Aufgrund der Corona-Beschränkungen sind die touristischen Übernachtungszahlen in Mainfranken massiv eingebrochen, wie jüngste Zahlen der IHK und des Bayerischen Landesamtes für Statistik zeigen, heißt es in einer Pressemeldung der IHK.

Die meisten Übernachtungen in Mainfranken entfielen 2020 auf den Landkreis Bad Kissingen (rund 1,4 Millionen), gefolgt von der Stadt Würzburg (rund 449 000). Die geringsten Übernachtungszahlen verzeichnete der Landkreis Schweinfurt (rund 63 000)

Jähes Ende des stabilen Wachstums

In den vergangenen 20 Jahren hat die mainfränkische Tourismusbranche von einem nahezu stabilen Wachstum der Übernachtungszahlen profitiert. Zwar waren gelegentlich größere Schwankungen bei den Wachstumsraten festzustellen. So brachen die Zahlen im Jahr 2002 etwa um 4,5 Prozent ein, 2006 wuchsen sie um 9,1 Prozent. Gemittelt lag das jährliche Wachstum jedoch bei 1,7 Prozent.

2019 verbrachten rund 6,3 Millionen Übernachtungsgäste aus dem In- und Ausland durchschnittlich 2,5 Tage in der Region. Die Corona-Pandemie hat für das Jahr 2020 nun aber zu einem massiven Einbruch in der Branche gesorgt: Lediglich 3,9 Millionen Übernachtungen in Mainfranken verzeichnete die amtliche Statistik für das Krisenjahr.

Dies entspricht einem Rückgang von 38,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturanalyse spiegeln diese Entwicklung in der Branche.

Tourismus in den Landkreisen

Reisebeschränkungen, der Lockdown im Handel und in der Gastronomie, der Ausfall kultureller Angebote sowie von Events und Familienfeiern haben im mainfränkischen Tourismus flächendeckend tiefe Spuren hinterlassen, ebenso wie abgesagte Tagungen, Messen oder Kongresse, erläutert Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung bei der IHK. Dabei ließen sich große regionale Unterschiede feststellen: Während die Übernachtungszahlen in den Städten Würzburg und Schweinfurt gegenüber dem Vorjahr um 54,0 Prozent beziehungsweise 46,8 Prozent gesunken sind, war der Rückgang in den Landkreisen Rhön-Grabfeld mit 29,0 Prozent beziehungsweise Kitzingen mit 25,0 Prozent am geringsten.

Insgesamt spiegeln die Entwicklungen in Mainfranken die Trends in der gesamtdeutschen Reisebranche. Viele Bürger haben ihren Sommerurlaub in Deutschland verbracht, dort insbesondere in eher ländlichen beziehungsweise naturnahen Destinationen. Dies erklärt auch, warum die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Mainfranken auf 2,9 Tage gestiegen ist. In den Städten hingegen dominierten zuletzt vor allem Reisen aus beruflichem Anlass, erklärt Seynstahl.

Besonders stark war der Einbruch im internationalen Reiseverkehr. So haben im Jahr 2020 56,4 Prozent weniger Gäste aus dem Ausland in Mainfranken übernachtet. Bei inländischen Gästen lag der Rückgang dagegen bei 36,8 Prozent. "Es bleibt zu hoffen, dass das Infektionsgeschehen möglichst rasch eine Lockerung der Reisebeschränkungen erlaubt, um so das Gastgewerbe zu stabilisieren", meint Seynstahl.

Stimmung im mainfränkischen Tourismusgewerbe verheerend

Wie die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturbefragung der IHK Würzburg-Schweinfurt zum Jahresbeginn 2021 verdeutlichen, haben sich die schlimmsten Befürchtungen der mainfränkischen Tourismusbetriebe durch den erneuten Lockdown ab November bewahrheitet. Entsprechend hat sich auch die Stimmung in der Branche verschlechtert.

So sinkt der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der aktuellen Geschäftslage von minus 31 Punkten im Herbst 2020 auf nun minus 97 Punkte und erreicht damit nahezu dasselbe Niveau wie während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 (minus 98 Punkte). Auch der Ausblick auf die kommenden Monate ist von Pessimismus geprägt: Zwei Drittel der Tourismusbetriebe in der Region rechnen mit einer weiteren Verschlechterung, jeder Vierte mit einer gleichbleibenden Entwicklung, und nur gut jeder Zehnte erwartet eine Verbesserung.

"Der erneute Lockdown, hohe Infektionszahlen, diverse Mutationen sowie eine fehlende Öffnungsperspektive haben den mainfränkischen Tourismusbetrieben auf absehbare Zeit jegliche Hoffnung auf Besserung genommen", kommentiert Elena Fürst, IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 blickte zumindest ein Drittel der Tourismusbetriebe voller Hoffnung auf die Zeit nach dem Lockdown. Der Saldo lag mit minus 22 Punkten zwar bereits damals deutlich im negativen Bereich, nun erreicht er mit minus 60 Punkten allerdings ein noch viel schlechteres Niveau.

"Ein Großteil der Tourismusbetriebe steht mit dem Rücken zur Wand. 42 Prozent bezeichnen ihren derzeitigen Liquiditätsstatus als existenzbedrohend, und 58 Prozent der Befragten sehen eine zunehmende Insolvenzgefahr für ihren Betrieb", ergänzt Fürst.