Mit einer beeindruckenden Predigt, in der er die aktuelle Situation der Kirche deutlich machte, hat sich Pfarrer Karl Feser am Sonntag von der Pfarreiengemeinschaft "Grabfeldbrücke" in Bad Königshofen bei einem Gottesdienst verabschiedet. Er wird ab Oktober in der Pfarrei Garitz im Landkreis Bad Kissingen als Pfarrvikar tätig sein.

In den Grußworten wurde deutlich, wie sich der Pfarrer für das kirchliche Leben in der Pfarreiengemeinschaft engagierte und dazu für einige Jahre die Betreuung der Pfarreiengemeinschaft "westliches Grabfeld" mit übernommen hat. Welch wichtige Rolle die Ökumene spielte zeigten die evangelischen Pfarrer Tina und Lutz Mertten, die einen Ökumenekuchen überreichten. Zudem erhielt Feser als besondere Auszeichnung die Ehrennadel der evangelischen Kirchengemeinde Bad Königshofen. Gemeinsam habe man in den vergangenen zwölf Jahren so manchen ökumenischen Meilenstein gesetzt, sagten die Merttens.

In seiner Predigt stellte Pfarrer Karl Feser die Frage, ob die Kirche heute überhaupt noch attraktiv ist. Er bezog sich auf ein Buch von Christian Hennecke mit dem Titel "Kirche, die über den Jordan geht"; eine zweideutige Aussage, die zum einen vom Tod, zum anderen von der Zukunft spricht. Der Geistliche verglich dies mit dem Zug der Israeliten ins gelobte Land. Sie mussten durch die Wüste. Diese bedeute Orientierungslosigkeit, Ausgeliefertsein und Gottes Krise. Der Autor deute die momentane Situation der Kirche als Aufenthalt in der Wüste. Pfarrer Feser: "Wer allerdings an der Vergangenheit hängen bleibt, der verbaut sich die Zukunft und ist nicht bereit zu Neuaufbruch und Wandel." Weil sie kein Gottvertrauen hatten, blieben die Israeliten 40 Jahre in der Wüste.

Kirche steht in der Wüste

Aktuell befinde sich die Kirche in der Wüste, vor sich den Jordan und das Land der Verheißung. Heute sei der Anspruch an die Kirche höher geworden. Junge Christen wünschen sich eine lebendige Erfahrung der Kirche. "Nur da, wo Glaube in Gemeinschaft erfahrbar wird, sind Menschen, die auf der Suche sind, bereit an zu doggen."

Der Glaube müsse durch die Persönlichkeit gelebt werden. Deshalb seien Erwachsene in einer Kirchengemeinde wichtig, die für Jugendliche Wegbegleiter sind. Der Wunsch des scheidenden Pfarrers an die Kirchengemeinden: Einen Aufbruch in das Wagnis mit Gott über den Jordan zu gehen, hin zu Neuland, denn nur dann geht es weiter mit dem christlichen Glauben. "Eine Kirchenleitung, kirchliche Angestellte oder eine Kirchengemeinde, die das Niveau das der schwedische Film "Wie im Himmel" zeigt, unterschreiten, taugen höchstens noch für das Museum."

Vertreter der einzelnen Kirchengemeinden der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke bezogen sich auf ein Kanu, das bei der Einführung von Pfarrer Feser am Altar stand. Damit habe er die Fahrt in die Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke aufgenommen. Es sei teils eine ruhige und konstante Fahrt gewesen, aber auch so manches Mal eine stürmische Zeit in den vergangenen zwölf Jahren. Heute sage man Dank für diese Zeit und wünsche für die neue Aufgabe viel Freude und Erfüllung, vor allem für die Seelsorge.

Für den Landkreis Rhön-Grabfeld verabschiedete stellvertretender Landrat Josef Demar Pfarrer Karl Feser. Er hob dessen unkompliziertes Mitwirken in den Pfarreiengemeinschaften westliches Grabfeld und Grabfeldbrücke heraus. Den Dank der Stadt überbrachte Bürgermeister Thomas Helbling und nannte das Mitwirken im Ferienprogramm der Stadt, wo das Bogenschießen mit dem Pfarrer regelmäßig ausgebucht war.