Die Bundesnetzagentur erfasst aktuell sämtliche Stromerzeuger: Bis Ende Januar 2021 müssen im sogenannten Marktstammdatenregister jede Photovoltaik, jedes Windrad und alle anderen Stromquellen angegeben werden, die Strom ins Netz einspeisen. Bereits jetzt sind unter www.marktstammdatenregister.de mehr als 3,3 Millionen Anlagen zu finden, davon 3534 im Landkreis Bad Kissingen. Den Löwenanteil machen die 2944 Photovoltaikanlagen aus. Beim Energieträger Wind gibt es im Kreis 45 Treffer: 39 bestehende Windräder und sechs in Planung. Damit stellt der Landkreis rund ein Viertel aller aktuell geplanten Windräder in Bayern: Nur noch 26 Standorte sind im Freistaat nach Einführung der 10-H-Regel übrig geblieben. Zum Vergleich: Bundesweit werden aktuell 1239 neue Windräder geplant.

Im Register lassen sich alle wesentlichen Kennzahlen der Stromerzeuger abrufen, von der Lage bis zur Inbetriebnahme. Demnach sind die Windräder im Bereich der Gemeinde Elfershausen zwischen April und September 2020 ans Netz gegangen. Auch die Windparks südlich von Sulzthal und von Fuchsstadt sollten eigentlich heuer schon Strom liefern. "Das Projekt in Franken, das wegen der Insolvenz des Windkraftanlagenherstellers ins Stocken geraten war, konnte dank einer Neugenehmigung jetzt wieder aufgenommen werden", teilt eine Sprecherin des Betreibers "Green City AG" für Fuchsstadt mit. Laut Marktstammdatenregister gab es im Dezember 2019 eine Genehmigung des Landratsamtes für die drei Windräder mit jeweils 4,5 Megawatt Leistung, einer Nabenhöhe von 164 Metern und 149 Meter Rotor-Durchmesser. Derzeit laufen Erdarbeiten zur Vorbereitung, heißt es weiter aus München. Im Frühjahr 2021 sollen die Fundamente betoniert werden. Die Inbetriebnahme sei für Ende 2021 geplant.

In Sulzthal sind die jeweils 21 Meter breiten Fundamente bereits gegossen, im Frühjahr wurde der 9,2 Kilometer lange Anschluss ans Umspannwerk Fuchsstadt gelegt. Trotzdem tut sich nichts im Gemeindewald. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates kündigte nun ein Mitarbeiter der dortigen Betreiber-Firma Enercon an, dass die Sulzthaler Windräder auf jeden Fall im kommenden Sommer ans Netz gehen.

Die Windräder in Sulzthal wurden seit 2013 geplant und im April 2017 genehmigt. Sie haben jeweils eine Leistung von bis zu drei Megawatt, die Nabenhöhe beträgt 149 Meter, die Rotoren sind 68 Meter lang. Pech hatte Enercon offenbar bei der Vergabe der Einspeisevergütung: Gerade einmal 4,73 Cent je Kilowattstunde gab es im Schnitt bei der Ausschreibung im Jahr 2017. Zum Vergleich: Bei der Ausschreibung im Juni 2020, bei der Green City den Zuschlag für seine drei Windräder in Fuchsstadt erhielt, betrug der durchschnittliche Zuschlagswert 6,14 Cent je Kilowattstunde.

"Enercon plant weiterhin eine erneute Teilnahme am Ausschreibungsverfahren", heißt es dazu auf Anfrage vom Firmensitz in Aurich. Coronabedingt hätten sich die Ausschreibungsverfahren heuer aber verzögert. Das dürfte auch die Ursache für die Ankündigung der 2. Bürgermeisterin Gabriele Dehmer (SPD) im Sulzthaler Gemeinderat sein, dass die Windradbetreiber beabsichtigen, eine neue Gesellschaft zu gründen. Das Positive daran sei, dass der neue Gesetzentwurf eine ergänzende Kommunalabgabe enthalten könnte. Diese würde dem Markt Sulzthal zusätzliche 30 000 Euro über die gesamte Laufzeit in die Kasse spülen.

FW-Gemeinderat Andreas Sauerhöfer erinnerte im Rat an die abgelehnte Bürgerbefragung zu den Windrädern 2014. "Damals ist es um wenige Wochen gegangen, mittlerweile sind ganze sechs Jahre vergangen, ohne Windräder", kritisierte Sauerhöfer. "Das verstehe wer will", meinte auch sein Fraktionskollege Willi Diez. Die Betreiber hätten eine Genehmigung, die Baukosten würden steigen, und man verzögere das Projekt immer weiter. Diez vermutete dahinter eine Taktik.

"Nach aktuellem Planungsstand soll die Realisierung des Projektes bis zum Spätsommer 2021 erfolgen", reagiert dagegen Enercon auf solche Spekulationen. Nach einer erneuten Ausschreibung lasse sich auch klären, ob sich Teile des Projektes für ein Bürgerwindparkprojekt eignen. Dazu stehe Enercon im Austausch mit der Gemeinde.