Seit einem halben Jahr ist der neue Stadtrat im Amt, durch die bisherigen Sitzungen hat sich immer wieder ein Thema gezogen: Wie stark soll die Stadt bei privaten Bauvorhaben eingreifen? Kommunen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten oft mit möglichst großzügigen Bebauungsplänen überboten. "Im Landkreis gab es vor Jahren eine Initiative für schlanke Bebauungspläne", berichtet der Hammelburger Stadtbaumeister Detlef Mohr. Dagegen gibt es Widerspruch: "Ich will keinen Bauherren knebeln, aber man muss ein paar Dinge vorgeben", sagt etwa SPD-Stadträtin Rita Schaupp.

Ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte, ist für Schaupp die neue Willibrordstraße in Hammelburg, also das Baugebiet "Berliner Straße II". "Eigentlich hatten wir dort eingeschossig vorgesehen, jetzt sind einzelne Häuser plötzlich dreigeschossig." Zudem sei keine einheitliche Flucht zu erkennen. Das liegt daran, dass es auf den Grundstücken keine Baufenster für die Gebäude gibt, wie sie früher üblich waren, sondern lediglich die vorderen drei Meter zur Straße frei bleiben müssen.

"Wir setzen nur fest, was uns besonders wichtig ist", berichtet Stadtbaumeister Mohr. Schließlich könnten Bauherren das in den 1990er Jahren eingeführte Genehmigungsfreistellungsverfahren nur nutzen, wenn sie sich an alle Auflagen des Bebauungsplanes halten: "Bei der kleinsten Abweichung ist das hinfällig", betont Mohr. Deshalb wurden lediglich Maximalhöhen für Wände und First vorgegeben. Unter anderem die Dachform darf der Bauherr frei wählen, bei Flachdächern besteht die Stadt in jüngeren Bebauungsplänen lediglich auf eine Begrünung.

"Manchmal sehen Baugebiete dann aus wie Musterhaus-Siedlungen", sagt auch Mohr. Die Willibrordstraße allerdings zählt er nicht dazu: "Ich finde, das ist städtebaulich in Ordnung." Vor allem seien die meisten Bauherren zurückhaltend bei der Farbgebung - sowohl an der Fassade, als auch auf dem Dach.

"Sonst baut keiner mehr"

Eine andere Diskussion entzündete sich an der Aufstellung des Bebauungsplanes "Am Harbach" in Untererthal. Grünen-Stadtrat Florian Röthlein forderte, eine Pflicht zur Nutzung regenerativer Energien vorzuschreiben. Unter anderem erinnerte er alle Fraktionen an Schlagworte wie Nachhaltigkeit in deren Wahl-Programmen. CSU-Stadtrat und Bau-Unternehmer Patrick Bindrum warnte aber vor zu vielen Vorgaben: "Wir sind nicht so attraktiv als Standort, dass wir uns alles erlauben können", sagte er, und: "Sonst baut keiner mehr hier."

Die Beratung des Bebauungsplanes wurde im September zurückgestellt, obwohl Bauherren auf eine schnelle Erschließung drängen. Die Verwaltung sollte prüfen, was an Vorgaben möglich ist. Ein Kompromiss-Vorschlag des CBB-Stadtrates und ebenfalls Bauunternehmers Alexander Stolz war, dass keine konkreten Techniken vorgeschrieben werden, sondern auf gesetzliche Standards verwiesen wird. "Man muss ja Bebauungspläne länger denken, die müssen auch noch in zehn Jahren gültig sein", sagte Stolz, und: "Gesetze sind da viel aktueller."

Als warnendes Beispiel verwies Stolz auf das Baugebiet "Berlin Area": Weil die Stadtwerke dort ein Block-Heizkraftwerk und ein Nahwärmenetz betreiben, dürfen Bauherren keine thermische Solaranlagen oder größere Holzöfen nutzen. Ergebnis: Die Grundstücke dort würden "zögerlich" bebaut. Auch Stadtbaumeister Mohr berichtet, dass andere Kommunen konkretere Vorgaben zu regenerativen Energien machen, aber: "Das ist eine rechtliche Grauzonen." Auf Mohrs Vorschlag hin wurde der Bebauungsplan "Am Harbach" in Untererthal im zweiten Anlauf ohne entsprechende Vorgaben verabschiedet.

Trotzdem gab es einen Konsens im Stadtrat, dass bei künftigen Bebauungsplänen frühzeitig über mehr Vorgaben beraten werden soll. "Wir sollten aber nicht auf moderne Trends setzen, sondern auf Energie-Effizienz allgemein", sagte Stolz. Beim nächsten Bebauungsplan kann Stolz das an vorderster Stelle mit umsetzen. In Obereschenbach erschließt die Baufirma Stolz auf eigene Rechnung das neue Baugebiet "Burkersrasen". Deshalb erarbeitet ein Ingenieurbüro im Auftrag der Firma einen Bebauungsplan für die vermutlich sechs Bauplätze. "Planungsbehörde ist am Ende natürlich die Stadt", stellt Stolz klar. Er werde prüfen, wie Vorgaben zum Energieverbrauch möglich seien, sagt der Unternehmer. "Das muss heute ja sowieso jeder Bauherr einhalten."

Thema im Stadtrat war zudem bereits, wie sinnvoll alte Bebauungspläne noch sind. Viele Vorgaben seien veraltet, berichtet Stadtbaumeister Mohr immer wieder. Deshalb werden fast in jeder Sitzung Befreiungen genehmigt. Für Ochsenthal gebe es sogar einen Beschluss zur Aufhebung eines alten Bebauungsplanes. "Das ist aber bis heute nicht zu Ende gebracht worden", sagt Mohr. Wenn Baugebiete weitgehend bebaut seien, könnten die Bebauungspläne durchaus aufgehoben werden. Alte Bebauungspläne zu ändern, sei dagegen nicht sinnvoll: Die entsprechenden Verfahren seien sehr zweitaufwendig und die Gefahr groß, dass betroffene Grundstückseigentümer klagen.

Auf keinen Fall will Mohr eine Konkurrenz zwischen Baugebieten und dem Gestaltungsleitfaden für die Altstadt aufkommen lassen. "Viele achten freiwillig auf die Gestaltung, und wir sind auch sehr großzügig", betont Mohr. So seien bei Fenstern zum Beispiel Sprossen erst ab einer Breite von 1,30 Metern verpflichtend vorgeschrieben. "Wir versuchen immer, konstruktive Lösungen zu finden."

Im Zusammenhang mit anderen Bauvorhaben gab der Stadtrat der Bauverwaltung mit auf dem Weg, Bauherren wieder verstärkt auf Stellplätze hinzuweisen: Wenn etwa durch einen Dachausbau eine eigenständige Wohnung geschaffen wird, müssen entweder Stellplätze auf dem Grundstück geschaffen oder von der Stadt abgelöst werden - selbst wenn die Wohnung gar nicht vermietet wird.

In vielen Siedlungen würden die Straßen immer mehr zugeparkt. Deshalb müsse die Stadt das Geld für abgelöste Stellplätze auch in Parkplätze investieren. Zudem will der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen die Förderung von Zisternen prüfen: Die Stadtwerke hatten den Bau von Zisternen schon einmal bezuschusst, haben das Programm jedoch längst eingestellt.