"Das waren ein bisschen zu viele Zufälle." Mit diesen Worten machte die Richterin am Amtsgericht Bad Kissingen klar, dass sie den Worten des Angeklagten keinen Glauben schenkte. Der hatte behauptet, die kinder- und jugendpornografischen Bilder nicht zu kennen, die auf seiner Festplatte und auf CDs gefunden worden waren.

Auch das Bild, das den Stein ins Rollen gebracht hatte, wollte er nicht auf Facebook hochgeladen haben. Wenn auch die einzige geladene Zeugin nicht kommen konnte, kam die Richterin nach Aktenlage zu einem Urteil: Sechs Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro.

Der Staatsanwalt hatte zehn Monate Freiheitsentzug auf drei Jahre Bewährung plus 2500 Euro Geldstrafe gefordert, der Rechtsanwalt Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bild einer unbekleideten 13-Jährigem hochgeladen

Deutlich unter 13 Jahre alt ist das von hinten abgebildete unbekleidete Mädchen, dessen Foto auf dem Account des Angeklagten hochgeladen wurde. Verbreitung kinderpornografischer Schriften heißt das bei der Justiz. Es dauerte schon eine Weile, bis der Staatsanwalt in seiner Anklage vorgelesen hatte, welche Bilder auf einer Festplatte und auf einem Handy des Angeklagten gefunden worden waren.

Die etwa zehn Fotos zeigten Mädchen unter 18 Jahren und sogar Mädchen unter 13 Jahren. Mal leicht bekleidet, manchmal ganz nackt sind sie mit entblößten Geschlechtsteilen zu sehen. Ein Foto zeigt ein Mädchen beim Geschlechtsverkehr mit einem Mann - dabei wird sie festgehalten von zwei weiteren Männern.

Für den Staatsanwalt war klar: Der Angeklagte ist auch wegen Besitzes jugend- und kinderpornografischer Schriften zu belangen. "Ich finde es schrecklich", meinte die Richterin zu den Bildern. Anschauen wollte die sich im Gerichtssaal niemand.

Angeklagter sagt erneut aus

Das Verfahren läuft nun schon seit etwa drei Jahren. "Ich werde wieder Angaben machen", sagte der Angeklagte. Er sei sich nicht bewusst, kinderpornografische Schriften zu besitzen. In seinen Wohnungen haben immer alle zutritt gehabt, sagt er, auch in seiner früheren WG. Alles war für alle offen. Allerdings bezichtige er nicht seine Ex-Freundin, etwas mit den kinderpornografischen Dateien zu tun zu haben, betonte er. Da sei er bei einer früheren Aussage falsch verstanden worden.

Seine eigenen Fotos habe der Hobby-Fotograf immer akribisch beschriftet und gesammelt, zuerst auf Datenträgern, später in Clouds, sagte er. 20.000 Fotos habe er so gesammelt. Deshalb könne er sich die einzelnen kinderpornografischen Bilder auf seinen CDs auch nicht erklären. Darauf wurden allerdings auch Rechnungen des Mannes gefunden und ein Foto, das ihn selbst im Jahr 2004 zeigt, hielt ihm die Richterin entgegen. Es waren also ganz offensichtlich seine.

Facebook meldet gepostetes Bild

Der Angeklagte blieb dabei. Er kennt die Fotos nicht. Mit dem Hochladen des Bildes auf Facebook wollte er auch nichts zu tun haben. Dann hätten das ja auch seine Schwester und seine Eltern gesehen, meinte er.

Nach dem Post auf seinen Account hatte Facebook das gemeldet, es folgte eine Hausdurchsuchung bei den Eltern des Angeklagten, wo er immer noch offiziell gemeldet ist, obwohl er schon seit geraumer Zeit in einem anderen Bundesland lebt. Allerdings hat er dort keine offizielle Wohnung, er darf an seiner Arbeitsstätte schlafen, sagt er auf Nachfrage der Richterin.

Bei der Durchsuchung der elterlichen Wohnung sind auf einer Festplatte des Angeklagten die weiteren Bilder gefunden worden, auch auf einem Handy, das er freiwillig bei der Polizei am Ort seiner Arbeitsstelle abgegeben hat.

Sexualstrafrecht bei Kinderpornografie erheblich verschärft

Die Zahl der gefundenen kinderpornografischen Bilder bezeichnete die Richterin als relativ gering. Allerdings sei das Sexualstrafrecht inzwischen erheblich verschärft worden. Nach neuem Recht würde sein Fall vor dem Schöffengericht verhandelt, bei einer Verurteilung läge die Mindestfreiheitsstrafe bei einem Jahr. Für diesen Fall galt noch das alte Recht.

Der Angeklagte ist nicht das erste Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Zweimal ist er wegen Betrugs verurteilt worden, weil er Gegenstände im Internet angeboten, das Geld kassiert, die Waren aber nicht verschickt hatte.

Mehrfach hat er auch spezielle Reisen angeboten, die nicht stattfanden. Kassiert hat er trotzdem. Die ihm dafür verhängten Geldstrafen hat er inzwischen abgezahlt. Bezüglich kinderpornografischer Schriften war er noch nicht aufgefallen.

Kein "böser Scherz"

Für ihn habe sich der Sachverhalt bestätigt, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer und ging auf die Bilder ein, die auf verschiedenen Datenträgern gefunden wurden. Auch beim Hochladen des Bildes auf Facebook handele es sich nicht um einen "bösen Scherz" eines anderen, ist er überzeugt.

Die Menge des aufgefundenen Bildmaterials bezeichnete der Staatsanwalt als relativ gering. Bei seiner Forderung von zehn Monaten Freiheitsentzug hatte er schon strafmildernde Umstände mit einberechnet.

Der Angeklagte könne sich nicht erklären, woher die Bilder kommen, hielt der Rechtsanwalt in seinem Plädoyer entgegen. Viele Leute hätten Zugriff auf die Dateien gehabt. Aus seiner Sicht habe der Angeklagte das auch glaubhaft dargelegt. Er sei deshalb freizusprechen, so der Anwalt. Sollte eine Strafe verhängt werden, bat er um eine milde, weil der Angeklagte ja beispielsweise sein Handy freiwillig abgegeben hatte.

"In irgendwelchen Gruppen" hochgeladen

In ihrer Urteilsbegründung sagte die Richterin, dass er das Foto wohl nicht offen auf Facebook hochgeladen habe, wo es seine Schwester und seine Eltern sehen können, sondern "in irgendwelchen Gruppen", wie es in solchen Fällen üblich sei. Auch die anderen Dateien rechnete sie dem Mann zu.

Zu Gute hielt sie ihm unter anderem, dass er einer form- und entschädigungslosen Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände zugestimmt hat. Die verhängten 2500 Euro Geldstrafe sind in monatlichen Raten zu 150 Euro zu zahlen. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Gegen das Urteil kann Berufung und Revision eingelegt werden.

Kinder sind sie Leidtragenden

Die Richterin riet dem Mann, sich eine Wohnung an seinem Arbeitsort zu suchen und sich entsprechend umzumelden. Natürlich sei es nicht schön für ihn gewesen, dass die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Wohnung der Eltern stand und der Vorwurf des Besitzes kinderpornografischer Schriften der Grund dafür war, so die Richterin. Ihr Verständnis hielt sich jedoch in Grenzen. Denn die Kinder, die auf solchen Fotos abgebildet sind, seien die Leidtragenden.