Ist der Rückkauf der Bad Kissinger Eishalle eine Option?
Autor: Steffen Standke
Bad Kissingen, Sonntag, 08. Dezember 2019
Über die Bedingungen, zu denen die Eissporthalle 2017 an einen Investor verkauft wurde, wissen die Chefs der Stadtratsfraktionen wenig. Ideen für ihre Rückgewinnung gibt es.
Nach dem Rückzug der Kissinger Wölfe aus dem Eishockey-Spielbetrieb rücken im Streit um die Eissporthalle Stadt und Stadträte in den Fokus. Nachfragen bei den Vorsitzenden der Fraktionen ergeben: Keiner weiß so richtig, was im 2017 geschlossenen Kaufvertrag mit dem heutigen Besitzer steht - besonders, was einen möglichen Rückkauf angeht. Dafür glauben alle, dass es noch nicht zu spät ist, die Halle wieder geöffnet zu bekommen.
Alexander Koller (Demokratische Bürger Kissingen) hat es im Stadtrat gehört. Und auch Steffen Hörtler (CSU) hat es sich so vermerkt: Wenn der ukrainische Besitzer ein Jahr lang kein Eis in der Eishalle macht, dann soll die Stadt ein Rückkaufsrecht für die Immobilie besitzen.
Definitiv wissen tun es die Fraktionschefs nicht. Beide begleiteten den Verkaufsprozess vor zwei Jahren im Stadtrat zwar mit; detaillierten Einblick in die Verträge erhielten sie bis heute nicht. "Wir haben zwar zur Bedingung gestellt, dass der Sportbetrieb, das Eislaufen und die Vereinsgaststätte des FC 06 drin sein müssen. Einzelne Klauseln haben wir im Stadtrat aber nicht gesehen", sagt Koller. Und Hörtler ergänzt, dass er gern wissen würde, "wie lange der Besitzer es sich leisten kann, die Halle ohne rechtliche Konsequenzen zuzulassen".
Vorstoß von SPD-Mann Czelustek
Auch Bernd Czelustek, Vorsitzender der SPD-Fraktion, weiß nicht mehr. Deshalb wollte er in der jüngsten Sitzung des Stadtrates wissen, ob und unter welchen Umständen die Stadt die Halle laut Vertrag zurückkaufen könne. Die Verwaltung wollte dies wohlwollend aufnehmen und ernsthaft prüfen, hieß es von Pressesprecher Thomas Hack. Eine Antwort steht aus.
Also heißt es warten. Wobei Czelustek eine klare Meinung hat, was geschehen soll, wenn ein Rückkaufsrecht tatsächlich bestehen sollte. "Für mich scheidet ein direkter Rückkauf der Eishalle durch die Stadt, um sie selbst zu betreiben, aus." Denn dadurch würden die staatlichen Finanzhilfen, die den städtischen Haushalt stabilisieren sollen, gefährdet. Hörtler und Koller äußern sich ähnlich. Die Stadt hatte die Eissporthalle 2017 verkauft, weil sie sich ihren Betrieb als freiwillige Aufgabe nicht mehr leisten wollte.
Um Dynamik in die verfahrene Situation zu bringen, kann sich Bernd Czelustek trotzdem vorstellen, dass die Stadt ihr Rückkaufsrecht wahrnimmt - um das Gebäude weiterzureichen. Zum Beispiel an einen weiteren Investor, der die Halle dann betreibt. Oder an den Landkreis, bei dem die Stadt über die Kreisumlage ja mit im Boot sitze. Oder an eine neue Betreibergesellschaft, an der Stadt, Landkreis, Investor und auch die Kissinger Wölfe beteiligt sein könnten.
Czelustek glaubt nicht, dass die Eishalle "halbwegs kostenneutral zu betreiben" ist; sonst hätte die Kommune sie ja nicht verkauft. "Doch wenn die Stadt der Hebel sein kann, um eine Dynamik in Gang zu bringen, sollte sie es tun."