Die Entscheidung fiel bereits im Januar und die Erweiterungspläne der Münnerstädter Firma Seger haben es vermuten lassen, aber offiziell bestätigt hat es der Landkreis erst jetzt: Die Firma Suez, früher Sita, scheidet nach acht Jahren als Dienstleister für das kreiseigene Kommunalunternehmen (KU) aus. Das größte Los, die Abfuhr von Restmüll, Biomüll und Altpapier im Landkreis ohne die Kreisstadt holte sich die Münnerstädter Firma
"Seger Transporte" zurück: Die teilte den Auftrag bis 2008 mit der Maßbacher Firma Barthel.


Planungssicherheit auf Jahre

"Wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir gewonnen haben", freut sich Geschäftsführerin Christine Seger. 60 Jahre lang habe Seger mit dem Kreis zusammengearbeitet, seit 18 Jahren sei das Traditionsunternehmen Entsorgungsfachbetrieb. "Wir müssen immer scharf kalkulieren, aber wir denken, dass das ein auskömmlicher Preis ist", kommentiert sie ihr Angebot.
Christine Seger hat nun Planungssicherheit: Die Gelben Säcke im Kreis holt der Betrieb noch bis mindestens Ende 2019, den Rest- und Biomüll transportiert Seger nicht nur in Bad Kissingen, sondern ab Juli 2017 auch im Landkreis Miltenberg acht Jahre lang, zudem läuft ein Vertrag für den Kreis Schweinfurt.
Deshalb will Seger auch investieren: Die Belegschaft sei schon von 100 auf knapp 120 erweitert, drei Mitarbeiter werden noch gesucht. Zudem will sie sich baulich neu aufstellen: Auf drei Standorten mit rund 20 000 Quadratmetern sei der Betrieb aktuell verteilt. "Wir sind hier zu eng eingekesselt." Deshalb laufen Verhandlungen mit der Stadt: "Mein großes Ziel ist, hier in Münnerstadt zu bleiben", bekennt sie sich zwar klar zum Standort. Allerdings brauche sie dazu 20 000 Quadratmeter zusammenhängend in einem Gewerbegebiet samt einer Option auf weitere 20 000 Quadratmeter für Erweiterungen.
"Wir führen sehr intensive Gespräche", sagt der Münnerstädter Bürgermeister Helmut Blank (CSU) dazu. Es gebe eine wöchentliche Abstimmung und Blank hofft, dass am 17. Oktober in nicht-öffentlicher Sitzung eine Entscheidung fällt. Dazu gehöre auch, wie es mit dem bisherigen Standort weiter geht.
"Für uns ist es natürlich eine Freude, wenn ein Mittelständler aus dem Landkreis zum Zug kommt", kommentiert Landrat Thomas Bold (CSU) die Vergabe der Müllabfuhr, und: "Das zeigt auch die Leistungsfähigkeit der Region." Details zur europaweiten Ausschreibung gibt es nur wenige: Alleine das Los der Firma Seger beinhalte einen hundertseitigen Vertrag, der mit Ingenieuren und Juristen ausgearbeitet wurde.


Suez verlässt Westheim

21 Firmen gaben Angebote ab. Über die acht Jahre ergebe sich ein Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro. Das Ergebnis liege über den bisherigen Transportkosten, auf der anderen Seite gebe es aber gute Verträge mit den Verbrennungsanlagen. Deshalb geht KU-Geschäftsführer Manfred Gerlach von stabilen Müllgebühren aus.
"Sita beziehungsweise jetzt Suez hat das gut gemacht", zieht Gerlach Bilanz. "Wir haben die Ausschreibung leider nicht gewonnen, aber das ist der Wettbewerb", sagt Suez-Sprecher Philipp Saar. Der Standort in Westheim werde aufgelöst, was mit den restlichen Mitarbeitern passiere, sei noch offen: "Da müssen wir noch Gespräche führen."