Drei Büros und eine Mission: Das Erstellen eines Konzepts für die dringend benötigten Gewerbeflächen in Bad Kissingen. In der jüngsten Stadtratssitzung stellten die drei kooperierenden Planungsbüros ihre Visionen vom Gewerbegebiet nördlich der ehemaligen Kaserne vor. Doch nicht nur Firmen sollen dort einen Platz finden. Im Fokus stehen außerdem Einfamilienhäuser und mehrgeschossige Wohngebäude.

Bad Kissingen: Mehrere Büros ziehen an einem Strang

Betraut mit der Aufgabe, diese verschiedenen Aspekte unter einen Hut zu bekommen, sind die Büros BFS + aus Bamberg, scheuvens + wachten plus Planungsgesellschaft mbH aus Dortmund und wgf Landschaftsarchitekten aus Nürnberg. Die Büros haben bereits mehrfach zusammengearbeitet.

Derzeit befindet sich das Vorhaben am Anfang der Rahmenplanung. Ende diesen Jahres soll das abgeschlossen sein. 2022 soll dann die Bauleitplanung beginnen. Dabei stellen sich Fragen, wie die Baufelder erschlossen werden sollen. Aber: "Ein Teil wird davon schon jetzt in der Rahmenplanung gelöst", teilt Christine Schwind, die Leiterin des städtischen Bauamts, mit.

Projektfläche im ehemaligen Bad Kissinger Kasernenareal: Abstände müssen definiert sein

Ein Thema ist beispielsweise das Blockheizkraftwerk mit dem Flüssiggastank. "Da braucht es gewisse Sicherheitsabstände. Wir müssen klären, was dort in welchem Umfeld gemacht werden darf", erklärt Schwind. "Wir müssen dort tief einsteigen, um nicht Dinge zu entwickeln, die nicht funktionieren." Zeit investieren die Planer auch in das Ausloten von Gebäudehöhen, Sichtachsen und Schnitten.

Auch wenn noch vieles in den Details unklar ist, boten die vorgestellten Konzepte dem Gremium erste Einblicke für das mögliche spätere Aussehen des Projektgebiets. Insgesamt drei Varianten hatten die Büros gemeinsam erarbeitet. Noch steht nicht fest, für welche Variante sich die Stadt entscheidet. Unterschiede lagen insbesondere in der Straßenführung und dem Grünanteil. Auf dem Areal stehen insgesamt knapp 24 Hektar Fläche zur Verfügung. Davon ausgehend, unterschied sich jeder Entwurf in den Flächenmaßen der Wohn-, Grün-, Misch- oder Gewerbeflächen.

Planer stellten dem Stadtrat verschiedene Varianten vor: Maximale Flächenausnutzung versus Grünbereiche

In der Variante 1 kämen dem Gewerbe etwa neun Hektar zu Gute. Annika Puderbach vom Büro BFS+ betonte: "Damit ließen sich knapp ein Drittel der notwendigen neuen Gewerbeflächen in Bad Kissingen abdecken." Im vergangenen Jahr ergab eine von der Stadt beauftragte Analyse einen Bedarf von 29 Hektar Gewerbeflächen.

Für den Wohnungsbau kämen 6,5 Hektar in Frage. Im Bereich der Mischnutzung weitere 2 Hektar, auf denen es möglich ist sowohl Firmen als auch Wohnungen unterzubringen. Die Grünflächen würden sich auf 5,6 Hektar belaufen. Die Kleingärten in dem Bereich hätten nach dem Entwurf 0,3 Hektar.

Projektfläche im Areal der Kissinger Manteuffel-Kaserne: Grünzüge sollen klare Struktur schaffen

Während die Variante 1 die zur Verfügung stehende Fläche versucht auszureizen, sieht das bei der zweiten Option anders aus. Dort setzten die Planer auf gliedernde Grünzüge zwischen dem Wohn- und Gewerbegebiet. Aber: Das Mehr an Grün geht hier zu Lasten des Gewerbes und den Wohnflächen. Statt etwa neun Hektar Fläche, stehen den Firmen mit dieser Variante nur 7,5 zur Verfügung. Das Wohnbaugebiet schrumpft nicht ganz so extrem: Selbiges umfasst nun 6,1 Hektar. Noch weniger Gewerbeflächen gab es im dritten Vorschlag der Büros. In dieser Variante kommen den Firmen nur sieben Hektar zu Gute, während die Grünflächen größer angelegt sind. Im zweiten und dritten Entwurf würden zudem die Bereiche für die Kleingärten um 0,2 und 0,3 Hektar wachsen.

