger Einzelhändler Ralf Ludewig die Adventsshows um 17, 18 und 19 Uhr. Das sei "ideal" für die Kunden, allerdings habe er bislang wenige direkte Rückmeldungen. Insgesamt sei der Springbrunnen noch "ausbaufähig": "Man kann vieles damit machen", sagt Ludewig.


Noch keine offizielle Übergabe

Genau das testet die Staatsbad GmbH wohl aktuell aus. "Die neue Show wurde von der Staatsbad GmbH initiiert, obwohl wir den Brunnen noch nicht übernommen haben", teilte eine Sprecherin mit. Es seien immer noch "sehr viele Fragen offen". Unter anderem gebe es noch keine Erfahrungswerte, ab welcher Minus-Temperatur der Brunnen abgeschaltet werden muss. Falls Düsen eingefroren sind, könnten durch den hohen Druck der Pumpen sogar Teile abbrechen.
Gestern Morgen lief der Brunnen trotz des Nachtfrostes noch, unterm Tag wurde dann aber entschieden, dass am Montag die Fächer-Fontäne und die Weihnachtsstimmung nicht zu sehen sind. "Der Winterspielplan ist von der Witterung abhängig", heißt es auch im Aushang. Lediglich an frostfreien Tagen und wenn das Wasser nicht gefroren sei, komme der Spielplan zum Einsatz. Die Staatsbad GmbH bat um Verständnis, dass nicht jede einzelne Vorführung oder Absage ausgehängt wird, weil zum Teil kurzfristig entschieden werde.
Die Spielzeiten der Weihnachtsstimmung seien auf den Weihnachtsmarkt sowie andere Veranstaltungen in Stadt und Kurpark angepasst. Die Shows sind mit 15 Minuten nicht nur länger als bisherige Vorführungen, sondern die Lautstärke wurde auch verringert. Jede Bespielung des Brunnens wird laut Staatsbad GmbH unter Mitwirkung externer Agenturen erstellt. Die Steuerung sei so kompliziert, dass das nicht im Haus erledigt werden könne.


Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:


Endlich zeigt er, was er kann

Natürlich könnte die Show auch bunter, knalliger und lauter sein, mir gefällt jedenfalls die adventliche Beleuchtung des Springbrunnens im Rosengarten sehr gut. Endlich länger, endlich früher am Tag! Ob auf Dauer täglich drei Vorführungen zu viel sind, wird sich zeigen. Schließlich hängt es am Wetter, wie lange der Brunnen in den kommenden Wochen noch läuft. Inhaltlich passt der sparsame Umgang mit den technischen Möglichkeiten der Anlage jedenfalls zur vorweihnachtlichen Stimmung.
Und das Konzept scheint aufzugehen: Die Masse der Besucher machte sich nach der Premiere am Sonntag auf den Weg in die Innenstadt. Wenn nur jeder zehnte, der sich die Show ansieht, extra deswegen nach Bad Kissingen fährt, danach noch durch den Weihnachtsmarkt schlendert, sich in einem Geschäft umschaut und vielleicht etwas kauft, erfüllt der teuer sanierte Brunnen bereits seinen Zweck.