Hilfe vor Ort mit dem Ziel, dass die Menschen in der Region bleiben können - so lautet eine Devise des CDU/CSU Kanzlerkandidaten Armin Laschet für Afghanistan. Laschet hat die vergangenen 40 Jahre nicht verstanden. Zwei Großmächte scheiterten gemeinsam mit ihren Bündnispartnern im Wüstensand. Wieder und wieder erstarkten die radikal-islamischen Taliban. Dass es auch nach Abzug der internationalen Streitkräfte aus Afghanistan erneut dazu kommen musste, hätten Experten erkennen müssen.

Dennoch stimmten die CDU/CSU gemeinsam mit AfD und SPD im Juni gegen einen Antrag für eine Rettungsmission der Ortskräfte und deren Angehörige. Weshalb? Die falsche Partei stellte wohl den Antrag. Der CDU-Mann Roderich Kiesewetter gestand jüngst auf Twitter, es sei ein "gravierender Fehler" gewesen, den Antrag der Grünen - aus Prinzip - abzulehnen.

Was in aller Welt ist das bitte für ein Politikverständnis? Die Debatten und Entscheidungen im Reichstag sollten am Gemeinwohl orientiert sein. Nicht daran, welche Partei den zu debattierenden Antrag stellt.

Sich jetzt nach einem so rückgratlosen politischen Winkelzug hinzustellen und sofortiges Handeln zu fordern, ist einfach nur bigott. Währenddessen klammern sich Menschen in ihrer Verzweiflung an abhebende Flugzeuge und stürzen teils in den Tod.

Zum Auftakt des Kriegs gegen den Terror gab es ein ähnliches Foto-Motiv. Ein Mann stürzte nach den Flugzeug-Anschlägen vom World-Trade-Center in die Tiefe. Es ging als "The Falling Man" um die Welt. So wie die Bilder jetzt aus Afghanistan. Wir dürfen nicht zulassen, dass beide Fotos in unserem Kopf einen Rahmen bilden. Der Krieg ist mit dem Abzug der Soldaten aus Afghanistan noch nicht zu Ende. Die Menschen brauchen Hilfe.