Einender Aspekt der Konzepte: Kasernenstraße in Bad Kissingen

Doch trotz der verschiedenen Maße eint alle Varianten ein Aspekt: Die Erschließung über die Kasernenstraße. Das sorgte bei manchem Gremiumsmitglied für Fragen. Steffen Hörtler (CSU) wollte wissen, ob diese den Verkehr stemmen könnte. Von Seiten der Planer gab es darauf ein eindeutiges Ja als Antwort. Leonhard Valier vom Büro bfs+ merkte an, dass es den Gedanken gab, das Projektgebiet weiter an den Nordring anzuschließen, jedoch keine gute Lösung gefunden worden sei: "Das wäre Frevel an Natur und Landschaft", meinte Leonhard Valier. Die Prüfung habe gezeigt, dass die Kasernenstraße ausreiche.

Wie soll die Kasernenstraße gequert werden?

Zur Sprache kam in dieser Hinsicht auch das hohe Verkehrsaufkommen und fehlende Möglichkeiten entlang der Kasernenstraße für Fußgänger und insbesondere für Schüler, die Kreuzung zu überqueren. Oberbürgermeister Dirk Vogel nahm die Anregung auf, diesen Gedanken mit ins Konzept einzuplanen.

Grünriegel der Manteuffel-Kaserne haben ökologische Bedeutung: Vegetations- und Altlastengutachten kommen

Wichtig ist den Planern zudem, bestehende Grünstrukturen zu erhalten. Diese sind teils historisch bedingt. Als die Manteuffel Kaserne in den 1930er Jahren entstand, waren ebene Flächen für die Militärs notwendig. Deshalb terrassierten sie das Gelände. Die Böschungen seien laut Landschaftsarchitekt Michael Voit von ökologischer Bedeutung. "Das ist ein Grundstock an Grün, den wir in die zukünftige Nutzung mitnehmen wollen." Die Flora und Fauna soll jetzt für eine Vegetationsperiode beobachtet werden. Parallel dazu sollen Baugrund- und Bodenuntersuchungen aufgrund der historischen Vergangenheit des Geländes stattfinden.

OB Vogel(SPD): "Wirtschaftswachstum kommt im Regelfall von bestehenden Unternehmen."

Über die Frage, welche Unternehmen sich dort niederlassen sollen, herrscht bereits Klarheit. "Es soll eine Fortsetzung von dem sein, was wir im südlichen Bereich schon haben", sagte Christine Schwind gegenüber dieser Redaktion. Das heißt: Der Fokus liegt auf Büros, Laboren und der Medizintechnik. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) sagte: "Ich werde es nicht mit Firmen vollmachen, die Fläche brauchen, aber ihren Firmensitz woanders haben." Sobald konkretere Pläne feststehen, will Vogel Kissinger Unternehmen kontaktieren: "Wirtschaftswachstum kommt im Regelfall von bestehenden Unternehmen."

Gewerbeflächen im ehemaligen Bad Kissinger Kasernenareal: Parzellen nicht zu klein halten

Eine Gewerbebrache soll im Norden der Stadt nicht entstehen. Die Planer wollen die Bereiche etappenweise erschließen. 2. Bürgermeister Toni Schick (DBK) merkte an, dass hierbei nicht zu kleinteilig gedacht werden dürfe. Im südlichen - bereits existierenden Areal - habe die Stadt bislang eine großflächige Nutzung seitens der Unternehmen. "Wir müssen zusammenhängende Flächen schaffen, dass Firmen, die in Hektar denken, kommen." Im Konzept der Planer ist angedacht, die Parzellen fürs Gewerbe auf einem Größenniveau von 0,5 bis 1,5 Hektar zu halten. Die Flächen sind bereits im Eigentum der Stadt.

Projektfläche im Bad Kissinger Norden: Zahlreiche Wohnungen sollen entstehen

Anders sieht das bei den Bereichen aus, die für das Wohnen avisiert sind. Dort sind noch nicht alle notwendigen Bereiche im Besitz der Stadt. Im Projektgebiet sind 265 Wohneinheiten vorgesehen. Davon entfallen 100 auf Einfamilien-, Doppel- und wenige Reihenhäuser. Außerdem beinhaltet das Konzept 165 Mietwohnungen. 60 Stück davon sollen im preiswerten Segment liegen.

Dass dabei günstiges Wohneigentum für Geringverdiener entsteht, ist eher unwahrscheinlich. OB Dirk Vogel betonte, dass sich Preisentwicklung und Baukosten im Wohnungsbau nicht wegzaubern ließen. Der Kissinger Rathauschef möchte ausloten, ob das Erbbaurecht für die Nutzung der Grundstücke eine Option wäre.