"Bismarck's Basement zu Gast in Bad Bocklet" war das Konzert mit "Echoes of Swing" am Samstag überschrieben. Tatsächlich holten die vier Vollblut-Jazz-Musiker etwas von der Atmosphäre der Gewölbekeller in der Oberen Saline in den deutlich größeren Kursaal. Sie nutzten dessen gute Akustik und spielten unverstärkt. Jazz-Sound pur. Ihr Mix aus Jam-Session, Reaktivierung alter Jazz-Klassiker vor allem aus den 1920er und 1930er Jahren und raffinierten Eigen-Kompositionen begeisterte die 56 Zuschauer, die zwar in großem Abstand sitzen mussten, aber dennoch einen Abend lang die Mischung aus musikalischer Wärme und kraftvollem Tempo des Swing spürten.

Eigentlich für 20. März geplant

"In diesen Zeiten ist es nicht selbstverständlich, dass wir hier oben stehen", kommentierte Band-Leader und Saxophonist Chris Hopkins die aktuelle Lage. Eigentlich war das Konzert für 20. März angekündigt, wurde aber wegen des Lockdowns in Bayern kurzfristig abgesagt. Hopkins berichtete, dass er immer wieder mit Museumsleiterin Späth telefoniert und nach Terminen gesucht hatte. Zunächst wurde der Juni angepeilt. Im Oktober wurde das Team der Oberen Saline schließlich in Bad Bocklet fündig. "Wir machen lieber ein bisschen langsamer", kommentierte Späth die Beschränkung auf 56 Plätze.

Ein weiterer Bestandteil des Hygiene-Konzeptes war, dass das Konzert ohne Pause stattfand. In zum Teil rasantem Tempo spielten die vier Jazz-Musiker zwei volle Stunden durch. Neben Hopkins begeisterten Bernd Lhotzky am Klavier, Colin T. Dawson an der Trompete und Bernhard Fleger, der den eigentlichen Schlagzeuger der Band, Oliver Mewes, würdig vertrat.

"Echoes of Swing" beschränken sich auf keinen reinen Widerhall alter Jazz-Stücke. Die musikalische Reise begann gleich mit dem Stück "aus der Feder eines sehr talentierten Komponisten", wie sich Chris Hopkins scherzhaft selbst titulierte: Der "Orient-Express" nahm Fahrt auf, spätestens Sidney Bechets "Southern Sunsets" holte alle Zuschauer an Bord.

Alles rausgeholt

Bei gefühlvollen Stücken wie Duke Ellingtons "On a Turquoise Cloud" zeigten die Musiker, wie gut sie sich auch ohne elektronische Verstärkung aufeinander einlassen können. Bernhard Fleger am Schlagzeug gab mit dem Besen und gedämpften Becken trotzdem klar den Rhythmus vor. Bei den immer wieder eingeschobenen Jam-Sessions holte er dagegen aus seinen vier Fellen und Becken alles raus.

Mit Scott Joplins "Ragtime Dance" machten die vier Jazz-Musiker einen Ausflug in die Zeit vor Erfindung der eigentlichen Jazz-Musik. Immer wieder stellte dabei Ausnahme-Jazz-Pianist Bernd Lhotzky seine Spielfreude unter Beweis. Ob ganz alleine auf der Bühne, im Duett im Chris Hopkins am Saxophon oder bei der Zugabe vierhändig mit Hopkins am Flügel: Kraftvoll, mit Eleganz und Finesse, aber vor allem Leichtigkeit und Humor begeisterte er das Publikum. Ein Leckerbissen ist seine Bearbeitung einer Gavotte von Johann Sebastian Bach. "Es hat nicht viel gebraucht, um daraus gute Musik zu machen", kommentierte Lhotzky seine Bearbeitung der Bach'schen Suite. Dabei entwickelte er aus dem Motiv raffinierte Einzel-Stimmen, die spielerisch entfliehen, aber immer wieder zueinander finden. Für Leichtigkeit in trüben Zeiten sorgten unter anderem Hopkins Komposition "The Fiji Hula Bula" sowie als Zugabe der von Lhotzky bearbeitete italienische Gassenhauer "Volare".